Archiv für die Kategorie ‘Fortschritt, immer voran!’
Mein Elektromann
Etwa seit Januar dreht mein einstmals teurer Fernseher am Mühlrad. Ich habe ihn Ende 2006 gekauft, bei einer Geschäftsauflösung (und deswegen vergünstigt). Der Inhaber des Geschäftes ist eine Art alter Familienfreund; die selbständigen Kleinen Handwerksunternehmer in einer kleinen Stadt hängen aus verschiedenen Gründen immer mal wieder in omninösen Vereinigungen, Stammtischen und Tagungen zusammen. Vermutlich, um einander im Auge zu behalten. Und freilich um zu jammern…es ist unglaublich, was ein selbständiger Kleinunternehmer nicht zu jammern hat, wenn der Tag nur lang genug ist und das Geschäft alteingesessen genug.
Vor dem Tode meines Vaters 1996 gehörten wir auch zu diesem illusteren Kreis; im Sommer 1997, als ich mein Abi, garniert mit einer dornigen Rose, in Händen hielt, schlossen wir auch das Geschäft. Ich erwähnte das vielleicht schon mal in einem früheren Blog: Ohne einen Meister darf man ein Handwerksunternehmen nur für begrenzte Zeit führen, ich wollte kein Totmachermeister werden, ebensowenig wie meine Geschwister und einen einzustellen gab der Laden schon seit Jahrzehnten nicht mehr her, traurig aber wahr. Dein Renommee kann noch so gut sein, wenn Fleisch- und Wurstwaren im Discounter oder sonstwo auch in Ordnung sind und wesentlich weniger das Portemonnaie belasten, dann kauft der Mensch in Zeiten geringer Entlohnung und noch geringerer Lohnsteigerungen freilich lieber dort als in dem Laden mit dem tollen Ruf… Alle freuen sich zusätzliche Löcher in den verlängerten Rücken, wenn es sowas noch gibt und man ist total beeindruckt, dass sich das Ding noch hält und wie die wohl zu knappsen haben die armen Leute blahblahblah aber da einkaufen ist beim besten Willen nicht drin, da müssen die halt eingehen, sorry. Und es ist ja wirklich nicht drin, das ist ja das Traurige.
Jedenfalls wuchsen wir als Hendwerkerkinder in dem lebendigen Bewusstsein auf, dass man die örtlichen Einzelhändler und Handwerker zu unterstützen hat, damit die einen im Gegenzug auch unterstützten (was sie allerdings in den seltensten Fällen regelmäßig taten; meine Großmutter und mein Vater, die das seinerzeit vornehmlich predigten hatten vor ihrer Flucht aus Westpreußen in etwas anderen Verhältnissen gelebt, wo solxche Verhaltensmaßregeln vermutlich noch energisch eingehalten wurden). Trotzdem gab es dadurch den einen oder anderen örtlichen Kleinunternehmer, dem wir die Stange hielten und der im Gegenzug uns die Stange hielt, kurzfristig zur Verfügung stand, wenn es Probleme oder Bedarfe an irgendwas gab und die Preise ein wenig drückte, soweit das möglich war.
Einer dieser Herren war unser langjähriger Elektriker. Die Familien waren untereinander befreundet und man unterstützte sich so dann und wann. Anfangs musste das auch einmal ganz gut geklappt haben aber seit vielen Jahren ließ die Zuverlässigkeit des Herren doch sehr dramatisch nach. Er hielt sich nicht an Vereinbarungen, lieferte Geräte nicht mehr ab, vergaß sie einfach oder versäumte Termine aber Vaters Ehrenkodex hielt und auch ich persönlich fühlte mich daran nach wie vor gebunden, als im Januar die Probleme mit dem ja eigentlich erst kürzlich beim ihm gekauften Fernseher sich mehr und mehr häuften. Konkret ist es so, dass der Bildschirm bei vorhandenem Ton schwarz bleibt und sich ein langsamer weißer Streifen über das Bild zieht, auf dem man gelegentlich silhouettenartig die Umrisse des Programms erahnen konnte, das er eigentlich in klaren, schönen Farben und hell und deutlich zeigen sollte.
