Archiv für die Kategorie ‘Matters of the Heart’
Die Inflation der Inflation

Es gibt Menschen, die behaupten, eine Inflation könne man vorhersagen – wie beispielsweise das Wetter. Nun wissen wir aber als gebildete Menschen des 21 Jahrhunderts darüber Bescheid, dass Frösche das Wetter nach wie vor besser vorhersagen können als unsere hochgebildeten, akademisch graduierten Meterologen. Allgemein sollten wir vermutlich wieder ein bißchen mehr auf das lauschen, was Natur und Ursprünglichkeit uns zu mitzuteilen haben, anstatt alles immer nur zu zerreden und mit der Kraft unseres Verstandes aus einer Sache, der elementare, mächtige und überwältigende Magie innewohnt, ein wissenschaftliches Studienobjekt zu machen.
Regiert der Verstand, ist Fortschritt meist das Endprodukt, Erkenntnis und damit häufig eine gewisse Arroganz, die zum Zynismus verleitet, der zwar einerseits als angenehmes Ruhekissen für den sich von der Welt distanzierenden (bzw. von ihr isolierten) Geist darstellt, aber anstatt Glück nur Spott als Leitmotiv im Hintergrund des süffisanten Lächelns vorzuweisen hat. Regiert das Gefühl, bleibt vieles mysteriös, unbegreiflich und damit nicht kontrollierbar, was insbesondere dem sauer aufstoßen wird, der zum süffisanten Lächeln gewöhnlich keine Gelegenheit bekommt. Dieser arme Tropf flieht sich in den Verstand, sucht sich Glücksgefühl, wo nur akademische Überlegenheit zu finden ist.
Das Gefühl der Überlegenheit mag ihn davon überzeugen, dass er über den Dingen schwebt, während die Welt unter ihm sich wild und gedankenlos im Reichtum ihrer Gefühle verliert. Das ist eine Position, in der man es aushalten kann und die einem einen Mehrwert vorgaukelt, weil man die tatsächlichen, faktisch belegten Hintergründe erkannt hat und deswegen die Faszination des Geschehens dort unten als Banalität abtut, der man sich entziehen kann, wenn man möchte. Man erhält die Illusion der Kontrolle und das ist besser, als ständig wahrzunehmen, dass man für den dynamischen, wilden Pool dort unten niemals die korrekte Kleidung trägt und deswegen einfach nicht reingelassen wird, selbst mit Krawatte.
Nachdem man irgendwann alle Krawattenläden ausgeräumt hat, die es gibt und man trotzdem noch keinen Einlaß gefunden hat, kommt er irgendwann, der Drang zu kontrollieren, der Drang, die Hintergründe zu begreifen, die Ursache von allem zu finden. Dabei fällt es einem auf die Dauer nicht schwer, die Schwächen und Unvollkommenheiten auszumachen, die schmutzigen Grautöne, die dem Farbenspiel der Emotion beigemischt sind und man weist überkritisch darauf hin, dass die unsauberen Grautöne leider das Farbenspiel mehr und mehr dominieren und deswegen seine Energie, Magie und Schönheit ihres innersten Selbst verunreinigen und damit das wirbelnde, leuchtende Phänomen an sich in fahlerem, blasseren Licht erscheinen lassen.
Einjeder, der unsauber umgeht mit den Farben in diesem Lichtwirbel wird feststellen müssen, dass er ihm eine erneute Nuance Grau hinzufügt, es dadurch in Wert und Ausdruck mindert und seine leuchtende Schönheit zerstört. Dadurch widerum wird es für den kopfgesteuerten Zyniker umso deutlicher, wie unvollkommen das ganze ist, wie zerbrechlich und wie wenig kontrollierbar.
Diese Art Inflation ist nicht zu leugnen und gemahnt einen zur Vorsicht – aber sind denn in diesem Pool, dieser Leuchtspirale nicht nach wie vor all jene herrlichen Farben vorhanden, die begeistern, anregen und beglücken können? Selbstverständlich. Sollte man sich also aufgrund der Tatsache, dass mancher die Sache nicht begreift, dass er nicht damit umgehen kann, davon abhalten lassen selbst sein allerbestes mit diesem Farbenmeer zu versuchen, leidenschaftlich und mit Eifer seine eigenen Farben und Mischungen zu kreieren und sich mit aller Kraft an Erhalt und Ausbau der wirbelnden Schönheiten des Gefühls beteiligen, Inflation hin oder her?
