Fatal Urge

Listiors virtuelles Ventil.

Triumphale Heldigkeit (mit Verspätung)

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Wenn jetzt gesagt wird, dass der gute Mann vermutlich schon seit fünf bis sechs Jahren dort Quartier genommen hatte, dann muss man sich wirklich fragen wie es sein kann, dass man dort all die Jahre nicht mal nachgeschaut hat…

Wie dem auch sei: die Art und Weise wie diese neueste Heldentat nun medial und politisch verwurstet ist, schafft es, mich ausreichend aufzuregen, um mal wieder ein wenig Dampf abzulassen. Der Mordstriumph der US-Dummys nebst internationaler Schergen ist vor allem eines: Ekelhaft. Ekelhaft genug, dass ich mal wieder bloggen muss – obwohl in letzter Zeit viel kommentierenswerter Wahnsinn geschehen ist, der ein paar deutliche Flüche nötig gehabt hätte.
Was hat denn die Welt von einem toten Bin Laden? Nachdem sein Terrornetzwerk ohnehin schon seit längerer Zeit dezentral arbeitet und funktioniert und Bin Laden zudem schon von anderen verdrängt wurde in der Organisation dient sein vermentlicher Aufgriff nebst Tötung doch nur zwei Zwecken: Das seit 9/11 lodernde Rechebedürfnis vieler Amerikaner und Spießgesellen wird endlich mordsmäßig befriedigt und Obama poliert seinen Ruf als großer Führer der Freien Welt etwas auf, was ihm eventuell die Wiederwahl sichert (denn wie wir wissen misst sich die Größe einer Persönlichkeit sehr gerne daran, wie viele und auf wie medienwirksame Weise sie Menschen auf dem Gewissen hat; das war zu Zeiten der europäischen Könige nicht anders). Sonst hat die Welt freilich nichts von Bin Ladens Leiche, die nun irgendwo im Potamac treibt oder weiß die Hölle wo. Abgesehen davon wird freilich wunderbar weitere Aufklärung verhindert, denn der (vermeintlich geständige) Hauptverdächtige kann nun nicht mehr befragt werden. Es kann keine ordentliche Verhandlung geben, die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Demokratie sind gepflegt ins Knie gefickt (wenn man mir diesen Ausdruck gestattet).

Neben diesen unmittelbaren und offensichtlichen Uneleganzen, die sich durchaus so wie sie sind schlimm genug ausmachen, erleben wir aufs Neueste und Allerschönste die unglaubliche Idiotie unserer Kanzlerin, die sich nicht entblödet, zu bekennen, wie sehr es sie freut, dass die Tötung Bin Ladens gelang. Okay, wenn die Thesen eines Thilo Sarrazin sich durchaus mit den Prinzipien der deutschen Sozialdemokratie vereinbaren lassen dürfte es kaum einen verwundern, wenn die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland Mord (“NACH einem Schusswechsel”, dass man mir das “NACH” hier nicht vorbeiflutschen lässt!) als veritables Mittel demokratischer Gerichtsbarkeit ansieht. Was außer einem fassungslosen “Geht’s noch?” kann einem da noch in den Sinn kommen?

Wir wissen nicht wirklich, ob Bin Laden der Drahtzieher hinter den Anschlägen unter anderem auf das World Trade Center ist. Bin Laden hat sich mutmaßlich dazu bekannt aber in diesem Zusammenhang ist es schon merkwürdig, wenn sich Al Qaida (vielleicht erinnert sich außer mir noch jemand daran) kurz nach den Anschlägen erstmal rigoros davon freigesprochen hat, etwas mit der Sache zutun gehabt zu haben. Später wurde das – wie gesagt – vermeintlich redigiert aber warum sollte man sich erst nicht mit der vermutlich beeindruckendsten Schreckenstat der letzten Jahre rühmen und schmücken wollen, wenn es doch genau das ist, was man als Terrorgruppe will: Schockieren, Angst und Schrecken verbreiten und jede Menge Aufmerksamkeit? Aber das nur nebenbei; Bin Laden war alles andere als ein lieber, netter Pursche von nebenan. Wobei es genügend Arschlöcher auf der Welt gibt und man nur den wenigsten davon wirklich den Hals umdrehen möchte.

Das Problem ist schlichtweg, dass ein Mord als triumphaler, heldischer Akt gefeiert und bejubelt wird obwohl er im Grunde nur im Rahmen eines fundamentalen Westerndenkens angemessene Alternative zu einem ordentlichen Prozess sein kann und wenn die Art und Weise wie er verübt und inzwischen “abgewickelt” wurde sich eines intensiven Ruchs nicht erwehren kann. Im Sinne von Demokratie, Humanismus, Rechtsstaatlichkeit und wegen meiner auch gerne christlicher Moralvorstellungen kann es schlichtweg nicht sein, dass einem solchen Vorgehen zugejubelt wird. Und wenn ich auch den Hass der Amerikaner noch einigermaßen nachvollziehen kann, begreife ich nicht, welchen Mehrwert hiesige Politik und halbwegs kritische, demokratisch fundierte Medien darin erkennen können. Das ganze ist einfach nur widerlich und wer glaubt, damit im vielbemühten “Krieg gegen den Terror”, diese dümmliche Propagandaphrase, einen bedeutenden Sieg errungen zu haben, verdient es, einmal gehörig auf den Pott gesetzt zu werden.

Tja, ich wollte darüber bloggen. Vielleicht mach ich’s trotzdem noch, richtig. Aber eigentlich hat jemand anderer dass schon wesentlich besser vor mir erledigt, nämlich Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten – auf dessen entsprechenden Artikel ich schnell noch verlinke, wenn er es auch nicht nötig hat:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=9278
Und auch Volki findet mal wieder die richtigen Worte:
http://www.wdr2.de/unterhaltung/kabarett/volker_pispers102.html

Geschrieben von listior

05/03/2011 um 20:13

Veröffentlicht in Hmm...

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