Zu Beginn reichte es, einfach an den Kabeln zu rütteln, um das Bild zurückzubekommen. Das war der Zeitpunkt zu dem ich den Herrn das erste mal zu mir bestellte. Leider war ich nicht selbst anwesend, um dafür zu sorgen, dass er sich das Ding vernünftig anguckt und nicht nur oberflächlich; faktisch hatte ich eine Klausur zu schreiben. Was er tat war das gleiche wie das, was vorher immer kurzfristig gewirkt hatte: Er rüttelte an den Kabeln, das Bild kehrte zurück und es war erledigt für ihn. Als ich am Abend erleichtert die Kiste anwarf war das Bild allerdings wieder pechschwarz und ich stieß einige heftige Flüche aus, Baby… Eine Weile half das Rütteln noch, dann mussten mit Anklopfen und sanften Schlägen allerdings härtere Bandagen gefahren werden. Irgendwann wurden die Faustschläge häufiger und heftiger und am Ende wirkte garnichts mehr, nur noch der Zufall, kombiniert mit Glück und Geduld. Ich hatte während dieser Zeit den guten Mann mehrfach gebeten, sich das Gerät bitter nochmals vorzunehmen. Er wirkt nach wie vor als Rechtsnachfolger seines Geschäftes in Form eines Ein-Mann-Betriebes, weil er mit seiner wenig attraktiven, zehn Jahre älteren Frau daheim leider wohl auch nur wenig anfangen kann (weswegen er früher schon immer Damen seiner Altersklasse gerne tätschelte und befummelte, wie beispielsweise meine davon doch recht angewiderte Mutter oder eine von ihm besonders frequentierte, verwitwete ehemalige Grundschullehrerin). Und bei diesem Geschäft habe ich noch bis Ende 2008 Garantie auf den Fernseher. Das bedeutet aber freilich auch, dass man kein Geld für seine Arbeit bekommt und wieso sollte sie einen dann noch reizen? Gewährleistungsansprüche, bäh…
Ich ließ aber trotzdem nicht locker, denn woanders hätte ich die Reparatur nicht nur einfach, sondern vermutlich auch teuer bezahlen müssen und das sah ich allen Umständen und dem ganzen Ärger zum Trotz einfach nicht ein. Und es gab eine Menge Ärger…
Vor Jahren gelang es mir, die Filterscheibe meines ersten Fernsehers beim Umzug mit meinem Lattenrost zu zerdeppern. Ich war natürlich mal wieder zu stolz, um mir Hilfe auszubitten und deshalb kam es zu diesem Missgeschick. Er kam einige Tage nach meinem Anruf vorbei und versicherte mir, er könne eine neue Scheibe für diesen Fernseher, den ich damals auch bei ihm gekauft hatte, besorgen. Die Maße hatte ich ihm bereits am Telefon mitgeteilt aber er musste unbedingt nochmals ausmessen…und warum auch nicht? In den folgenden Monaten frage ich immer wieder mal nach aber der Mann fand nur Ausflüchte und rührte sich nicht. Einmal versprach er mir, er würde gleich morgen rauskommen und den Fernseher ausmessen. Ich erwiderte irritiert, dass er doch inzwischen schon dreimal Maße genommen hatte und ob das nicht langsam ausreichte. Nun versprach er, die Maße zu suchen und wollte sich dann wieder melden. Es geschah nichts, auch nicht auf regelmäßige Nachfragen. Der entsprechende Fernseher ist inzwischen vermüllt und Geschichte.
Treue Seele die ich bin (und verdammt geizig in solchen Dingen) rief ich aber um einen neuen Fernseher bei ihm an und bekam ihn. Weiterhin gab ich ihm meinen Videorekorder mit, der durch einen Sturz bei meiner zweiten großen Mäusejagd mit Hund in meinem Wohnzimmer nicht mehr funktionierte. Außerdem bekam er auch meine geliebte 800 €-Kenwood-Stereoanlage, deren CD-Wechsler sich seit Monaten nicht mehr öffnen wollte und noch immer eine CD von den Housemartins enthielt. Diese Sache sei kein Problem meinte er und nahm Anlage und Videorekorder mit, als er den neuen Fernseher brachte. Seitdem sind beide irgendwo in seiner Garage verschollen gewesen und in den fast zwei Jahren hatten Nachfragen immer zum Ergebnis, dass er sich die Anlage noch nicht angeschaut hatte. Zumindest der Videorekorder sei allerdings irreparabel beschädigt. Meine Mutter bekam vor etwa neun Jahren eine neue gebrauchte Küche. Er schloss den Herd kompetent an (an der Kompetenz ist nichts zu rütteln, die Zuverlässigkeit ist das manko) und versprach ihr zudem ein Cerran-Kochfeld, denn sowas hatte sie sich schon immer gewünscht. Dieses Kochfeld scheint inzwischen seit neun Jahren bravourös versteckt an irgendeiner Werkstattwand zu lehnen und zu verstauben, denn es ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Außerdem kaufte sie vor einigen Jahren eine Spülmaschine bei ihm. Das Gerät tat artig und zuverlässig seinen Dienst doch vor ein paar Jahren zerbrach der Hauptschalter und musste ersetzt werden. Eine Sache von eins, zwei Wochen, weil der Schalter erst bestellt werden musste. In der Zwischenzeit sollte Muttern sich mit einem Provisorium begnügen. Das tut sie noch heute.
Anfang des Jahres zerlegte etwas sie Umwälzpumpe unserer heimatlichen Zentralheizung. Es handelt sich um ein verdammt großes Haus und da benötigt man sowas einfach, um eine umfassende Versorgung mit Warmwasser gewährleisten zu können. Muttern alarmierte aus Angst vor den Kosten den Elektromann, nachdem der Heizungsmonteur sein durchaus günstiges Angebot vorgelegt hatte. Der kam, sah sich die Sache an und versprach günstigere Abhilfe durch eigenhändige Beschaffung einer Ersatzpumpe. Diese Ersatzbeschaffung beschäftigt ihn bis heute.
Nun, diesen wunderbaren Mann rief ich gestern in einem letzten dummen Versuch, meinen TV-Schaden auf dem Garantiewege behoben zu bekommen abends an, sagte, dass ich vom Warten nun wirklich die Schnauze voll hätte, heute sei ich den ganzen Tag zu Hause und er möge sich doch bitte herbemühen. Das versprach er auch. Irgendwann heute morgen gen neun, als ich noch mehr oder minder selig schlummerte, rief er dann bei meiner zur Zeit abwesenden Mutter an, die sich freilich nicht meldete. Unsere Telefone sind zusammengeschaltet, damit ich notfalls Anrufe für sie entgegenehmen kann (was ich eigentlich nie tue, soweit ich die Anrufer nicht kenne*hüstel*), weswegen ich auf dem Display meines Festnetzes seine Nummer erspähte. Ich rief SOFORT zurück und erkundigte mich, weshalb er angerufen habe. Er teilte mir mit, er habe nachforschen wollen, ob jemand zu Hause sei. Wenn keiner da ist, bräuchte er schließlich auch nicht zu kommen. Ich verwies darauf, dass wir eine Vereibarung getroffen hatten und dass ich durchaus auch zu Hause BIN, wenn ich das zusage. Auf diese billige Tour hatte er sich schon einige Male zuvor vor Terminen gedrückt, indem er zu den Zeiten vorbeigekommen war, wo normale Menschen dazu neigen, bei der Arbeit sein und nicht auf den Handwerkwer wartend im Wohnzimmer oder im Treppenhaus ausharren. Relativ unwillig sagte er mir darauf, dass sie jetzt gerade (um kurz vor Elf aber na gut…) beim Mittagessen seien und dass er nach 14.00 vorbeischauen wollte. Ich willigte ein und wies erneut darauf hin, dass es vermutlich ein etwas größeres Problem sei. Nicht die Bildröhre aber vermutlich ein Schalter oder Kontakt, da Videotext und OSD tadellos funktionierten, das eigentliche Bild aber nicht. Er gab mir zu verstehen, ich könnte ihn am Arsch lecken (also er sagte “Jaja…”) und wir legten auf.
