Fatal Urge

Listiors virtuelles Ventil.

Archiv für die Kategorie ‘Das Glück ist ein kleines Hündchen

Für mich nichts mehr, vielen Dank

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Reicht mir schon wieder heute Morgen…erstmal quält mich seit gestern abend ein ekliges Sodbrennen, weil ich dumm genug war, anstatt etwas Richtigem McDonald’s-Zeug zu fressen. Ich vertrag das meistens nicht so gut, wenn ich lange nichts von denen hatte aber ich war zu faul zum Kochen und sonstwas, deswegen bin ich da gestern hingedüst ums heute schmerzhaft zu bereuen. Dann hatte ich mal wieder mit Einschlafproblemen zu kämpfen. Das ist schon die ganze letzte Woche so. Allgemein gehe ich spät schlafen, weil ich zumindest noch ein bißchen was vom Tag haben möchte, wenn ich schon werktags bis in die Puppen in diesem beschissenen Büro sitzen muss. Wenn ich dann aber endlich im Bett liege und aufgrund der verdammten Witterung erstmal stundenlang nicht ans Schlafen komme, ist das erst recht fatal.

Bin insofern heute arschmüde und mochte nicht aufstehen. Konsequenz: kurz nach Ultimo endlich raus aus dem Bett, dessen Kissen mal wieder pladdernass war, weil geht ja nicht anders.Physis entschweißt, Haar geduftet, Zähne geglättet, Atem entpilzt und angezogen. Die Witterung verlangt für’s Büro nach einem kurzärmligen Hemd. Bevor ich ins Büro marschieren kann, muss freilich der verdammte Hund erst nochmal raus. Schlimm genug, wenn man spät dran ist und seine elende Bettelei vor der Haustür, sobald man auch nur die Treppe nach unten betreten hat, stimmt auch nicht gerade fröhlich. Nun, Leine genommen und festgemacht, Schlüssel gegriffen und mit Mühe das hakende Türschloss geöffnet, da regnet es draußen in Strömen. Eher suboptimal, dann ein dünnes, lurzärmliges Hemd zu tragen.

Also mache ich den Köter mit Leine schnell außen am Türgriff fest (so könnte der Köter wenigstens schonmal den Baum auf der anderen Straßenseite anpinkeln) und durchwühle die Garderobe nach meiner Sommerjacke. Das elende Ding ist nicht zu finden. Zwischenzeitlich hat sich das blöde Vieh, welches ja an einer an dem Griff der offenen Tür befestigten Laufleine hängt, auf die Straße begeben um nach dem nervigen Weibchen von gegenüber zu glotzen und um nachzuprüfen, was die da drüben wohl mit all den Leitern vor dem Haus machen. Fürgewöhnlich ist die Straße nicht so stark befahren, schon garnicht morgens in der Ferienzeit. HEUTE aber rast natürlich einer von diesen urbanen Geländewagen hindurch, die die jeweiligen Eigentümer (so sie auch nur eine Sekunde lang ehrlich genug wären, sich das einzugestehen), ungefähr so dringend brauchen wie mehrere Furunkel am Hintern, lärmt rum und nimmt das blöde Vieh fast auf’s Korn, während es dumm wie Brot (oder ein Reh guckt, „kurz bevor die Augen brechen“) auf die Scheinwerfer glotzt.

Bleibt mir also nichts übrig als den Köter aus dem Weg und zurück ins Haus zu ziehen, während ich weiter nach meiner Jacke gucke, wogegen der sich natürlich wehrt. Trotzdem kriege ich ihn rein und schließe die Tür erstmal wieder, um ein paar andere Jacken aus dem Weg nehmen zu können, finde meine Jacke aber trotzdem nicht. Selbstverständlich ist im Schirmständer auch kein Regenschirm. Der Zeit sind meine Probleme egal, sie vergeht fröhlich weiter. Angesichts dessen entschließe ich mich, auf den Regen zu scheißen und will den Hund jetzt nur noch schnell entleeren, um nicht noch später zu kommen; es ist bereits fast halb neun und um neun habe ich einen Termin heute Morgen. Augen zu und durch, denke ich und will mich auf den Weg machen, doch die verdammte Tür geht nicht mehr auf. Wenn wir hier im Hause die Haustür schließen, schließen wir automatisch auch immer mit dem kleinen Knauf die Tür ab. Das hat sich fast jeder über die Jahre so antrainiert, weil der große Hund, den meine kleine Schwester dem Haushalt überlassen hat, nachdem sie zu ihrem Mann gezogen ist (und dort nun schon einen weiteren Hund eingeschläfert und inzwischen den dritten in Folge hält), dazu neigt, die Türklinke anzuspringen und wegzulaufen, wenn man ihm die Chance gibt. Er bekommt es aus irgendeinem mysteriösen Grund stets mit, wenn mal jemand nicht abschließt und nutzt die Gelegenheit trotz seines hohen Alters nach wie vor umgehend.

Nun hakt der Schlüsselknauf also wieder. Ich presse die Tür zu, ich feuchte mir die Finger an doch der Griffel klammt weiter. Ich überlege, die Zähne zu verwenden… hake dann aber doch den Griff der Laufleine ins Treppengeländer (damit „mein“ Köter das Ding nicht wieder auf die Fliesen runterzerren kann; der eine oder andere mag sich erinnern, dass so mein brandneues Handy kaputtgegangen ist letztes Jahr. Ist übrigens noch immer kaputt) und renne in die Küche auf der Suche nach einem Handtuch, mit dem ich den Knauf besser zu fassen bekomme. Damit geht’s letztendlich ein bißchen besser und die Tür endlich auf, Hurra. Also raus in den Regen, über die erste Straße, über die zweite Straße, über die Brücke den Fußweg entlang in den Eingangsbereich des Parks und dort so lange herumgelaufen, bis das eklige Viech endlich genug geschissen hat (man vergebe mir bitte die vielen Kraftausdrücke in diesem Blog). Und sowas zieht sich… Köter koten nicht auf Knopfdruck. Und wenn man sowas züchten KÖNNTE, wäre ich eher dafür, dass man deren Exkrementierungsdrang ganz weg-genexperimentiert.

Jedfenfalls schlurfte ich noch eine ganze Weile im Regen herum, bis die Sache endlich erledigt war. Kaum über die Brücke wirft sich der Hund fast schon wieder vor ein Auto und ich muß ihm den Hals und mir das ohnehin leere Portemonnaie retten, denn ich habe doch meine Zweifel, dass seine eigentliche Besitzern nach wie vor das Geld für die Hundehalterhaftpflicht bezahlt (abgesehen davon, dass ich sie mangels Adresse und sonstwas im Schadensfall eh nicht erreichen könnte). Ich will das Vieh zu Hause abliefern, es selbst will lieber im Regen bleiben, schnüffelt an der Ecke, an dieser, Steckt die Nase in die vor zehn Minuten selbst produzierte Pfütze um sich selbst besser kennenzulernen und trödelt fröhlich herum, während mein Hemd immer durchnässter wird. Schließlich schleife und scheuche ich das Tier schnellstmöglich heim, greife mir meine Wasserflasche und meine Brieftasche, versuche mehrfach vergeblich, das klemmende Haustürschloss abzuschließen bis es mir endlich gelingt und bin dann endlich auf dem Weg in mein geiles Büro, um angemault und von Papier erschlagen zu werden. Unnötig zu erwähnen, dass mein Neun-Uhr-Termin natürlich erst um halb zehn auftauchte.