Vielleicht ist die Inflation halb so schlimm, solange nur genug Seelen vorhanden sind, die sich bemühen, den Wert hoch zu halten, die investieren und probieren, die den Mehrwert über die Maßen schätzen und die bereit sind, alles zu geben, damit er nicht nur erhalten bleibt, sondern gesteigert wird? Vielleicht ist die Inflation tatsächlich nur etwas natürliches, etwas, das vorkommen muß, weil wir Menschen sind. Und müßte das nicht im Umkehrschluß bedeuten, dass auch die Inflation selbst einer Inflation unterliegt, wenn man sich, anstatt sich von ihr beirren zu lassen, einfach hineinstürzt in den großen Pool und seine eigenen Farben hinzufügt?
Der Frosch wird’s wissen. Wir können nur den Himmel betrachten und geduldig abwarten, was geschieht.
Hallo Blogleser!
Ich hoffe, Ihr erinnert Euch noch an mich und stellt mit Befriedigung fest, dass nach der kein Schwein (nur ein paar wenige nette Menschen: Danke) interessierenden Avatarwahl der zwinkernde Locke entsprechend der knappen Mehrheitsmeinung den Thron zurückerobert hat.
Ich habe mich unverantwortlich rar gemacht in den letzten Monaten und das wird weitgehend wohl auch so bleiben, weil ich arbeitsmäßig momentan (nicht zuletzt auch aus eigener Schuld) ziemlich beansprucht bin, deswegen meist wirklich lange in meinem ungeliebten Büro über meinem ungeliebten Chaos hocke und mir die wenige Freizeit, die mir neben dem notwendigen bißchen Familie und Freunden noch bleibt eher nicht primär ins Internet investieren mag. Nicht, dass ich das Medium und seine Protagonisten und Antagonisten plötzlich geringschätzen würde aber schon lange vor dem WWW hatte ich durchaus noch andere Interessen und die kommen mir seit viel zu langer Zeit viel zu kurz. Insbesondere ist es einfach unhaltbar, dass ich ewig nichts geschrieben habe und selbst lobenswerte Reviews freundlicher junger Leute namens Squall Shur’tug zu meinem stiefväterlich behandelten einzigen Baby namens Reliquien einer Vision, bzw. lektorische Bemühungen fleißiger Menschen namens laverne zum gleichen Thema bisher nicht im geringsten so würdige, wie ich es eigentlich sollte. Auch ist eigentlich unhaltbar, dass ich mit der nächsten Episode, die ja tatsächlich von ein paar Leuten mit Interesse erwartet wird, nicht weiterkomme.
Aber der Job ist nicht alles (wenn auch das, was mir die meiste Energie raubt): Seit Ende September war ich hier bei mir zu Hause mit meinem internen Umzug beschäftigt, der nun weitgehend abgeschlossen ist. Ich brenne darauf, ein wenig über meine definitiv gestiegene Wohnkultur zu bloggen aber um das tun zu können brauche ich erst eine kompetente Kamera und die habe ich noch nicht, weswegen das auch dieses Mal, nach zwei Monaten Schweigen, noch ausfallen muß. So oder so finde ich das Abhängen in meinem bescheidenen Reich momentan auch noch so entspannend, dass ich mich schwerlich zu Konstruktivem aufraffen kann. Für ein Heim fehlt freilich nach wie vor das allerwichtigste, nämlich jemand, der es mit einem teilt aber wer wie ich sein Erwachsenendasein überwiegend in separaten Räumen, die keinerlei einheitlichen Wohnungscharakter besaßen, verbracht hat, fühlt sich trotzdem plötzlich auf kuriose Art und Weise menschlich ein bißchen weiter und vollständiger. Ich kann mir vorstellen, dass der eine oder andere das schwer nachvollziehbar findet. Andererseits habe ich aber auch niemals behauptet, ein sehr durchsichtiger und vernünftiger Charakter zu sein 
Freundlicherweise werde ich diesen Monat mit einem erklecklichen Anteil Weihnachtsgeld bedacht werden (aufgrund meiner Tendenz, in Windeseile mein Konto durch den Erwerb von kleinen Alltagsfreuden mit Durchhaltezwecken zu überziehen, habe ich bisher nicht nachgeschaut, ob ich nicht vielleicht schon bedacht WURDE. Auf dem Konto sein muß das Geld erst am letzten Tag des Monats und so werde ich mich noch ein wenig gedulden. Jedenfalls sollte der freundliche Bonus mich in die Lage versetzen, mir eine funktionsfähige Kamera zu besorgen – unter anderem. Freilich ist das auch sehr abhängig davon, was nach Abzug meines vermutlich nicht unscheinbaren Dispos insgesamt noch von dem Geldsegen übrig ist… schließlich ist Weihnachten und auch, wenn es in meiner ausgesprochen trostlosen Existenz ja leider nach wie vor keine liebende Seele gibt, der ich mit einem möglichst wundervollen Geschenk den Atem rauben müßte, ist diese Jahreszeit ja leider trotzdem mit einigen Kosten verbunden. Außerdem fehlt mir nach wie vor das eine oder andere an Wohnungsausstattung, insbesondere in der Küche besteht da noch ein gewisser Nachholbedarf am notwendigen Instrumentarium. Dazu gehört vermutlich nicht unbedingt die Druckhebel-Espressomaschine, hinter der ich bei Ebay gerade herlaufe und die ein entsetzlich dummer Bieter vor ein paar Stunden viel zu früh in den Bereich meines angedachten Maximalbudgets für das Gerät gebracht hat. Mögen Deine Lenden Ungeziefer und Ratten zeugen, Du Blödmann!