Etwa um halb vier trudelte der Herr dann bei mir ein. Ich hatte riskanterweise den Hund kurz zuvor zum Mittagsexkrement ausgeführt; ewig warten kann der schließlich auch nicht, und sehr befürchtet, der Elektormann könnte gerade in DER Zeit auftauchen und deswegen war ich erleichtert, ihn zu sehen. Er nahm sein kleines Köfferchen aus dem Auto und schleppte sich die Treppen nach oben, wo ich mein TV-Gerät vorführte. Er rüttelte an Kabeln. Er klopfte darauf herum. Ich wußte, dass beide Methoden längst nicht mehr wirkten und blieb zuversichtlich. Schließlich erbarmte er sich und montierte langatmig die Rückenverkleidung ab. Dann nahm er den Kolben seines Schraubenziehers und klopfte wieder, diesmal auf verschiende Transistoren und ein großes, silbernes Kästchen, das wohl einen Bildumschalter enthielt und so weiter. Er klopfte. Dann klopfte er wieder. Und dann klopfte er ein weiteres Mal. “Scheiße.” sagte er dann “Da sitzt das Problem aber ich habe nicht das richtige Werkzeug dabei, um das Kästchen zu demontierten. Der muss in die Werkstatt. Scheiße. Und ich habe gerade auch kein Ersatzgerät da, es…gab da in letzter Zeit mehrere Ausfälle.” Diese letzte Zeit dürfte sich auf die vergangenen elf Monate beziehen, vermutete ich im Stillen, und inzwischem waren ihm die Ersatzgeräte wohl einfach ausgegangen und bestimmt hatte er noch keines der anderen Geräte seiner Auftraggeber anschauen “können”. “Der muss in die Werkstatt.” Ich war stinksauer und starrte wild aus dem Fenster, um zu verhindern, dass ich den alten Kerl in den nächsten Herzinfarkt brüllte, denn damit hatte er schon ein paarmal zu kämpfen gehabt. So schleppte ich den Fernseher die Treppe hinunter, plazierte ihn im Auto des Herrn, denn was hätte ich anderes machen sollen, wo ich ihn nun schonmal hier hatte, holte die Fernbedienung und verabschiedete mich in Gedanken schonmal von meiner liebgewonnenen Glotze, denn dass ich sie wiedersehe halte ich für hoffnungslos euphemistisch. Jedenfalls versprach der liebe Onkel mir, dass er ihn Anfang der Woche in Ordnung gebracht haben würde, ganz bestimmt, erkundigte sich, wann denn meine Mutter wieder dawäre (denn dann könnte sein Erscheinen in der kommenden Woche ja wie zufällig just auf diesen Tag fallen; die allerdings würde ihn vermutlich mit bloßen Händen erwürgen…) und dampfte ab nach Hause.
Bestenfalls bekomme ich am Montag das angeblich heimkehrende Ersatzgerät, vermutlich ein kleines, uraltes Kästchen mit Erblindungsgarantie. Damit, denn das hatten wir schonmal, kann ich mich dann begnügen, bis das auch im Arsch ist. Mein eigenes Gerät sehe ich vermutlich ebensowenig wieder wie meine liebe Anlage, die mir auch seit zwei Jahren an allen Ecken und Enden fehlt. Was sind diese Erlebnisse und Erfahrungen anderes als ein Lehrbeispiel dafür, dass Geiz im Alltag sich nicht auszahlt und dass es vorteilhafter ist, bei der Wegwerfgesellschaft mitzuspielen und Kredite für neuen Hausrat aufzunehmen als den alten wieder instandsetzen zu lassen? Ich werde in den nächsten Monaten sicher sehr oft darüber nachdenken, wenn ich auf mein winziges “Ersatzgerät” starre.
The Oil CLASH
Radiohören am Morgen ist eine feine Sache. Man wird so langsam aus den seligen Tiefen des traumreichen Schlafes wieder emporgehoben (naja, in meinem Fall meist eher hinabgestoßen) in die harte, mess- und anfassbare Welt der Realität. Dazu tragen neben lustig plappernden Mo(r)deratoren, die ihre Zunge an den gesellschaftlichen Ereignissen der letzten Tage wetzen nicht zuletzt die Radionachrichten bei. Heute Morgen um 7.00 hatte ich einmal mehr dasVergnügen, diesen alltäglichen Proklamationen zu lauschen; zugegeben mit halb verschlossenen, da noch schlaftrunkenen Ohren.
„Trotz der Gespräche mit den ölproduzierenden Ländern ist der Preis pro Barrel heute erneut gestiegen“, so oder so ähnlich klang es mir da entgegen. „Ebenso richtig wie verheerend…“ dachte ich, mich wieder auf die andere Seite wälzend und die benebelten Gedanken treiben lassend. Ich hatte erst kürzlich „A Crude Awakening – The Oil Crash“ gesehen (die taz hatte fünf DVDs mit diesem Dokumentationsfilm an die ersten fünf Leser, die der Redaktion eine Email schreiben verschenkt; ich hatte natürlich die Zeitung, die bei mir erst mittags mit der Post kommt, zu spät in Händen gehalten, um noch einer der glücklichen fünf zu sein, deswegen lieh ich mir den Film kurzerhand aus) und wenn die Doku mir auch nichts Neues prophezeihte gelang es ihr doch, mein Bewusstsein für das Problem in gewissem Maße zu schärfen.