Selbst ich habe schon angenehmere Montage erlebt, um es mal so zu formulieren. Mir graust vor einer Woche, die bereits so beschissen anfängt… Der Rest des Tages war bisher übrigens auch alles andere als sonderlich berauschend. Mein Leben ist aber sowas von klasse! Mir steht’s echt bis Oberkante Unterlippe.

Geschrieben von listior

08/18/2008 um 11:38

Nachts unterwegs

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Durch diesen Park wanderte ich vor etwa drei Stunden gerade mal wieder in meiner nie endenwollenden Pflicht, den Hund zu entladen. Im Kaff sind heute Schlemmertage, was bedeutet, das haufenweise alte und alternde Spießbürger durch die Straßen flanieren um ihre wohlgefüllten Bäuche spazierenzutragen. Wenn ich meine Hundeläufe absolviere möchte ich allerdings mit meinen Mitmenschen erst recht nichts zutun haben. Abgesehen davon, dass ich keinesfalls für einen netten, liebevollen Hundefreund gehalten werden möchte, der Gassigehen als eine Art Erfüllung betrachtet, ist es strenggenommen Pflicht im Kaff, die Exkremente seines jeweiligen Hundes einzutüten, soweit er sie im Park liegenlässt und in einer der Sammelstationen zu entsorgen, die vorgehalten werden. Davon gibt es genau zwei, weil ein Lokalpolitiker danach kreischte und mehr haben wir niemals angeschafft und werden wir auch niemals anschaffen, weil die Teile und die jeweiligen Tüten schlichtweg zu teuer sind. Das gilt insbesondere, da die Tüten im Regelfall bahnweise aus dem Spender gerupft und dann unbenutzt im Teich versenkt werden. Die Rücklaufquoten, die ich einmal berechnen musste, liegen bei weit unter 10% und die billigen Tüten, von deren Anschaffung ich meinem Chef damals abgeraten habe, helfen einem weder, den Ekel zu überwinden noch können sie den Gestank der Scheiße von der Hand fernhalten, weil sie einfach viel zu dünn sind.

Wir stellten nur zwei davon auf, nach unserem Plan einen Spender am einen Parkeingang am Wasser (natürlich zufälligerweise in unmittelbarer Nähe des Politiker-Elternhauses) und den anderen Spender wollten wir zum anderen Parkeingang direkt am Wasser plazieren. So hätte der Hundeführer sich bei Spender A eine Tüte abreißen können, diese unterwegs befüllen und an Spender B entsorgen. Super Konzept oder? Aber da wurden plötzlich staubige Gehirne in der Abteilung für Öffentliche Einrichtungen kreativ, übernahmen für das *hüstel*Projekt*hüstel* die Federführung und stellten Spender B in der Mitte des Wegs um den Teich bei einem Rosenbeet auf, weil da angeblich die meiste Scheiße zu finden war (jenseits so manchen Kopfes jedenfalls). Dort steht er noch immer, Spender A allerdings wurde dem Politiker zu eklig und deshalb zum anderen Parkeingang am Teich verbracht, wo sich neben den die Banken bewohnenden Pennern niemand an dem Ding stören dürfte.

Diese Dinger soll ich jedenfalls eigentlich benutzen, tue es aber schon allein deswegen nicht, weil sie nicht das von mir favorisierte System sind, weil sie am falschen Ort stehen und weil ich im Dunkeln, wenn ich als Mondsüchtiger bevorzugt den Köter koten lasse, eh nicht sehe, wo er nun eigentlich seinen stets farblich gut angepassten Haufen hinsetzt. Sollte mich bei der Missachtung dieses tollen Systems allerdings so ein anderer militanter Hundebesitzer entdecken (außerdem haben wir noch militante Radfahrenthusiasten; da ist ein sehr unbeliebter Lehrer federführend), hätte ich freilich gegen meine Vorbildfunktion verstoßen und würde erstmal öffentlich fein etwas auf die Finger bekommen.

Alles gute Gründe, Kamerad Mitmensch zu meiden und deshalb wählte ich einen meiner bevorzugten Finsterwege am Waldesrand entlang, über den großen Spielplatz mit der neuen Boules-Bahn und mitten durch den Park hindurch am besagten Denkmal vorbei. Nun gibt es dort zwei mögliche Wege zurück an die Hauptstraße: Den Beleuchteten Weg direkt an der Bundesstraße und Aldi und Co vorbei oder den unter den dunklen Bäumen hindurch an der Bank vorbei, wo vor etwas über einem Jahr ein stadtbekannter Rumtreiber erschlagen wurde. Ich habe damals darüber geblogt, wenn ich nicht irre, und darüber, dass ich in genau dieser Nacht damals ausnahmsweise den beleuchteten, weil auch besser gekiesten Weg an der Straße genommen hatte und zwar vermutlich genau zu der Zeit, zu der der Mord stattgefunden hatte, bzw. vielleicht eine halbe Stunde vorher. Man hatte den Täter inzwischen geschnappt, aber letztendlich nach nichtmal einem Jahr mangels Beweisen meines Wissens wieder laufenlassen müssen (ähnlich, wie es in meinem interfamiliären Drama wohl kommen wird).

Trotzdem hatte ich mich zwischenzeitlich von den albernen, mulmigen Gefühlen befreien können, die mich seit dem Vorfall bei dem Gedanken daran, nächtens diesen Weg zu nehmen, befallen hatten. Ich hatte mir selbst eine regelmäßigen Konfrontationstherapie verschrieben und ging eine Weile jede Nacht zwischen eins und drei an der betroffenen Bank vorbei. Anfangs nahm ich albernerweise sogar eine Taschenlampe mit, die ich gelegentlich anknippste. Das ließ ich dann irgendwann bleiben, hielt mich trotz Unwohlseins länger bei der Bank auf, vor der man die Leiche gefunden hatte und auf der der Mann sich gern vollaufen ließ oder Druck spritzte und schließlich war ich von meinen Ewigkeitsblähungen befreit. Eines Nachts nun ging ich wieder fast so selbstbewußt wie vor dem Verbrechen den dunklen Weg entlang und dachte mir nichts, sondern bestaunte einmal mehr den silbernen Mond und wunderschöne Sterne, als vor mir Geräusche ertönten. Es gibt im Kaff einen kleinen, sehr haarigen arabischstämigen Typ, der hier als Asylant aufgenommen worden ist. Es heißt, dass seine komplette Familie bei einem politisch motivierten Brandanschlag in Ghana ums Leben gekommen ist, der den eigentlich sehr intelligenten Mann (er spricht noch heute mehrere Sprachen, einschließlich seiner ganz eigenen) seinen Verstand gekostet hat. Er macht seit er im Kaff ist dadurch auf sich aufmerksam, dass er gerne plötzlich irgendwo auftaucht, bevorzugterweise auf Supermarktparkplätzen, und in wirrem Geräuschen der Luft oder sonstwem wilde, leidenschaftliche Predigten hält. Gelegentlich rennt er auch nachts durch die Stadt und knurrt wie ein durchgedrehtes Tier, bis man ihn anspricht und der “Good Evening.” sagt. Hat man Glück geht er dann weiter, hat man Pech folgt eine weitere unverständliche Predigt. Ich grüße ihn knapp wenn ich ihn sehe und gehe dann weiter. Er starrt mir dann meistens hinterher, mit einem Gesichtsausdruck, als würde er nach Worten für eine weitere Predigt suchen.