Beruflich zeigt sich bei mir gerade zum ersten Mal das Äquivalent eines Silberstreifs am Horizont. Tatsächlich wurde in der vorvergangenen Woche eine Stelle im Sozialamt ausgeschrieben. Sicherlich nicht mein Lieblingsbereich aber unterm Strich sehne ich mich vor allem nach einer Sache, nämlich einer Veränderung, bzw. einem Wechsel aus meinem aktuellen, ermüdenden und frustrierenden Aufgabengebiet irgendwo anders hin. Meine Chefetage hatte indes andere Pläne mit mir, die meinen Vorlieben letztendlich auch nicht gerade schmeicheln aber zumindest eine einträgliche, bedeutsame und einflußreiche Position in Aussicht stellen und damit wohl das, was meinem Zenit im öffentlichen Dienst am nächsten kommen dürfte, denn für meine eigentlichen Interessen und Talente hat man dort leider so gar keine Verwendung. So schmerzlich es ist aber einen falscheren Weg hätte ich schlichtweg seinerzeit so übereilt kaum einschlagen können. Umso erfreulicher, dass ich zumindest einer beratenden und sehr verantwortlichen Tätigkeit werde nachgehen können ab dem Frühjahr.
Damit verbunden ist leider auch ein neuer Weiterqualifizierungslehrgang ähnlich dem, den ich erst vor einigen (gefühlten) Stunden solid-erfolgreich abgeschlossen habe. Ab Mitte März erwartet mich insofern erneut eine beinharte Zeit mit einigem Leistungsdruck. Man wird dort ziemlich leidenschaftlich gedrüclt; nicht umsonst hat einer meiner Kollegen genau diesen Lehrgang vor zwei Jahren abgebrochen und war daraufhin erstmal ein gutes halbes Jahr aus psychischen Gründen arbeitsunfähig krankgeschrieben. Mündlich wurde mir vom Oberchef dafür diesmal eine umfassende Freistellung zugesichert, die auch meine Bedingung war, wenn ich den vakanten Posten tatsächlich ausfüllen sollte, Änderungssehnsucht hin oder her. Parallel zu meiner mich auslaugenden jetzigen unbefriedigenden Tätigkeit voller Baustellen und Unausgegorenheiten kann ich keine wirtschaftsorientierte Weiterqualifikation schaffen; das fiele mir schon schwer genug, wenn ich völlig von der Arbeit befreit wäre in dieser Zeit (weil es mir schlichtweg auch an Ausgleich fehlt, bzw. an Gelegenheit und Zeit dafür).
Der Zusage des Oberchefs knallte aber sofort ein Veto der Personalkoordinatorin entgegen, die zumindest eine Überganszeit über den 31.12. hinaus für unentbehrlich hält. Damit hatte ich ohnehin gerechnet, deswegen kann ich damit leben, wie ebenfalls mit der nur zu verständlichen Verpflichtung, nach Bestehen des Lehrganges, der vom Arbeitgeber finanziert wird, nicht vor Ablauf einer angemessenen Frist bei jemand anderem in Lohn und Brot zu gehen. Als würde ich mich um eine weitere Tätigkeit im öD reißen, wenn ich dadurch jetzt nicht einen Arbeitsweg von knapp sieben Minuten per Pedes hätte und im abbezahlten Eigenheim wohnen könnte 
Trotzdem versetzt mich der Abschluß als “Bilanzbuchhalter”, sollte ich ihn erringen, in die angenehme Position, auch für einen Job in der Privatwirtschaft qualifiziert zu sein, wenn auch für einen der Langweiligsten und meinem Wesen wohl fremdesten Job, den man dort bekommen kann – was, wie ich übrigens finde, nichts als allerherrlichste Ironie ist.