Dass uns langfristig das Öl ausgeht ist keine neue Information; faktisch ist die Sache schon seit Jahrzehnten bekannt. Auch hatte ich schon eine sehr erschreckende Vorstellung davon, wie abhängig wir von dem Zeug nun tatsächlich sind; es gibt kaum Produkte heutzutage, deren Herstellung nicht in irgendeiner Form mit der Verwendung von Öl zutun hat, ob nun als Hilfs- bzw. Betriebsstoff oder tatsächlich als Rohstoff, der die Grundlage des Endproduktes ausmacht, wie beispielsweise bei dem durchsichtigen Plastiklineal vor meinen Augen, meinem Monitor, auf den ich starre, die Tasten, in die ich hacke, der PC, der mitdas Hacken erst ermöglicht, meine Wasserflasche zu meiner Linken (und wie viele davon verbrauche ich jährlich?), der Gestank der Dichtungs- und Schmiermittel, mit dem heute Mittag Glaser und Maler mein erneut aufgebrochenes Bürofenster wiederhergestellt haben, der Plastik-Aufziehweihnachtsmann von 2004, die Tinte meiner Kugelschreiber, der Toner im Drucker, der Drucker selbst…man ist vom Öl umgeben und dabei gibt es davon immer weniger.
Davon weiß „The Oil Crash“ zu berichten. Dort ist von Hubbert’s Peak die Rede, der Theorie des amerikanischen Geophysikers M. King Hubbert (nicht zu verwechseln mit verstorbenem Secktenchef und Urscientologen, Verfasser von Zukunftsromanen und Psychiatriehasser L.Ron Hubbard) vom weltweiten Ölfördermaximum:

Während der Urheber dieser Theorie im Jahre 1956 dafür noch weithin verlacht wurde, stellte sich etwa 14 Jahre später, um 1970, ziemlich deutlich heraus, dass Hubberts Berechnungen bezüglich des Erreichens der maximalen Fördermenge für Erdöl in den USA bittere Wahrheit waren. Seitdem stromern die USA als weltgrößter Verbraucher überall auf der Welt herum auf der Suche nach mehr, Mehr, MEHR! Die texanische Ölindustrie gehört zu den wichtigtens Machern dieses Landes und wenn man zu Hause nicht mehr genug aus dem Boden saugen kann, ist die Welt ja groß genug.
Der Ölverbrauch wird nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur in diesem Jahr um 800.000 Barrel pro Tag zunehmen. Insgesamt scheint die Welt noch über bekannte Reserven von ca. 1.195 Milliarden Barrel Öl zu verfügen – seien wir glücklich, dass die Dinosaurier uns mit dem aus ihren Überresten rekrutiertem Öl so ein freundliches Füllhorn billiger Energie hinterlassen haben. Blöd nur, das diese Zahlen einerseits nicht wirklich verlässlich sind (man bedenke allein wie oft Saudi-Arabien seine Maximalfördermenge anpasst; eerstaunlicherweise fast in exakter Höhe dessen, was im vergangenen Jahr aus der Erde gepumpt worden ist) und der größte noch vorhandene Anteil von ca. 800 Milliarden Barrel im Nahen Osten verbuddelt ist. Die Dinos hätten uns wirklich einen Gefallen tun und vornehmlich in Nordamerika verenden können. Gut, da SIND viele verendet, doch an ihren Überresten hat sich eine Nation, nein, eine Welt über Jahrzehnte energetisch sattgetrunken!
Sattgetrunken ist im Grunde der falsche Begriff, den in guter Shakespeare’scher Tradition „wuchs ihr Appetit noch an dem, was sie genoss.“ Und er wächst weiter; de Bedarf nach Öl in den Schwellenländern steigt zur Zeit nachhaltig an, der Öldurst Chinas wächst und gedeiht. Gefördert werden kann (und sollte) immer weniger, was deutlicher würde, frisierte man bei der OPEC und Konsorten nicht regelmäßig die Zahlen, damit die Welt weiterhin so viel Öl verbraucht wie möglich und die Gewinnmargen weiterhin steigen. Mexico gesteht ein, einfach nicht mehr Barrel pro Tag aus der Erde pumpen zu können. Andere Staaten wie Venezuela weigern sich strikt, weil sie den hohen Marktpreis genießen. Saudi-Arabien sagt erneut zu, die Fördermenge noch erhöhen zu können. Da hast du ein echtes, endloses Füllhorn.
Seitens der USA ist das nämlich der Hauptgrund dafür, dass das Öl so teuer ist: Es werde einfach nicht genug gefördert und eine Erhöhung der Fördermenge brächte alles wieder ins Lot. Saudi-Arabien sieht indes die Spekulanten, die stark wachsende Nachfrage und nicht zuletzt die hohen Steuern in den Abnehmerländern in der Verantwortung. Auch Michael Glos reiste unter der Prämisse zum Ölgipfel, den „Spekulationssumpf trockenzulegen“. Letztendlich gibt es davon aber trotzdem nicht mehr Öl auf der Welt. Wir sind nun viele Jahre verwöhnt worden mit einer billigen und effizienten Energiequelle. Doch wie das bei fossilen Rohstoffen ganz allgemein so ist: Sie sind nur begrenzt vorhanden. Neuere Schätzungen sehen, bzw. sahen die Oil Peak im Jahre 2000
Man kann die Menge vorhandenen Öls nicht künstlich wieder erhöhen; entsprechende Ideen dürften im Bereich der Düster-SF angesiedelt sein (man erinnere sich an die verflüssigten Menschen in den Kraftwerken bei Matrix; aus der Idee könnte man scheußliche Geschichten schmieden).