Jedenfalls stammten die Geräusche vor mir im Park damals offensichtlich von ihm. Er hatte wieder sein kehliges Knurren ertönen lassen, welches mich aus meinen tiefen Gedanken jagte und aufschrecken ließ. Ich konnte nichts erkennen und sorgte mich, dass einer der herumstreunenden großen Hunde es nun auf mein Zipperl abgesehen hatte und ich zu allem Überfluss dieses Tier jetzt auch noch vor einem brutalen Kampfhund erretten musste. Damals war die Sache auch schon kein Liebesdienst mehr, sondern das gleiche unverschämte Ärgernis, das sie heute ist. Trotzdem hatte ich nicht wirklich eine Wahl. Mein Leihhund sprang jedenfalls zitternd hinter mich und ich starrte auf den Boden in die Dunkelheit, um unsere frische Bekanntschaft auszumachen. Es stellte sich schließlich heraus, dass es der PRediger war, der von den Kaffern gerne Osama genannt wird (obwohl es ja eigentlich Ussama ben Laden heißen müsste aber ist ja doe populäre Schreibweise, das). Ich beruhigte mich sofort wieder und murmelte ein mürrisches ‘Nabend. Das schien Ussama aber nicht in den Kram zu passen; er fand wohl Gefallen daran, nachts Leute im Park zu erschrecken und verfiel in ein ausgesprochen lautes und feindseliges, doch leider mal wieder unverständliches Keifen und Zetern, als ich ihm den Rücken zuwandte und stehenließ. Er hatte wohl auf der anderen Bank im Wäldchen gehockt, vielleicht im Rausch oder schlafend und vor sich hingeknurrt. Mag sein, dass wir seinen Schlaf gestört haben. Mag auch sein, dass er allgemein auf Verwaltungsleute, auf deren verruchte Gnade er ja nun leider angewiesen ist und mit denen er zu dem Zeitpunkt viel Ärger hatte, weil die unsympathischen, zickigen Nachbarn in seiner Mietwohnung ihn wegen seines Radaus so dringend loswerden wollten, allgemein wenig gut zu sprechen war, jedenfalls zeterte er noch eine ganze Weile wild vor sich hin und lärmte dabei dermaßen herum, dass Leute aus Fenstern und Türen auf die Straße glotzten und sich fragten, was da denn wohl wieder loswäre. Freilich brachten sie die Geräuschkulisse mit mir in Verbindung und damit hatten sie ja leider nicht Unrecht.

Seitdem fällt es mir wieder etwas schwerer, diesen Weg zu gehen, denn woher will ich wissen, ob Ussama da nicht wieder auf der Bank ratzt, knurrt und in die Luft geht, wenn unverschämte Leute ihm nachts einen ‘Nabend wünschen. Heute stand ich wieder vor der Wahl, ob ich den dunklen oder den hellen Weg nehme. Ich habe den dunklen lieber, solange es halbwegs trocken ist, denn die Bäume bieten nachts einen erhebnden Anblick, man hat nicht mit dem Straßenlärm zu kämpfen und muss keine furchtsamen Möchtegernnachtschwärme auf dem Nachhauseweg grüßen, die auf diese Weise ihre Panik zu reduzieren gedenken, wenn ihnen nachts so eine unansehnliche Silhouette wie ich entgegenkommt. Ich entschied mich für den Finsterweg und auch der Hund schien ihn vorzuziehen. Allerdings sprachen das Schlemmerfest, die Schönheit und Trockenheit der Nacht und der klare Himmel dafür, dass Ussama heute mal wieder Spaziergängern auflauert und ich gönnte ihn einerseits nicht die Genugtuung, mich erneut unerwartet zu erwischen und andererseits wollte ich nicht wieder dafür verantwortlich sein, dass der arme Irre die halbe Gegend aus dem Schlaf reißt mit seinem Gekeife.

Ich wollte aber auch nicht den beleuchteten Weg nehmen, zumal da gerade ein Haufen pubertärer Gören furchtbar artig mit dem Fahrrad vom Besäufnis nach Hause fuhr. Ich spähte also den Weg vor mir aus und suchte nach der Bank, konnte jedoch nichts entdecken. So stand ich im Dunkeln nahe des Denkmals im Wald herum und suchte irgendwo neben mir nach der Gestalt des Hundes, der den Geräuschen nach mal wieder damit beschäftigt war, Gras zu rupfen und zu verspeisen. Im Grübeln und darauf wartend, dass wir weitergehen können, griff ich in meine linke Gesäßtasche und holte mein nach wie vor kaputtes Handy hervor, mit dem ich vorm Losgehen noch eine SMS versandt hatte und wollte überprüfen, ob mir eine Antwort entgangen war. Statt der SMS-Benachrichtigung hatte sich das Handy, welches ja seit seinem Sturz nicht mehr richtig schließt und deshalb in meinen Taschen ständig mit abwechselndem Paling! und Palong! auf- und zugeht, wenn ich es nicht irgendwie festklemmen kann, mal wieder selbst in den Minikameramodus versetzt. Das kommt leider häufig vor. Manchmal spielt es auch plötzlich ein Lied aus seinem Fundus oder das Radio geht an und meldet mir vorwurfsvoll, ich müsse doch ein Headset anschließen für Radioempfang.

Die Minikamera brachte mich eine nette Idee: Ich machte ein paar lustige Blitzlichtphotos in die Nacht hinein. Selbst, wenn ich so nicht Ussamas Hinterhalt zu entgehen vermochte, konnte ich den Fahrradkindern angesichts des einsetzenden Nieselregens vielleicht vorgaukeln, das ein Gewitter unterwegs sei. Doch weder konnte ich die Kinder beeindrucken, noch schien Ussama heute Abend im Park unterwegs gewesen zu sein. Stattdessen habe ich eine ausgesprochen langweilige Photostrecke geschossen, auf der noch nicht einmal der das Gras durchpflügende Hund zu sehen ist, weil ich zu blöd war, mit der Linse der Kamera richtig zu zielen. Ich gab das Vorhaben also nach ein paar nicht sehr aufschlussreichen Blitzen auf, latsche etwas betrübt nach Hause und fing mit diesem Blogeintrag an. Da die unspannende Photostrecke immerhin versehentlich auch ein unschmeichelhaftes Bild von mir featured, wie ich den Boden vor mir nach dem Hund absuche, dachte ich mir, ich verleihe ihr einen Sinn, indem ich sie zum Abschluss hier verlinke. Ich bezweifle, dass es auch nur eine Person unter Euch gibt, die schon exquisitere Bilder von vollkommen leerer und belangloser Nacht gesehen hat:

So’m Ding mag keiner im Dunkeln begegnen…oder überhaupt


Nacht – dunkel und geheimnisvoll, oooooja


Nacht – mal aus einer ganz anderen Perspektive


Nacht – unfassbar nächtlich


Nacht – mit den Augen der Nacht gesehen


Kreative Inspiration für den Blogtitel: SEHT, Was vom Tage übrigblieb: Die NACHT


Es ist gleich vorbei…


Die Wurzel allen Übels

Geschrieben von listior

08/03/2008 um 03:23

Ich muss wirklich diesen Hund loswerden…

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Ein erneuter (harm- weil kraftloser) Biss in die Hand, die ihn aus dem Weg ziehen wollte, hat so eine Wirkung auf den unfreiwilligen Hundebesitzer. So mies und untalentiert ich als Herrchen (wie das allein schon klingt…) auch sein mag, ich muss mich nicht von diesem Vieh, dass hier sicherlich kein paradiesisches, aber durchaus menschenwürdiges Asyl genießt, nicht beißen lassen – und sei es auch nur ein warnendes Schnappen gewesen. Man findet sich ja halbwegs mit dem Krach ab, der ausbricht, sobald auch nur der Schatten eines Menschen an der Hausfront vorbeischleicht – jedes Auto, jedes Klingeln, jeder Fußtritt könnte ja selbst nach zwei Jahren Frauchen sein (Oder wenigstens ein Hundeliebhaber, der mit dem ja ach so niedlichen und wuschligen Teil herumduddeln möchte… „Ach wie süß! Ach wie goldig…nein, ich darf in meiner Wohnung keinen Hund halten!“*flücht*). Treue und Loyalität sind ja eine schöne Sache aber können, wie man sieht, auch wahnsinnig dumm sein und allen anderen Betroffenen und schließlich einem selbst unendlich auf den Sack gehen. Insbesondere um diese Zeit treibt es mich vollkommen in den Wahnsinn, wenn dieses dämliche Vieh (wie just vor einer Sekunde) mal wieder total abdreht, weil draußen irgendwelche Kiddos Zigarretten ziehen oder nur auf der anderen Straßenseite ein bißchen herumalbern. Bin ich nun überkritisch oder ist das verständlich, zumal die drei anderen Scheißköter im Hause natürlich sofort in den Lärm meines Zipperls einstimmen und sie sich dann gegenseitig Konkurrenz in elementarer Nervigkeit machen?

Die sich überall findenden Haare („Nein, der haart überhaupt nicht!“ Ja, alles klar…allerdings schere ich ihn auch nicht und betriebe allumfassende Fellpflege sondern mit Unterstützung nur das nötigstem weil ich dieses Pudelgetue albern finde und die Vereinbarung damals war, dass sein Frauchen das macht, wenn es regelmäßig da ist) und das gerade frisch gewechselte und nun schon wieder von Pfoten verdreckte Bettlaken, die ständig zerwühlten Decken, die sporadisch auftauchenden Urinpfützen, das ständige lärmreiche Rein und Raus, sobald sich irgendwo eine Tür öffnet („Spielen, Futter? SPIELEN, FUTTER? SPIELEN????“ Stirb, verdammt…) oder sonst ein Geräusch erklingt, das endlose Verfolgtwerden, die zerstörten Schuhe (seien es fremde oder eigene), die leergeräumten Mülleimer und der zerissene Müll vor der Tür, auf der Treppe, unterm Bett, vor dem Fernseher, ach überall NACH dem Leerräumen des Mülleimers, zerkaute teuere Kulis, angenagte Kabel und Telefonleitungen, angefressene Essensreste – vermeintlich sicher auf dem Tisch, die etlichen T-Shirts mit Krallenlöchern drin, die man dann nicht mehr in der Öffentlichkeit anziehen kann, die Zeit, die man insbesondere Schulmorgens mehr einplanen muss, weil das dumme Vieh ja unbedingt noch raus muss, schließlich kam man frühestens am späten Nachmittag aus der Schule wieder und Pisse und Scheiße (unverblümt gesagt) von Hunden mag niemand in der Wohnung haben, das endlose Gejammere wenn man das Haus verlässt und das Tier allein zurück, Ärger mit der Stadtverwaltung weil blödsinnige Nachbarn sich beschweren oder überbesorgte Mütter finden, dass sie ihre schissigen Kiddies vor der Bedrohung durch so ein 30cm-Tier schützen müssen (meine Mutter hat mich trotz meiner fiesen Hundeangst vornehmlich ausgelacht, wenn ich vor irgendwelchen heranrasenden Erdferklen schisste; JETZT habe ich keine Hundephobie mehr, komisch) und schließlich der nichtendenwollende Gestank, der mit alldem einhergeht…an all das hatte man sich über diese vielen Monate ja gewöhnt. Aber wenn gerade wegen der Haare, des Gestankes, der nervigen Wühlerei und aufgrund von Kopfschmerzen die rentennahe Frau Mutter sich ausbittet, das Tier bitte aus ihrem Wohnzimmer herauszuhalten, dieses aber anstatt sich dem Willen des entnervten gedungenen Halters zu beugen stattdessen lieber einmal mehr die Hand beißt, die es füttern muss, dann geht dem Halter, der genug um die Ohren und auf dem Herzen hat, dann schon mal der Hut hoch. Nicht, dass er etwas Schlimmes täte, er wird nur wirklich sauer und fragt sich verdammtnochmal was zur Hölle er verbrochen haben muss, dass er noch immer auf diesem Zipperl herumsitzt, obwohl er doch niemals, niemals, niemals so was wie einen Hund hatte haben wollen!

Ein verhängnisvoller Liebesdienst, wie schon mehrfach betont, wenngleich von der namensgebenden Liebe inzwischen endlich beiderseits nichts mehr übriggeblieben ist. Dass das Gentlepeople’s Agreement nicht eingehalten wird, am Ende vom vierbeinigen Elend befreit zu werden, war ja schon länger klar; ein entsprechender Brief machte das schon vor über einem Jahr umissverständlich deutlich. Außerdem KÖNNTE man auch Schlüsse daraus ziehen, dass die eigentliche Besitzerin tief im Süden zwar fröhlich umgezogen ist aber während dieser ganzen Zeit keinen Gedanken an die Unterbringung ihres Tieres vergeudet hat; junge, unabhängige Frauen von heute haben schließlich anderes im Sinn, als sich um irgendwelche Hinterlassenschaften aus ihrem letzten langweiligen Leben zu kümmern…igitt! Arschkarte halt dem, der die Hinterlassenschaft nicht loswird und sich damit herumplagen muss. Hier zeigt sich auch in erschreckender Deutlichkeit, wie verheerend sich Prägungen aus umfassenden Kinderfernsehserien mit Tieren im Erwachsenenalter auswirken können: Dort sind Menschen, die die tierischen Hauptdarsteller ins Tier-Asyl, Viecherheim oder sonst wohin abschieben immer abgrundtief böse Menschen und selbst unter Aufbringung aller hehren und hochtrabenden Vernunft kriegt der Tierserienkonsument dieses kindliche Prinzip nicht aus dem Kopf: Willst Du wirklich SO ein böser Mensch sein wie die? Es war schon immer sehr dumm, sich an seine Prinzipien zu halten und halbwegs ehrlich, minimal ehrenhaft und einigermaßen rechtschaffen zu sein; so was ist langweilig, turnt ab, ödet an… kennt man ja. Und selbst der wenig sympathische Ulrich Wickert kann zu diesem Thema uninteressante Bücher schreiben. Umso bedauerlicher, dass man, wenn man unter solchen Anwandlungen leidet, es einfach nicht hinbekommt, über seinen Schatten zu springen. Man kann den eigenen Anblick im Spiegel eh kaum ertragen…muss man den eigenen Selbstaversionen denn noch zusätzliche Aspekte hinzufügen? Nee, muss nicht sein.