Bis dahin ist es allerdings zumindest inhaltlich noch ein recht weiter Weg mit allerlei Hürden und Untiefen, die es zu überwinden gilt, die zu überwinden ich monentan allerdings auch nicht die geringste Lust habe. Grundsätzlich möchte ich momentan vor allem eins: Mich in meinem Bett oder auf meinem Sofa verkriechen, Musik hören, Nabelschau betreiben und Gedanken und Phantasie treiben lassen. Seit Anfang meines im Juli abgeschlossenen Lehrgangs, spätestens jedoch seit meiner unfreiwilligen Trennung hatte ich dazu kaum Gelegenheit und definitiv nicht ein Minimum der notwendigen Muße und Ausgeglichenheit. Letztendlich bin ich vollkommen leer und ausgebrannt und nicht in der Lage, meinen Kopf auf ausreichende Weise frei zu bekommen, um mich selbst wiederzufinden, befürchte ich.
Deswegen freue ich mich trotz der Tatsache, dass ich mit dem Fest der Liebe momentan wenig anzufangen weiß, auf die Weihnachtsfeiertage, weil sie zumindest eine längere und friedliche Atempause bedeuten werden. Auch hoffe ich darauf, dass ich mein Schreibtischchaos in den kommenden Wochen zumindest so weit in den Griff bekommen kann, dass ich vor Antritt meiner neuesten großen Herausforderung im März einige Wochen echten Urlaub werde nehmen können, den ich im Grunde seit 2006 nicht mehr im Kleinen und seit etlichen Jahren nicht mehr im großen gehabt habe.
Wer mag, ist eingeladen, mir dazu die Daumen zu drücken.
Deutscher Winter im Jahre 2007
Ich hasse diese Art Winter. Okay, offiziell ist noch Herbst bis zum 22.12….aber diesen endlosen Dauerregen kann man ja wohl kaum unter Herbst subsumieren! Gestern hat es hier eigentlich permanent nichts anderes gemacht als wie auch Kübeln geschüttet. Was soll ich sagen? Ich HASSE Matsch. Ich hasse es, reinzutreten. Ich hasse seine saugenden, ekelerregenden Geräusche, wenn er sich an den Schuhen festfrißt. Ich verabscheue es, daß man IMMER einen eingesauten Hosensaum hat, wenn man im Matsch unterwegs war, egal, wie vorsichtig man ist. Ich hasse es. den trockenen Lehm von meinen Schuhen abzukratzen.
Ich hasse es, unerwartet in Matschpfützen zu treten, wenn ich draußen unterwegs bin. Ich hasse es, daß dieses Zeug sich überall in der wohnung verbreitet, wenn man es einmal am Schuh hatte und es getrocknet ist. Ich hasse seinen Geruch und wie es sich anfühlt…
Und ich hasse REGEN. Nicht immer, bei den Göttern! Aber Regen im Winter, daß ist einfach nur widerlich. Ich erinnere mich noch an die herrlichen Zeiten, als die Wettergötter im Winter das machten, wofür sie von uns mit fanatischem Glauben gefüttert wurden, nämlich Eis und Schnee, Sturm und Wind. Seit Jahren produzieren sie vornehmlich Regen, Regen, Regen, Regen – und Matsch. Das macht natürlich die obligatorischen Hundeläufe zur Zeit erstmal so richtig amüsant. Gestern habe ich mich genaugenommen den ganzen Tag lang gedrückt solange ich konnte…aber das arme Vieh muß ja Mittel und Wege bekommen, sich zu erleichtern. Nach wie vor kann ich ihn nicht einfach auf den Hof lassen denn erstens erleichtert er sich nicht auf Stein, zweitens schlüpft er dann ständig unterm Zufahrtstor durch und verschwindet auf die Straße oder sonstwohin (und achtet dabei leider absolut nicht auf Autos) und drittens bleibt er ohne mich auch oft nicht lange draußen, sondern hockt wie ein begossener Pudel vor der Glastür, die Innen- und Außenbereich trennt, und wartet, daß sie sich wieder öffnet (vielleicht wurde er mal ausgesetzt? Wer weiß es schon?).