Letztendlich ist ein Wegkommen vom Öl die einzige denkbare Option, wie auch die Rationalisierung dessen, was an fossilem Brennstoff noch vorhanden ist. Alternative, regenerative Energiequellen müssen gefördert, erforscht, erweitert, bezahlbar werden; es kann beispielsweise nicht angehen, dass man für einen Teil frischgewonnene Sonnenenergie erst zwei bis drei Teile fossile Energie aufwenden muss. Allgemein werden wir alles daran setzen müssen, weniger zu verbrauchen. Deutschland ist auf Platz fünf der weltweiten Ölverbraucher; wir können unseren Anteil leisten. Aber selbstverständlich muss auch besonders bei den Hauptverbrätern in Übersee so langsam ein Umdenken ansetzen und die dortige Politik sollte ihre Prioritäten wegverlagern von der Ölgewinnung hin zur Öleinsparung. Die Frage ist, inwieweit man hüben wie drüben dazu in der Lage ist. Uns wird heute allgemein höhere Mobilität abverlangt. Das Arbeitsamt erwartet, dass seine Kundschaft sich möglichst weitschweifig bewirbt; da muss sie indes erstmal hinkommen. Parallel baut die Bahn Strecken und Bahnhöfe ab und wird nicht müde, in regelmäßigen Abständen die Preise zu erhöhen. Der ÖPNV lässt allgemein an Zugkraft nach, weil viele Linien und Stationen schlicht aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden müssen. Kommunen fördern Verkäufe von Schienenstrecken, anstatt im Gegenzug den Verkehr auf diesen Schienen zu fördern, im Hinblick auf möglicherweise durch diese Aktionen geschaffene Arbeitsplätze. Notwendig und richtig, aber letztendlich nicht wirklich zukunftsträchtig und minimalistisch.

Aber der große Zusammenhang ist nur eine Seite des ganzen Übels.
Ich erinnere mich immer gerne an meine Lektüre von Stupid White Men (oder war es Downsize this?. Der liebe Michael Moore schwärmt darin von seinem Van und dass er sich bei aller Liebe niemals wieder in so eine Streichholzschachtel setzen möchte. Schön und gut und wie üblich sympathisch und populär rübergebracht aber letztendlich trotzdem dumm und inkonsequent, doch folgenreich. Er führt weiterhin, wie üblich eher mangelhaft argumentativ, aus, dass „die Welt begreifen muss, dass sie von unserer Mobilität (der der US-Amerikaner) profitiert.“ Inwiefern tun wir das? Was haben wir davon, wenn der 15jährige Jamie seine süße Jenny mit Daddys dickem Chevi zum School-Prom oder auf die Knutschanhöhe mitnehmen kann? Als Produkt wäre im Grunde nur das denkbar, was letztendlich bei der Nacht auf dem Rücksitz des Chevis hergestellt wurde, weil Jennys Eltern leider zur religiösen Rechten gehören und ihrer Tochter klargemacht haben, dass Verhütung lebensfeindlich und des Teufels ist. Selbstverständlich hat Jenny das von ihnen auch bezüglich des Sex vor der Ehe gehört…aber da ist der Alkohol, die Langweilerdrogen, die wunderschöne Nacht, dieTatsache, dass Jamie dem fiesen Bob gepflegt auf die Fresse gegeben und massiv eingesteckt hat, als der Jenny begrapschen wollte und überhaupt dieser süße boooyyyy. Jenny mag schwanger werden und das Baby in einer Babyklappe oder dem sozialen Abseits landen, weil Papa und Mama ihr sündiges Balg sicherlich nicht weiter unter ihrem gottesfürchtigen Dach hausieren lassen werden – begrüßenswert ist das durchaus nicht. Für die zwei spricht indes sicherlich, dass das Auto sich in dieser Zeit relativ wenig bewegt haben dürfte.
Ansonsten sehe ich wenig Produktivität in dieser typisch amerikanischen Mobilität, die wir alle hinnehmen, akzeptieren und salben und rühmen sollen. Mikes “Argument” zieht nicht; die Selbstüberschätzung eines Volkes ist kein Grund, es ungehindert einen Planeten auszusaugen. Ich sehe wirklich nicht, inwieweit wir von diesem anderen Wahn der Amis neben dem Waffenwahn als Welt, als Gemeinschaft profitieren würden. Es gibt keinen Grund, wieso diese Menschen nicht ebenfalls lernen müssen, mit der fossilen Energie sparsamer und sorgfältiger umzugehen. Wenn das Öl ersteinmal weltweit verbraucht ist, und die Öffentlichkeit sich streitet, wer denn nun angesichts “politischer und wirtschaftlicher Relitäten” damit anfangen kann, auch noch die Antarktis leerzupumpen (Onkel Dagobert ist damit auch schonmal auf die Schnauze gefallen, liebe Ölbarone! – LTB 142 GOLDENE TRÄUME, S.131 “Die eisigen Minen”) ist es zu spät, sich zu besinnen, denn dann pfeifen wir auf dem allerletzten Loch.
Tach, Post
Mein Posteingang [bei Spielerboard.de] enthält 118 PNs. Nicht, weil so unendlich viele Leute ein Bedürfnis haben, sich intensiver mit mir zu unterhalten. Meine letzten PNs sind vornehmlich Anfragen zu Problemen bei SH2 oder SH3 bzw. andere RPGs, mit denen ich mehr oder weniger vertraut bin und sie häufen sich nicht gerade – wofür ich den verdammten Göttern täglich danke. Nein, die meisten dieser PNs sind Altlasten, wie mir stets mehr als bewußt war. Vorhin werkelte ich eine Weile im Benutzerkontrollzentrum und stieß dort auf die Ordnersteuerung. Ich muß eingestehen, daß ich unkreativerweise tatsächlich nur die Ordner Postausgang und Posteingang vorhalte. Schätze, darin spiegelt sich meine eigentlich höchst chaotische Natur wider, die ich sonst im Alltags- und besonders im Berufsleben so weit ausklammern muß wie möglich, um nicht in sterbenden Bäumen abgerungenen Zellstoffgebirgen zu ersticken.