Meine Versuche, das Zipperl anderen Familien oder wirklichen Hundefans aufzudrücken, waren bislang immer von Misserfolg gekrönt. Man kann mir sicher eine gewisse Halbherzigkeit dabei vorwerfen, denn tief im Inneren finde ich es absolut verabscheuungswürdig, sich auf diese faule Weise aus der Verantwortung für eine Entscheidung zu stehlen, die ich vor Jahren ganz bewusst und unter Kenntnis des etwaigen Risikos eingegangen bin. So oder so sind die wenigen potentiellen Kandidaten (zwei Kolleginnen und Familie, Familie von Freunden einer Bekannten…) letztendlich immer klugerweise abgesprungen bevor man sich einig war. Grundsätzlich, das denke ich nach wie vor, wäre der Köter für einen Hundeliebhaber oder auch nur Hundesympathisanten ein echter Jackpot: Kinderlieb, verspielt, neugierig, anhänglich, stubenrein (und dabei unendlich geduldig), aufmerksam, wachsam, ausgesprochen gehorsam, schoßprädestiniert… aber der radikalkahle Bauch (dort leider garnicht wuschelig), der Krach und sicherlich auch die Tatsache, dass er nicht mehr gar so jung ist (drei Jahre ist er inzwischen bald bei mir; anfangs war er vielleicht eins; erinnere mich nicht mehr), erhöhen den Marktwert nicht gerade.

Ich bin da wirklich ziemlich ratlos, muss ich sagen. So ist der Zustand für uns beide kein Vergnügen. Entweder finde ich mich endgültig damit ab, diesen Fluch an der Backe zu haben (was unsere Beziehung kaum verbessern wird) oder ich muss mich tatsächlich überwinden und mich um einen Heimplatz oder gar eine teure Pension kümmern. Beide Alternativen sind letztendlich scheiße. Trotzdem bin ich im Moment reichlich genervt und speziell während der Prüfungszeit war mir das Tier so lästig wie nur irgendwas und sowas vergisst man auch nicht. Irgendwas muss ich unternehmen. Wenigstens habe ich jetzt Zeit, mir darüber angemessen Gedanken zu machen.

Geschrieben von listior

07/12/2008 um 00:43

Interessante Zeiten

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Die liegen hinter mir. Bzw. in Form der letzten Etappe noch immer vor mir.

Anfang 2006 wurde mir von meiner Chefetage nach Anfrage durch einen anderen Kollegen (für mich hätte die Sache durchaus noch Zeit gehabt aber was soll’s) die Teilnahme an einem Weiterqualifizierungskurs angeboten, bekannt als Angestelltenlehrgang II. So man ihn besteht, erlangt man durch die Prüfung einerseits den schicken neuen Titel „Verwaltungsfachwirt“(*hust*), andererseits stellt die Angestelltenprüfung II den Aufstieg in die Laufbahn des gehobenen Dienstes dar. Der Höhere Dienst verlangt nach wie vor ein Hochschulstudium und auf ein VERWALTUNGSstudium würde ich meinen inzwischen erfreulich geschrumpften NC (Abi in 1997) wie meinen BAFöG-Anspruch niemals verschwenden wollen. Das hieße Perlen vor verbeamtete Säue werfen und selbst wenn ich niemals mehr den Arsch entsprechend vom bequemen wenn auch quietschenden Bürostuhl bekäme, würde ich lieber keinerlei weiteren Nutzen aus meiner Hochschulreife ziehen wollen als sie für einen Verwaltungsstudiengang einzusetzen.

Wie dem auch sei, aus verschiedenen Gründen und nicht zuletzt animert durch meine damalige Freundin, der ich schließlich einmal ein schönes Leben ermöglichen wollte, sollte sie wirklich in meine Ecke ziehen wollen und sich dann erstmal einen neuen Job suchen müssen, akzeptierte ich diese besondere Herausforderung am Ende und stellte mich ihr. Wie ich schon oft erwähnt habe, findet die Ausbildung in Oldenburg am dortigen Studieninstitut statt und sie begann mit einem lockeren Vorbereitsungslehrgang ab dem 15.08.2006. Dem folgte bald darauf ein Grund- und schließlich der entscheidende Abschlusslehrgang. Alle paar Samstage wie jeden Dienstag musste ich fortan nach Oldenburg gurken (was ich per Zug erledigte; viel zu früh aufstehen hätte ich eh müssen und so beschränkte sich der Autofahrstress auf den Weg zum 20 Minuten entfernten Bahnhof und zurück) und dort dann zuhören und lernen, wie mehr oder minder sympathische, qualifizierte und pädagogisch geschickte Dozenten mich noch tiefer und erbarmungsloser in die von mir so sehr…äh…geliebte Welt der deutschen Verwaltungspraxis stürzten. Zwischendurch gab es immer wieder Blockphasen, in denen ich einige Wochen jeden verdammten Tag zum Institut düsen musste und die Übungs- und Lehrgangsklausuren wurden auch gern in diesen Phasen geschrieben.

Zu Beginn hatte ich mich kategorisch gegen eine Einquartierung über die Blockzeiten im Wohnheim des Instituts entschieden und nahm es im Gegenzug lieber in Kauf, dass ich jeden Tag fahren musste. Finanziell lässt sich sowas durch eine Kombination aus BahnCard (die ich auch nach dem Lehrgang zu behalten gedenke) und ermäßigten Zeitkarten organisieren und Schlafmangel ist mir schon zu Abiturszeiten nie wirklich ein großes Hindernis gewesen; wenn nur anderthalb bis drei Stunden pro Tag drinsind, dann ist das halt so; es gibt immer Lehrgangspausen, Wochenenden und an vier von fünf Werktagen konnte ich ja wesentlich länger im Bett bleiben. Der Gedanke dahinter hatte, wie die meisten Aspekte meines Lebens zu dieser speziellen Zeit, auch mit meiner Beziehung zutun. In Oldenburg hatte ich keine angemessenen Kommunikationsmöglichkeiten; es gab kein Internet, mein Handy versagte regelmäßig und durch den Zwang, dort zu sein, wären wir in Sachen gelegentliche Treffen relativ eingeschränkt gewesen, da das NSI nicht an die offiziellen Ferien- und Feiertagsregelungen Niedersachsens gebunden ist und ich darauf keinesfalls verzichten wollte: Führe ich täglich, wäre ich wesentlich flexibler und für mene Lieb(st)e war mir eigentlich jedes Opfer recht. Etwa anderthalb Monate nach Beginn meines Lehrgangs wurde ich von meinem geliebten Weibe jedoch dummerweise sitzengelassen (und quälte mich damit ja auch hier lange, lange herum). Eine Wohnung war für die ersten Blockphasen da leider nicht mehr zu bekommen, was mich weiter an den Zug band.