Gestern nun verging Stund um Stunde und das einzige, was ich draußen mit Gewissheit immer erkennen konnte, war Wasser. Und das in Massen. Abgesehen vom stürmischen Wind, der mir natürlich schon sehr gefiel, konnte der ganze Sonntag nur mit verdammtem Regen aufwarten. Der Vorteil von Regen draußen vor der tür: Die ätzenden, spießigen Sonntagsausflügler hielten sich in ihren warmen Butzen auf, machten vielleicht Gesellschaftsspiele oder sonstwas uninteressantes. Heute morgen hörte ich von einem Ehepaar, das sich trotz Schlamm und Regens per Fahrrad munter auf den Weg ins Duschbad gemacht hat. Vermutlich sind für die Zweckbeziehungs- oder Gewohnheitsbeziehungssorte Mensch der Gedanke, einen Tag allein im Gespräch mit der/dem Alten verbringen zu müssen wesentlich schrecklicher, als von oben bis unten naß zu werden und sich bekleidet und bedrahteselt eine Fangopackung zu gönnen. Das gehört sicherlich zu den wenigen Verbrechen, die ich meiner Beziehung nicht antun würde^^
Wie dem auch sei, das war der einzige positive Aspekt an diesem furchtbaren Wetter. Während Pfützen, Bäche und Regenkanäle sich füllten, artige Erde mehr und mehr schwammiges Wasser aufnehmen mußte und Wiesen sich in Mini-Moore verwandelten, füllte sich zudem wie stets bei starkem Regenwetter unser Heizungskeller aufgrund des steigenden Grundwasserspiegels. Mein erster Hundegang um die Mittagszeit (früher stehe ich sonntags freiwillig, bzw. ohne guten Grund definitiv nicht auf) war schon ein einziges Schlammbad. Da ich seit einer Weile nur noch über anderthalb Paar kaputter bzw. undichter Schuhe verfüge (denn die ordentlichen Schuhe wurden ja damals vom Köter zernagt und meine Finanzen erlaubten mir bisher keinen Fußkleidungsneuerwerb) und außerdem einem Paar Hausschuhe, denen er die Einlegesohlen herausgerissen hat und die an den Seiten ebenfalls Löcher haben, erlaubten die Umstände meinen Füßen das erhebende Gefühl, in Nässe und Matsch zu tauchen und dabei schwarz und dreckig zu werden. Der Vorteil davon: Erstens ist es für einen Diabetiker eine schöne Erfahrung, wenn er weiß, daß seine Quanten durchaus noch etwas spüren, zweitens macht die Dusche hinterher dann wesentlich mehr Spaß, weil sichtbar Dreck abgebraust wird. Trotzdem hätten mich diese beiden Aspekte normalerweise eher nicht dazu verleitet, mich in das Sauwetter zu wagen… aber als halbwegs verantwortungsbewußter Mensch, was blieb mir da zutun?
Das Problem bei solchen ungewollten Ausflügen bei schrecklicher Witterung besteht in der zunehmenden Tendenz des Hundes, mich in ausnahmslos ätzende Situationen zu bringen: Er rupft mich durch besonders matschige Bereiche, bleibt exakt dort stehen, wo möglichst viel Regen mich trifft, hält plötzlich unvermittelt an, wodurch ich gezwungen bin, mindestens einen Hacken ganz besonders tief in den Dreck zu stecken um nicht umzufallen oder er reißt plötzlich an der Leine, wodurch ich entweder mein Handy fallen lasse (gestern glücklicherweise nicht passiert) oder auf glitschigem Untergrund (Autobrücke vorm Pfarrershaus, gestern durchaus passiert) den Halt verliere und mich entweder auf die Schnauze lege (gestern glücklicherweise nicht passiert) oder irgendwo festkrallen muß, wo Matsch, Grünspan und ähnliches wuchern, weswegen meine Hand für den Rest des Weges zum Himmel stinkt und ich sie weder in die wärmenden Taschen stecken, noch zur Beseitigung eines Juckens an die Nase legen darf.