Nachdem die Postfachgröße vor einer Weile hochgesetzt worden war (eher fatal für mich, weil eine eindeutige Einladung an meine persönliche Chaoswolke), ließ ich den Posteingang und selbst den Ausgang unbeachtet, weil Platz genug herrschte. Nun allerdings war ich plötzlich in Aufräumstimmung, wie es alle Jubeljahre mal vorkommt; vermutlich, wenn ein besonders bösartiger Dämon von mir Besitz ergreift oder ich aus irgendeinem Grund der Meinung bin, daß ich mal klar Schiff machen muß. Solche anfälle sind glücklicherweise eher selten aber dann widme ich mich ihnen mit allergrößter Hingabe. Zuerst killte ich bis auf einige ganz neue PNs den vollständigen Postausgang. Trotzdem war ich noch weit über 100 Nachrichten und aus irgendeinem Grund durfte das nicht sein.
Ich war relativ sicher, was da in den Tiefen meines Posteingangs noch lauerte: Liebevolle PNs aus längst vergangenen Zeit von einer, die ich kaum noch kenne. Ich hatte mich bisher nur von wenigen Erinnerungsstücken aus meiner Periode des Glücks trennen können (weil ich ohnehin immer wieder dran erinnert wurde) und war mir relativ sicher, daß ich hier das gleiche Verbrechen gegen meinen Seelenfrieden begangen hatte (bzw. gegen mein Seelenschweigen, denn mit Frieden hat es nichts zu tun, wenn man etwas unterdrückt und zum Schweigen bringt, egal, wie sehr es der eigenen geistigen Gesundheit dient. Zumal man eh keinen Wert mehr auf diese Gesundheit legt). Neben den emotionalen Erinnerungen sprachen diese alten Schätze auch Bände darüber, daß ich einmal ein wirklich charmanter und romantischer Bursche war, auch und gerade virtuell, bevor ich wegen einer Eifersüchtelei diese Aspekte meines Selbst in einen recht finsteren Kerker geworfen habe. Auch, um sie nicht zu vergessen, wie sie da in meinem Seelenknast darben, hatte ich diese PNs vermutlich aufbewahrt, denn sie erinnerten mich an die eine Sache, die mich zu etwas besonderem und interessanter machte, bevor ich sie weggeworfen habe.
Nun zog ich mit dem Vorsatz los, diese kleinen Juwelen meines Bewußtseins in den mental-virtuellen Orkus zu schicken. Die Person von einst kommt mir eh verloren vor und ansonsten gibt es noch genug, was mich an meinen Verlust erinnert. Allerdings gab es im ganzen Posteingang nur noch eine einzige Nachricht aus dieser hinfälligen Zeit von vor fast genau einem Jahr. Seltsame Sache…all die Monate vertraute ich darauf, daß meine geschriebenen Kostbarkeiten dort auf mich warten würden und in mir die Wärme und Erinnerung an frühere Zeiten wachrufen konnten, wenn ich nach einem ganz außergewöhnlich beschissenen Tag genau diese lebensnotwendige Portion verblassenden Sich-geliebt-Fühlens einfach brauchte, um am Ball zu bleiben.
Aber mein Eingang war bar dieser Schätzchen, ich hatte mich ihrer offensichtlich schon vor längerer Zeit eigenhändig beraubt, bzw. sie auf einer der etlichen Festplatten, die mir seit dem Jahr 2004 in die Binsen gegangen sind, archiviert, bis der Computersensenmann sie tanzend in sein bitverseuchtes Reich gezerrt hatte. Auf jeden Fall waren meine Geschmeide von einst verloren und obwohl mich ihr Verlust betrübt, denke ich, daß es vielleicht nicht das Schlechteste ist, daß das passiert ist.
Mein Posteingang JETZT besteht aus Anfragen, Reaktionen, Nachfragen, Freundschaftsbekundungen, Schulterschlüssen, kleinen und großen Streitereien, Privatdiskussionen und anderen Dingen, quasi aus einem Abbild meines virtuellen Lebens im SB wie es einmal war und wie es heute ist. Alte Bekannte, virtuelle Freunde, vergangene Kontakte und verflossene Freundschaften mit Potential hatten ihr beredtes Zeugnis in meinem Postfach hinterlassen; immerhin noch mit einem kleinen Heer von 118 Nachrichten aus zweidreiviertel Jahren.
So traurig der Verlust meiner reminszenzreichen Preziosen auch ist, nämlich wirklich sehr traurig und ernüchternd, so wenig bin ich bereit, dieses Zeugnis meines Seins und Wirkens in den Äther zu jagen. Nicht, daß all diese Nachrichten von besonderem Gehalt wären, sprachlich unheimlich schön oder so (selbst)erkenntnistreibend… es sind einfach Relikte des eigenen Lebens und als solche besitzen sie ebenfalls einen erstaunlichen Wert, selbst, wenn sie faktisch wertlos sind. Ein seltsames Konstrukt ist die Psyche, daß sie zu solchen Erkenntnissen gelangt. Nachdem ich die Hinterlassenschaften meines Selbst gesichtet hatte, konnte ich mich nicht dazu durchringen, noch mehr davon zu löschen. Ich hoffe, daß erneut die Entschlossenheit einsetzt und ich mich dazu durchringen kann, auch den Großteil dieses Molochs aus meinem Dunstkreis zu entfernen und Platz für neues zu schaffen. In meiner letzten Community wurde mir diese Entscheidung abgenommen, denn nach 100 Tagen wurden die OMs dort automatisch gekillt^^ Im Grunde bin ich allerdings froh, daß das hier nicht so gehandhabt wird. Manchmal muß man sich offensichtlich auch von Altlasten erstmal verabschieden und es schmerzt, wenn man die Gelegenheit dazu nicht hatte. Besonders natürlich bei kleinen Juwelen, die einem das frühere Selbst in Der Hoffnung vererbt hat, eines Tages durch sie wieder auferstehen zu können.