Im Rahmen eines Trips nach London im Sommer 2007 mit meinem Englischkurs hatte ich jedoch das zweifelhafte Vergnügen, drei Nächte im Wohnheim direkt unter dem Dach des NSI zu verleben. Quälende Hitze, mörderische Treppenm miese Möblierung und Ausstattung und mangelhafte Versorgungsmöglichkeiten sorgten nach diesen drei Nächten schließlich aber dafür, dass ich mich auch nicht mehr für die zukünftigen Blockphasen für ein Zimmer bewarb. Außerdem waren die Insassen des „Bullenhotels“ während der ersten Blockphasen dermaßen verschwörerisch zusammengewachsen, dass ich mir ohnehin die ganze Zeit wie ein enemy alien vorgekommen wäre. Letztendlich war ich es eh (wieder) gewohnt, mich ganz allein durchzuschlagen und auch wenn der damals liebevoll zugesagte Rückhalt und Zuspruch mir nun versagt blieben (und mir wirklich, wirklich fehlten, denn nebendienstlich sowas zu machen führt nicht nur zu Stress daheim sondern auch im Büro, wo einiges unerledigt bleibt, wenn man wochenlang nicht da ist und keine Vertretung hat und man BRAUCHT dann schlichtweg jemanden, der einen einfach mal in den Arm nimmt, trotzdem liebt, festhält, ankert und wieder erdet), hatte ich mich mit Ach und Krach über die Lehrgangsklausuren, Studienarbeit und Referate bis zu den schriftlichen Prüfungen im Mai durchgebissen. Abgabetermin für die Ergebisse der Prüfungskommission war der 25.06.2008, Mittwoch. Am Dienstag war uns noch mitgeteilt worden, dass noch keine Ergebisse vorlägen, der Chef des Institutes aber sobald klar sei, wer durchgefallen ist und wer bestanden hat, die Durchfaller persönlich telefonisch informieren würde. Jeder sollte dazu eine gültige Telefonnummer angeben. Ich gab mit mulmigem Gefühl meine Handynummer an.

Ich war am Mittwoch beim hiesigen Landkreis auf einem Arbeitstreffen, dass erfreulicherweise wesentlich angenehmer ablief als die vorigen Treffen zu diesem Thema und auf dem ein gewisses Maß an Verbrüderung der sich vom Landkreis reichlich verarscht und vorgeführt fühlenden Sachbearbeiter stattgefunden hat, was immer sehr schön ist, wenn man keinerlei Rückhalt zu den strittigen Themen aus der eigenen Chefetage bekommt. Tags zuvor war ein ominöses Einschreiben an meine Haustür geliefert worden. Ich war in Oldenburg und deswegen nicht erreichbar und auch sonst war niemand zu Hause erreichbar gewesen. Neben den zu erwartenden schriftlichen Resultaten beunruhigte mich dieses Einschreiben zusätzlich ganz fürchterlich. Allgemein bekomme ich eigentlich selten offizielle Post und dem Himmel sei Dank dafür, denn offizielle Korrespondenz ist niemals nette Korrespondenz. Diesmal gab es dazu aber einigen Anlass; beispielsweise hatte ich wegen einigen Problemen und Beschwerden während meiner letzten Abwesenheitsphasen vom Büro mit meiner vielschichtigen Chefetage ein gutes Maß an Ärger gehabt und da Ärger mit dem Kunden oder bei der Aufgabenerledigung in meiner Branche immer einen starken politischen Aspekt hat, wäre es nicht undenkbar gewesen, dass ein Exempel an mir statuiert werden sollte. Dass davon an den Tagen der etzten Wochen, als ich im Büro war, kein Mensch gesprochen bzw. niemand etwas angedeutet hat, geht mit der elementaren Arschigkeit und persönlichen Feigheit so mancher Bossfigur wundervoll einher. Außerdem war da nach wie vor das Mord- bzw. Tötungsverfahren gegen meinen durchgedrehten Cousin und es war durchaus denkbar, dass ich als Zeuge vorgeladen werden sollte und diese Vorstellung behagte mir erstmal nun garnicht.

Ich beauftrage meine Schwester, sich um die Angelegenheit Einschreiben für mich zu kümmern, die zusagte, es mit entsprechender Vollmacht bei der Post abzuholen. Außerdem lebte ich in Furcht vor meinen schriftlichen Ergebissen. Ich war mit den vier fünfstündigen Klausuren nicht wirklich gut klargekommen; insbesondere im Bereich Wirtschaft, der mir grundsätzlich ein Greuel ist, hatte ich einen ziemlichen Haufen aromatischen Käses verzapft, der mir nach der Klausur noch stundenlang hinterherstank und mich nicht loslassen wollte. Auch die drei anderen Fächer waren nicht gerade meine Lieblinge…eigentlich HABE ich auch einfach kein Herzensfach im AII (bis wohl auf Englisch, welches als Wahlfach natürlich in keinster Weise prüfungsrelevant ist). Ich hatte also allen Grund, furchtbar nervös zu sein, als ich Mittwochmorgen den Zug in Richtung Osnabrück bestieg und mich bannig auf mein vermutlich wieder gleichermaßen ödes wie anstrengendes ganztägiges Arbeitstreffen freuen konnte. Ich hatte Literatur zur Unterhaltung und letztendlich viel zu wenig Geld mitgenommen, war aber aufgrund anhaltender Grübeleien eh nicht in der Lage, mir auf der Fahrt irgendwas reinzuziehen, geistig wie körperlich.

Mein Geldmangel beasierte auf der Idee, dass man bei der Nordwestbahn ja durchaus auch per Geldkarte bezahlen kann, die ich für meine Regelfahrten artig aufzuladen pflegte, weil man dann nicht ständig haufenwesie Bargeld dabeihaben muss. Leider muss man das letztendlich aber doch, weil die unglaubliche Inkompetenz der Kassenautomatenwartung bei der NWB in unregelmäßigen Abständen zur Folge hat, dass entweder Geldkarte, Bargeld oder gar beides nicht vom Automaten akzeptiert wird. Über die Monate hatte ich mir angewöhnt, soweit ich ausnahmsweise mal alleine zum Lehrgang fuhr (im Regelfall sind wir zu dritt) vorm (nicht-sexuellen; die würden sich bedanken) Besteigen eines Waggons erst einen prüfenden Blick durch die Scheiben zu werfen, ob beim vorhandenen Automaten der formschöne blutrote „AUSSER BETRIEB“-Screen leuchtete oder der Bildschirm einfach nachtschwarz war. Selbst, wenn es keine offensichtlichen Anzeichen für die Funktionsunfähigkeit des künstlichen Kartenverkäufers gab, hatte man bei der Zahlung oft genug Probleme. Gelegentlich kam statt der Fahrkarte auch einfach ein niedlicher schmaler abgeschnittener Streifen heraus.