Schlammtour eins hatte mir eigentlich schon umfassend gereicht. Ich war nass und dreckig, mein lieber Mantel war nass und stank wie alter Abortteppich, der Köter stank, war pladdernass und dreckig. Erstmal hockte ich mich vor den ollen Kaminofen, um wieder halbwegs trocken zu werden, dann klopfte ich mir symbolisch auf die Schulter, daß ich diese Sache schließlich überstanden hätte und erst am Abend wieder ein Gang fällig war. Als dieser Abend kam, regnete es noch immer. Man möchte nicht meinen, daß es im Himmel und auf Erden soviel Wasser geben kann. Jedenfalls war meine Bereitschaft, erneut in diesen Tümpel zu steigen, mal wieder im Bereich hoher negativer Zahlen angesiedelt. Ein Phänomen, dem ich oft begegne (wie man hier schon fast genauso oft lesen konnte). Ich zögerte also den Zeitpunkt erneut hinaus. Glücklicherweise ist der Hund diese Neigung von mir gewöhnt. Aber er ist auch ein Optimist, weswegen er jedesmal, wenn ich mein Sofa oder meinen PC-Stuhl verließ, um irgendwas zu machen, hoffnungsvoll aufsprang und mich fragend anglotze. Ich weiß nicht, ob Hundefreunde sich ausmalen können, wie einen Nicht-Hundefreund diese Sache auf die Nerven gehen kann…vermutlich würden sie das immer niedlich finden. Ich hingegen kann auf penetrante Verfolger wahrlich verzichten. Und doch gab das Tier, verständlicherweise, nicht auf.
Die Stunden vergingen… irgendwann setzte ich mich an den PC und ließ mich auf eine späte ICQ-Unterhaltung ein, die, wie das meistens so ist, immer später wurde (Verbeugung an Laverne^^). Wie das auch meistens so ist, konnte ich mich nicht losreißen und auch das permanente Mir-weiter-auf-die-Pelle-rücken des Hundes stimmte mich vor drei Uhr nicht um. Ich war todmüde (mal wieder, warum auch immer, denn ich hatte schließlich lange genug geschlafen), ich war mürrisch und das Wetter…hatte sich noch immer nicht gebessert. Ganz im Gegenteil. Ich überwand mich schließlich, denn bei aller gelegentlichen Genervtheit bin ich nicht unbedingt ein Tierquäler. Mein Mantel war noch immer nass, meine Schuhe ebenfalls, ich fand meine Schlüssel nicht, keinen Regenschirm und das Vieh hüpfte und piepste und wedelte zum Mäusemelken. Also schon mit einem Nässevorschuß hinaus ins finstere, feuchte Dunkel. Der Regen war stark, stärker, als es von drinnen den Anschein gemacht hatte. Pfützen überall, der Bach am überlaufen. Gras feucht und schwammartig, Matsch wo man nur hinsah, Schlamm, Dreck, Siff, Regen, Spritzer, Glitsch…es war furchtbar.
Sehr schnell nahm ich Abstand davon, meiner sonstigen, inzwischen arg verkürzten Nachttour zu folgen. Leider sah das Vieh das ein wenig anders und zog mich mal hierhin, mal dorthin, nach dem altbekannten Schema immer in die ekligste Scheiße, die sich finden ließ. Ich versuchte, besonderen Problemzonen auszuweichen und nicht in jeden Moddersumpf zu trampeln aber er machte es mir schon sehr schwer und tobte sich im Sauwetter so richtig schön aus…muß zugeben, dass ich es wirklich nicht ertrage mir vorzustellen, dass künftig alle unsere Winter so ablaufen werden-_- Jedenfalls konnte ich nicht nach Hause, ehe das Biest nicht wenigstens irgendwo einen Haufen gesetzt hatte. Das schien er aber als allerallerletztes im Sinne zu haben. Trotz zorniger Flüche wie auch flehender Bitten ließ das Tier sich nicht erweichen. Ich war wirklich drauf und dran, es zu ergreifen und in der nächsten verdammten tiefen Pfütze zu ertränken und mich selbst in den überschäumenden Bach zu werfen. Es mochte letztendlich etwa zehn vor vier gewesen sein, als ich endlich wieder zu Hause war und mich abtrocknen konnte. Ich war wirklich, wirklich SEHR müde, SEHR nass und der Ofen war inzwischen erloschen, weswegen er weder mir noch meinem Mantel Hilfe zuteil werden lassen konnte. Schließlich lag ich irgendwann im Bett, wohl wissend, dass meine Wecker mich zwischen sieben und halb acht wieder aus dem Bett werfen würden.