AOL-Alice: Mit AmerikaOnLine im Wunderland – und auf der Kirmes
Es ist toll, wenn man einen engagierten Internet Service Provider hat und der sich außerdem gerne von anderen engagierten Providern aufkaufen lässt, um seinen Kundenstamm zu vergrößern. Bin ich doch seit 2001 überglücklicher AOL-Kunde und war immer unheimlich angetan und begeistert von diesem großartigen Anbieter. Naja, jedenfalls habe ich den Laden immer verteidigt, wenn mal wieder etwas schieflief, die Einwahl-Software mal wieder als unsichere Abscheulichkeit enttarnt wurde oder spontan Angebote eingestellt wurden, um die Kunden zum Umdenken zu zwingen. Außerdem fand ich mich mit der Eigensinnigkeit der Produkte dieses Dienstes ab, die nur sehr ungern mit anderen zusammenarbeiten.
Seit Ende August allerdings gliedert sich AOL dem Alice-Netz von HansaNet an und seitdem gibt es ständig extreme Probleme. Anfangs kam es immer wieder zu kleinen oder größeren Verbindungsausfällen. Ab und zu kam das auch schon vor der Fusion im Februar vor aber seitdem vergeht kein Tag ohne Probleme und Ausfälle. Bis Anfang September bekam man noch eine Verbindung mit dem gesponsorten Router….inzwischen ist das auch hinfällig. Ich verdächtigte erst meinen Router der Inkompetenz und holte mir einen besseren (der wenigstens eine wesentlich höhere WLAN-Reichweite aufweisen konnte) doch der Routingbetrieb bei AOL ist inzwischen vollkommen unmöglich, was meine Anschaffung vollkommen überflüssig machte, denn der neue Router kann nicht mehr als Modem angewählt werden. Seit drei Wochen rufe ich jedes Wochenende mindestens einmal dort an, um zu nerven und eine höchst freundliche Email von mir haben die auch schon. Waren bei meinen ersten Anrufen die Leute noch relativ peinlich berührt von der inkompenten, denkfreien Zone, für die sie – wahrscheinlich bei bescheidenster Entlohnung – tätig sind, so war die letzte Kollegin anscheinend schon querulantengeschult und kam recht kampfbereit daher. Allerdings hält sich meine Lust in Grenzen, mit einer Call-Center-Existenz zu streiten, die in etwa soviel Einfluß auf den Laden haben wird wie eine im Keller lebende todkranke Ratte, weswegen ich letztendlich einfach auflegte.
Allerdings brodelt es in mir. Ich finde es absolut unmöglich, dass man seine Kunden dermaßen verprellt und vertröstet. Außerdem gibt es über die Probleme keinerlei Berichterstattung, keine Stellungnahmen. Ich habe nur EINE EINZIGE Forumsdiskussion zu dem Thema gefunden, die bald abgewürgt worden war. Alice äußert sich nicht öffentlich dazu, AOL äußert sich nicht öffentlich dazu. Was ist der Hintergrund? Man wird verleitet, seinen alten Tarif aufzugeben und einen der teureren Alice-Tarife zu wählen und möglichst auch sein Telefon über den Dienst laufen zu lassen. Ich möchte mich aber nicht dazu verleiten lassen. Ich bin allgemein nicht begeistert von diesem Dienst, ebenso wie von meinem Ur-ISP und der Art und Weise seiner Info-Politik und wie er mit seinen Kunden umgeht.
Wie ich höre hatte T-Online vor einer Weile ein ähnliches Problem, das nach einem Monat endlich abgestellt worden ist. Das bedeutet für mich, dass mein unerhörter Saftladen jetzt noch eine Woche hat, um den Hintern in die Luft zu bekommen und das Ärgernis abzuschalten. Sollte es bis dahin noch immer nichts neues, bzw. eine Lösung geben, so werde ich diese meine traditionsbehaftete Zweckbeziehung mit AOL endlich in den Höllenschlund jagen, in den sie gehört und mich irgendwo einschreiben, wo die Kunden noch als Hauptlieferanten des Umsatzes geachtet und respektiert sind und mich all jenen anschließen, die AOL mit der ihm gebührenden Verachtung strafen und kein gutes Wort mehr darüber verlieren.
A-A. Was außer Scheiße kann dabei herauskommen?
Erinnert sich noch jemand an meine letzten Ausführungen mit dem zerstörten Handy und all den vernichteten Schuhen fremder Leute durch des Hundes sabbriges Maul und – nicht zuletzt – seine Zähne? Er hatte wieder zugeschlagen, am gestrigen Morgen, als ich um zehn vor sechs nach Oldenburg mußte, um dort mal wieder unterrichtet zu werden. Nicht, daß ich noch glaube, dabei käme irgendwas für mich positives heraus. Das Lernen fällt mir schwerer und schwerer, es ist eine immense Zusatzbelasung zu meinem eh beschissenen Job, der mich jeden Tag aufs Neue fertigmacht und meine Freizeit bietet leider kaum genug Erholung und Entspannung bzw. überhaupt Zerstreuung und Geborgenheit, um einen angemessenen Ausgleich für all dieses Elend zu schaffen. Auch bietet ein (immer unwahrscheinlicher werdendes) Bestehen der Prürung im nächsten Jahr mir keine verlockenden neuen Perspektiven, die mich motivieren könnten. Dazu kommt chronische Pleite und privater Ärger.