Zeigte man diesen Schnipsel dann dem antiken Kontrollettus („Kontrolletti“ ist für solche Saftsäcke schlichtweg zu verniedlichend; denke ich an diesen einen kommen mir immer aufmarschierende Horden monströster Urzeitsaurier in den Sinn) maulte der einen erstmal an,wieso zum Teufel man den Schein denn nicht entwertet hätte. Das tut man bei den überregionalen Fahrkarten nie, weil die standardmäßig garnicht in das knackende und rödelnde Entwertungsdingsi hineinpassen und das erklärte man dem ohnmächtigen Saurus dann halbwegs ruhig. Hatte man diese Angelegenheit angemessen ausgelutscht, motzte Kontrollettus erneut, nämlich darüber, dass auf der Karte ja weder Ziel- noch Startbahnhof zu erkennen waren, auch nicht die Frage geklärt wurde, ob man eventuell die BahnCard-Ermäßigung in Anspruch genommen hat, sondern nur daraus hervorgig, dass man (damals noch) 11,70 € für die Fahrt bezahlt hatte. Auch ob man Hin- und Rückfahrt oder nur den einfachen Weg bezahlt hatte, ging daraus nicht hervor. Einerseits ziemlich genervt aber äußerlich möglichst ungerührt kam es dann darauf an, sich erstens nicht provozieren zu lassen und andererseits möglichst ungetrübte Unschuld gepaart mit überwältigender Gleichgültigkeit auszustrahlen und sachlich darauf hinzuweisen, dass man selbst durchaus nicht für den beschissenen Zustand der Kassenautomaten verantwortlich ist und auch nicht für die idiotische Tatsache, dass man am Bahnhof in Bersenbrück erstens keinen Kartenautomaten aufgestellt hatte und der hinter der Sicherheitsscheibe durchaus aufgestellte Bahnoperator leider nicht in der Lage ist, Fahrkarten zu verkaufen, sondern nur die alle halbe Stunde anhaltenden Züge anzukündigen und per Knopfdruck den lächerlich niedrigen Schlagbaum anzuheben. Irgednwann schlich der Kontrollettus (hat was von „Mettwurst“, oder?) dann schon schimpfend davon und beschränkte sich darauf, einem gelegentlich einen bösen Blick zuzuwerfen.

Jedenfalls hatte ich bereits am Dienstag einmal mehr erleben müssen, dass der Automat meine brav aufgeladene Geldkarte nicht akzeptieren wollte und deswegen noch den Mörderbetrag von 13,20 darauf gespeichert, als ich Mittwoch den Zug betrat. Eine Fahrt von Bersenbrück nach Osnabrück kostet mit BahnCard50 6,60 €. Die hatte ich auf jeden Fall noch reserviert, da ich am Dienstag ja nicht darauf zurückgreifen konnte. Vorsichtshalber schnorrte ich mir vor der Fahrt trotzdem vorsichtshalber noch zehn Euro von meiner lieben Frau Mutter, die diese erstaunlich bereitwillig gab (ihr war vermutlich bewusst, wie es um meinen mentalen Zustand bestellt war). Zusätzlich zu den sechs Euro, die ich selbst noch in bar mit mir trug und die ich für die Osnabrücker Stadtbusse brauchte (selbst per Bus fährt man vom HBF zum Kreishaus, wo das Treffen stattfand, noch ca.20 Minuten), hätte ich so also noch die Möglichkeit gehabt, mir ein Frühstückchen oder während der Pause ein Mittagessen im hervorragenden Kreisrestuarant zu leisten. Leider ließ mich jedoch erneut der verdammte Automat im Stich und ich musste mein Bargeld angreifen, um mir meine Fahrkarte für den Zug zu kaufen. Der Rest floss weitgehend in die Buskarten sowie in zwei kleine Becher Coke light im Restaurant und eine Käsestange am Bahnhof. Entsprechend bedient und voller finsterer Erwartungen traf ich dank Busverspätungen knapp zehn Minuten vor Ultimo im Kreishaus ein und musste dort an der Auskunft erstmal noch abwarten, bis ein Wichtigtuer Räumlichkeiten für seinen EDV-Kurs irgendwann Ende Oktober reserviert hatte, bis mir relativ unfreundlich gesagt wurde, wo sich Tagungsraum 1046 befindet.

Das Treffen selbst lief aufgrund angenehmer Zusammenstellung der Tagungsteilnehmer (und wohl auch durch die Abwesenheit meiner eigentlich auch angemeldeten Kollegin, die meistens viel Wirbel im Sinne der guten Sache macht) relativ interessant und freundlich ab. Es entstand ein für derartige Veranstaltungen schon sehr ungewöhnliches Wir-Gefühl und das trägt einen gut durch solche Tagungen. Während der Gruppenarbeit, den Vorträgen und den Berechnungsübungen legte ich mein Handy stets in Sichtweite vor meine Nase, auf “Besprechung” geswitcht (Nokia N76, leider seit dem hundeverursachten Sturz letztes Jahr noch immer ziemlich kaputt). Meine Schwester wollte mich bezüglich der Natur meines ominösen Einschreibens informieren und jederzeit konnte der Anruf vom NSI kommen, dass ich die schriftlichen Prüfungen versemmelt hatte und nun leider nicht mehr wiederkommen musste.

Tagsüber bekomme ich leider nicht mehr viele Anrufe (öhm, na schön, auch abends leider nicht-_-), deswegen war ich im höchsten Maße schockiert, als es plötzlich aufgeregt vor mir piepte. Fassungslos hob ich das Telefon in die Luft und starrte mit furchtverzerrter Miene auf das Display. Verdammt….hast du jetzt wirklich zwei Jahre Deines Lebens total in den Sand gesetzt und Dir den ganzen Scheiß völlig umsonst angetan? Es handelte sich um meine Schwester. Das verdammte Einschreiben! Ich erhob mich und rannte mit dem Telefon in der Hand in den Vorraum zu Kaffee, Plätzchen und den bei solchen Gelegenheiten obligatorischen brühwarmen Kaltgetränken. „Ja?“ – „Du hast Post bekommen von Colosseum Schallplatten aus…sonstwo.“ sagte Schwesterherz mit einem kritischen Unterton in der Stimme. „Col…DAS ist das Einschreiben?“ Ich hatte eine über Amazon Marketplace bestellte CD per Einschreiben bekommen. Als harmlose Alternative war mir ausschließlich das über Ebay importierte PS2-Spiel in den Sinn gekommen, auf das ich nun schon seit Ende Mai warten muss aber dass diese CD, von der ich dachte, dass ich sie auch noch bezahlen muss, in der „Eingeschriebenen Sendung“ sein könnte wäre mir nie in den Sinn gekommen. „Äh…ein Päckchen? Wie groß ist es denn?“ – „Ja, so ungefähr wie wenn man eine CD-Hülle für vier CDs hat.“ – „Hmm…ich fasse es nicht, dann ist das wohl tatsächlich bloß diese DoppelCD…. Danke für’s Abholen! Ich denke, gegen sechs bin ich wieder zu Hause.“ Von einer auf wirklich lächerliche Art und Weise beschworenen Last befreit, schlich ich zurück in den Tagungsraum, wo schon bald die Mittagspause anging, in der ich erstaunlich nette und interessante Gespräche führen konnte (und mein Restgeld für die beiden Colabecher versemmelte).