Ich erwachte um zwanzig vor neun. Der Regen der Nacht strömte nach wie vor. Fleißiger Bursche mit unerschöpflichen Ressourcen. Ich bin allgemein kein Freund bürokratischer Pünktlichkeit aber spätestens ab halb neun sitze ich normalerweise artig an meinem Schreibtisch und harre der Abscheulichkeiten die da kommen. Jetzt war ich um halb neun noch artig am schlummern gewesen. Als ich hochschreckte war ich erst schockiert, genehmigte mir dafür aber nur einige Sekunden, schließlich war ich ausgesprochen spät dran. Schnell gewaschen, Zähne geputzt, Haare gewaschen und…nach unten, wo der Hund bereits erwartungsvoll vor der Haustür hockte und seine übliche Mischung aus Quaken und Jaulen erklingen ließ. Hurra, ein Glück, dass ich das auch noch zu erledigen hatte!
Wenn ich so gar keine Zeit habe, verzichte ich darauf, den Hund morgens durch den Park zu führen (leider braucht der immer eine gewisse Zeit und Bewegung, bis sein Magen-Darm-Trakt zum Abwurf bereit ist). Stattdessen gehe ich quer über die Straße und am dortigen kleinen Spielplatz vorbei auf die Wiesen hinter einem Wall an der Bundesstraße zu, wo genügend Gras vorhanden sein sollte, um das Tier zu befriedigen. Es gibt drei Möglichkeiten, diese Wiese zu erreichen. Die erste besteht darin, über den Spielplatz selbst zu gehen. Risiko: Hund scheißt AUF den Spielplatz und Kiddos finden unerwartet komische Schokolade. Möglichkeit zwei: ganz daran vorbei über die asphaltierte Straße, die ihrerseits zu den Mietshäusern vor der Wiese führt. Vorteil: Trocken und sauber. Nachteil: dauert wesentlich länger und für den Hund gibt es nichts zu schnüffeln, zu buddeln und zu rupfen, weswegen er auf der Wiese dann umso länger braucht, um in Fahrt zu kommen. Keinesfalls die ideale Option, um schnell ins Büro zu kommen. Möglichkeit drei: Goldene Mitte. Zwischen Spielplatz und den Häusern an der zur Wiese führenden Straße befindet sich ein Weg. Gut, er ist nicht wirklich golden, sondern braungrau weil gekiest und mit Lehm bedeckt. Die Variante ist im Regelfall die schnellste und ich wählte sie, denn die Zeit verging und verging und ich nicht ins Büro, sondern Gassi.
Während ich über den Weg gerissen werde (er führt an einem abscheulich stinkenden Graben vorbei, dafür ist er kurz und der Graben grün bewachsen) entdecke ich überall mein Lieblingsphänomen moderner Winter: Den Matsch. Faktisch keinerlei Möglichkeit, ihm auszuweichen oder drüber hinwegzuhüpfen. Ich trug bereits meine verbliebenen Schuhe und selbstverständlich die Klamotten, die ich auch im Büro zu tragen plante, denn Zeit zum Umziehen war nicht mehr. Doch ohne Rücksicht auf meine prekäre Lage, dafür aber umso mehr auf mein Zeitproblem, platschte ich den Weg entlang zur Wiese, wo der Köter sich nach einigen Minuten zum Ablass seiner Exkremente herabließ. Auf dem Rückweg wollte ich cleverer sein und entschied mich über den Spielplatz zu laufen. Doch der hatte sich über Nacht wie die meisten anderen Wiesen der Gegend in einen extrem überlasteten Schwamm verwandelt, der quatsche und platschte, sobald man darüber lief und allgemein wirklich mehr an ein Moor- oder Sumpfgebiet als an einen Kinderspielplatz erinnerte. Tapfer latschte ich drüber und gelangte schließlich ans Ende, wobei ich durch meine erzwungene Vorsicht wesentlich länger unterwegs war als über die asphaltierte Straße möglich gewesen wäre. Im Büro tauchte ich letztendlich um kurz nach neun auf, mit eh schon anderthalb Minusstunden auf meinem Zeitkonto. Und mit total versifftem Hosensaum und dreckigen Schuhen. Hach, bin ich gespannt auf morgen!
Wenn es mit dem Klima so weitergeht, dann wird sich der Winter noch zu meiner Hassjahreszeit entwickeln. Und welche Jahreszeit soll ich dann noch gernhaben?
Was lernen wir daraus?
Einerseits, dass die Klimakatastrophe Realität ist und das auch schon vorm heutigen „erschütternden BILD-Report“ zum Thema war, auch, wenn die das eine zeitlang von angeblichen Wissenschaftlern haben bestreiten lassen.