Davon mag ein total zerkauter teuerer Büroschuh noch das kleinste und unauffälligste Mosaiksteinchen sein, doch manchmal, wenn das Faß schon ausreichend gefüllt ist, ist genau das der eine fatale Tropfen, der zum Überlaufen führt. Glücklicherweise hatte ich gestern morgen keine Zeit, das Tier standesgemäß hinzurichten (hätte es freilich einfach im Park an einen Baum hängen können, wo es dann Fußgänger gefunden hätten und die Soko aus Oldenburg einen weiteren mysteriösen Todesfall aufzuklären haben würde) doch letztendlich bin ich nicht grausam genug dazu, was für meine Mit-Tiere sicherlich nicht das schlechteste, für meine moralische Stabilität allerdings weniger günstig ist. Am Nachmittag war mein Zorn abgekühlt, doch der restliche Tag war auch alles andere als ermutigend gewesen. Es genügte doch schon, daß man statt Sozialhilferecht in den ersten Block am Dienstag Kosten-Leistungsrechnung gepackt hatte… Dazu kam die Erkenntnis, daß ich auch am kommenden Samstag in Oldenburg Intelligenz und Lernfähigkeit vortäuschen muß, daß mein Wochenende diese und nächste Woche, die einzige Fluchtmöglichkeit aus meiner gräßlichen Alltagsexistenz, arg verkürzt sein würde und die Erkenntis, daß ich selbst an diesen Wochenend-Tagen nicht wirklich etwas Schönes, Erfreuliches, Nettes oder Wenigstens Ermutigendes erleben dürfte.
Stattdessen erlebe ich Kirmes. Schlimm genug, mit kaputten Schuhen herumlaufen zu müssen, die ständig die Ferse aufscheuern und Socken runieren (deswegen hatte ich die alten Reeboks – ja, ich hab auch Angeberklamotten). Dann aber auch noch den ganzen Tag vom frühen Nachmittag bis in die Späte Nacht furchtbare Schlager, jaulende Blagen, nuschelnde Schausteller und DJ Ötzi hören zu müssen, das kann einer schadhaften Seele definitv den Rest geben. Schausteller, es tut mir leid, gehören in meinen Augen zu großen Teilen zu dem Schlimmsten, mit dem man konfrontiert sein kann. Freilich wioll ich hier nicht den ganzen Berufsstand verunglimpfen; gut möglich, daß ich immer nur mit den schwarzen Schafen konfrontiert war. Doch zu vergangenen Zeiten, als mein Vater und ich noch jedesmal um diese Zeit den Würstchenwagen auf den Kirmesplatz stellen mußten und ich die Jahrmarkttage (es ist nicht viel mehr als eine Ansammlung von uninteressanten Fahrgeschäften und einer sich stets wiederholenden Ausstattung ebenso langweiliger Karrussels; es gibt keinen Event, keinen Hingucker, nur die Honchos und Honchetten in den Buden und Kassenhäuschen, die gierig nach deinem Geld lechzen und es unmöglich finden, wenn du es lieber für dich behältst) damit verbrachte, Pommeskartons und Eimer mit Ketchup und Mayonaise durch die Gegen zu schleppen, verging selten ein Tag, wo es nicht zu Auseinandersetzungen mit diesem ewig jammernden Gewerbe kam. Sicher gab und gibt es auch damals Ausnahmen, doch eines scheint bei ihnen allen gleich zu sein: Diese Leute geben prinzipiell allem anderen die Schuld daran, wenn es ihnen “mies” geht (wobei das eigentlich immer der Fall ist. Man könnte sich fragen, wieso sie dann nichts anderes machen – aber die Welt ist ihr Feld und vermutlich wird man mit Schießbudengewehren erschossen oder mit Ringen bombardiert, wenn man in einer Schaustellervereinigung solche Sachen sagt). Daß das,was sie so anbieten und verkaufen an Dienstleistungen und Waren, zu erbaulichen Preisen, vielleicht einfach nichts taugt, das scheint ihnen vollkommen unmöglich zu sein, überhaupt nur zu denken. Stattdessen ergehen sie sich in Vorwürfen und Lamenti, um danach im Schatten bündelweise Geldscheine aus der Tasche zu ziehen, die nicht selten ein das Ergebnis einer mangelhaften Zahlungsmoral sind, wie wir aus genannten Zeiten, wo hier noch ein lebendiges Geschäft geführt wurd,e aus erster Hand wissen. Freilich neigen Einzelhändler auch zu diesem Verhalten und die Geisteshaltung als solche ist allgemein nicht nur bei den sich einer Elite angehörig fühlenden Schaustellern der Fall. Aber die werden da gerade gefeiert und frequentiert, ist schon lustig. Und sie sind nur noch bis einschließlih Montag hier, dann wird zusammengepackt und es geht wieder woanders hin. Durchaus ein beneidenstwerter Aspekt im Leben der modernen Gaukler; letztendlich kann man das Elend und die miesten Erfahrungen hinter sich lassen und kommt erst in Monaten wieder, wenn überhaupt, wenn die Welt sich ein bißchen weitergedreht hat.
Doch ich sitze hier, hacke meine wütende Resignation in die Tasten und komme dabei nicht umhin, diese Jungs zu beneiden. Es wäre schön, wenn man sich einfach umdrehen und fortgehen könnte. Nur wo soll man hingehen? Was erwartet, ersehnt man sich dort? Gibt es irgendwo einen Regenbogen mit einem Topf Gold am Ende, oder noch besser die große Gelegenheit, die das Leben schlagartig großartig macht oder – die schönste vorstellung – die fast magische große Liebe, die geduldig auf einen wartet? Ich habe dafür keine Anhaltspunkte und deshalb existiere ich in Statik. Aber wenigstens kann ich darüber Bloggen.