Am Nachmittag ging es weiter: Einzelberechnungen am Fallbeispiel und allgemeine Informationen. Die Gruppenarbeit war aufgelöst und man saß artig in Reihen vor sich hin. Vor mir erneut mein Telefon, mit Argusaugen beobachtet. Es rührte sich nicht. Ich rechnete, es schwieg. Ich unterstützte die charmanten Kolleginnen zur Rechten, es schwieg. Ich diskutierte mit den freundlichen Kollegen vor und links von mir und wir lästerten ein bißchen herum und es schwieg. Kaffeepause. Ich plazierte mein Phönchen in der Brusttasche meines eintönig gefärbeten Hemdes und forschte nach dem Süßstoff. Keine Regung in der Tasche. Ich legte das Telefon auf den Stehtisch und widmete mich intensiv dem Gespräch mit einer jungen und ungemein sympathischen Kollegin aus dem Süden und es schwieg. Wir gingen zurück und rechneten frohegemut weiter. Keine Regung. Wir legten uns kollektiv mit den Landkreisbeauftragten an und lästerten über die Arschkriech-Sachbearbeiter, die die neuen Aufgaben gerade mal drei Monate wahrnahmen und noch fanden, dass man sich auf die Aussagen der zuständigen Stellen verlassen konnte und diese zu unterstützen hatte. Es rührte sich nicht. Informative Vorträge wurden gehalten, Lösungsskizzen und Material wurde verteilt und es rührte sich nicht. Die ersten Kollegen brachen auf und das Treffen ward schließlich geschlossen. Hinrichtung aufgeschoben…. denke ich. Doch weit gefehlt: Plötzlich ein Piepsen und „500 Miles“ von den Proclaimers: Mein Handy ist erwacht. Furchtsam starre ich ein weiteres Mal auf das Display. Eine Nummer, kein Name. Ich identifiziere die Nummer als die meines Kollegen von zu Hause und vom Lehrgang. Als ich rausrenne und abhebe ist das Gespräch schon wieder weg.

Also rufe ich zurück, fast in Minutenabständen: besetzt. Besetzt. Besetzt! BESETZT! Ich male mir die furchtbaresten Szenarien aus und komme freilich nicht auf die Idee, einfach meine Mailbox abzuhören. Schließlich gebe ich auf, packe meine Sachen und will gehen, da klingelt es erneut. Es ist der Kollege! „Du hast Deine Mailbox noch nicht abgehört, oder?“ – „Nein. Wieso, gibt’s was….“ – „Die Lehrgangssprecherin hat soeben alle informiert: Die Anrufe sind gelaufen. Solltest Du KEINEN Anruf bekommen haben. Hast Du’s geschafft. Zwei von uns sind allerdings durchgefallen, soweit wir wissen. Wenn ich sonst noch was höre, melde ich mich.” Ich mag die zwei Durchgefallenen, es ist zum Heulen. Aber ich sollte nicht dabeisein? Das konnte ich mir nicht vorstellen. Der Bus kutschierte mich zurück zum Bahnhof, dort hockte ich, auf den Heimzug wartend, und grübelte. Bestimmt habe ich die Handynummer falsch angegeben…die haben zu Hause angerufen oder im Büro! Ich schickte aus Langeweile GlückwunschSMS an die zwei Lehrgangsmitglieder, deren Nummern ich habe. Keine Antwort, doch auch keine Überraschung: Ich passe da nach wie vor nicht recht rein, ich gehöre nicht dazu. Flugs noch an die liebe Kollegin aus dem Parallelkurs gesimmst: “Unsere Anrufe sind angeblich durch. Zwei haben es vermutlich nicht geschafft. Habt Ihr auch schon etwas gehört?” Die Antwort kommt prompt, was mich ebenfalls nicht überrascht: “Wir sind alle durchgekommen. Wann kiegt Ihr Eure Ergebnisse?” Weitere SMSwechsel dahingehend, dass ich es noch nicht recht glauben kann und die bestimmt eine falsche Nummer haben mit dem Ergebnis meiner Zurechtweisung und dass ich gefälligst feiern solle. Ich kann das frühestens ab Dienstag, wenn ich’s schriftlich habe. Außerdem ist da noch die mündliche Prüfung…mit Wirtschaft!
Daheim angekommen checke ich Päckchen und Telefon: Es IST die LesMis-DoppelCD vom Jubiläumskonzert in der Albert Hall. Nicht abwegig, aber doch seltsam, sowas per Einschreiben zu verschicken… Leider ist es nicht das überfällige Ebay-Spiel. Das Telefon zeigt keine beunruhigenden Anrufe an.

Ich stelle schließlich fest, dass ich wohl ein paranoider Schwachkopf bin, der möglicherweise ein bißchen mehr Optimismus an den Tag legen sollte, beschließe dies im Stillen und verwerfe die Absicht innerlich schon wieder. Scheinbar steht das Ende meiner interessanten Zeiten kurz bevor. Die Mündliche ist noch zu überleben. Wenn auch das Auftreten mir keine Probleme bereiten sollte, so sieht es beim nötigen Wissen schon anders aus: Es heißt jetzt den Kopf zu füllen, damit er in gut 14 Tagen nicht gänzlich leer ist und blödsinnig offensteht, wenn mir wirklich scheußliche Fragen von bösen Menschen gestellt werden (was ich erst ab Dienstag wirklich als Tatsache hinnehmen kann). Sollte dies zur Zufriedenheit laufen, gilt es, das übermenschliche Chaos im Büro zu beseitigen, auch, wenn ich eigentlich ein bißchen Urlaub brauchen könnte. Nach wie vor bin ich allein, nach wie vor unfreiwilliger Hundebesitzer. Das Alleinsein ist das schwerwiegendste Leid für mich; man stelle sich doch nur einmal vor, etwas zu feiern zu haben aber niemanden, mit dem man feiern kann… Mündliche lässt sich durch Lernen regeln, Bürochaos durch fleißige Arbeit und ein dickes Fell. Beseitigung der Einsamkeit, das ist die Herkulesaufgabe. Mir stehen interessante Zeiten bevor – schon wieder. Was habe ich doch für ein Glück…

“Mögest du in interessanten Zeiten leben.” – Verwünschung, Fluch

Geschrieben von listior

06/27/2008 um 13:54

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