Andererseits, dass es von der Liebe zum Haß nur ein sehr, sehr kurzer Schritt, bzw. Ausrutscher ist. Und das trifft wohl leider auf mehrere Sorten Winter zu.
Vollmond

In den letzten zwei Nächten schimmerte er wieder am Himmel und segnete die Welt mit fließendem Silber. Okay, ECHTER Vollmond herrschte nur Mittwochabend um 21.45 und sechs Sekunden aber schon bei meinem obligatorischen Hundelauf am Dienstag, nachdem mein Besucher mich nach einer angewandten Session Fullmetal Alchemist (provokatives Plakat mit dem einem Schriftzug „Ja, ich stehe dazu!!!11EINSEINS!“ bitte hier einfügen) verlassen hatte, kam mir der Mond ungemein voll und hell vor. Ich habe eine Schwäche für den Vollmond, muß ich zugeben. Ich glaube, den meisten Leuten geht es so. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, was der Mond eigentlich so alles anstellt mit uns und unserer Umwelt. Wer die Meere bewegen und gestohlenes Licht der Sonne herabregnen lassen kann, um die Nacht zu erhellen, läßt den kleinen unbedeutenden Menschen nicht kalt. Wobei es freilich erstaunlich ist und sehr für den Sportsgeist unseres kleinen Trabanten spricht, daß die Tatsache, daß wir ihn bereits mit Füßen getreten haben, ihn nicht dazu verleitet, mit der nächtlichen Lichtspende, Flut und Ebbe und der Stabilisierung unserer Kreisbahn aufzuhören.
Wer einmal Wolf’s Rain gesehen hat, wird nicht vergessen haben, daß das Licht des Vollmondes die Wunden des Rudels heilte, daß seine Strahlen die Vier euphorisch machten und berauschten und daß der Vollmond die beste Zeit für die von ihnen so geliebte Mondblume darstellt. Doch nicht nur für Animewölfe auf der Suche nach dem Paradies ist der Vollmond ein silbriger Segen. Auch andere Tiere haben ein fatales Faible für ihn, werden von ihm angezogen und berauscht. Dem nackten Affen geht es nicht anders, insbesondere DIESEM nackten Affen hier (obwohl…ich bin ja leider relativ haarig; thanks to daddy’s genes). Mir gibt das kühle, weiße Leuchten des Vollmonds, dieses alten Schmarotzers, wesentlich mehr als der ermüdende, hitzige Strahl der Sonne. Von der brennenden Sonne wende ich den Blick ab, der funkelnde Mond hingegen SAUGT meine Aufmerksamkeit an. Das ist ein populäres und altes Phänoment, dem der irreleitende Begriff der Mondsüchtigkeit als eigentümlicher Sprößling geboren wurde. Ich allerdings bin durchaus KEIN Schlafwandler. Ich wandere wach, bewußt und mit offenen Augen unter dem Mond herum und bewundere, wie sein Licht die nächtliche Welt mit einem sanft schimmernden Nimbus beschenkt.
Ich stelle immer wieder mit einiger Verblüffung fest, daß es wirklich etwas in mir auslöst, im Mondlicht zu baden. Bestimmt geschieht nichts, was sich mit irgendeinem Gerät messen läßt, eher scheint es etwas zu sein, daß man spürt, fühlt, auf einer anderen Ebene wahrnimmt. Und es beschwingt mich, muß ich zugeben. Es macht mich munter, es läßt mich aufleben. Liegt es daran, daß der Vollmond all mein Blut in den Kopf zerrt und zum Ausgleich Glückshormone ausgeschüttet werden? Ich habe keine Ahnung. Auch konnte ich bisher der Versuchung widerstehen, es wie Cyrano zu halten und mich nach dem Baden mit „nassen Locken“ in den Vollmond zu wagen, um von ihm, am „Haupte emporgezogen“ zu werden. Nicht, daß es mich nicht reizen würde wie er den kleinen Bären zu besuchen und vom großen Bären gebissen zu werden aber so ganz ohne Sauerstoffgerät, Druckanzug und die Phantasie eines hochbegabten, melancholischen Poeten ist es vermutlich nicht gar so empfehlenswert, „zu diesem Leuchtenten Opal“ „ganz ohne Hilfsmaschinen“ zu fahren. Trotzdem ist der Reiz groß. Schon allein der, die Plastikfahne umzuwerfen, die der Monddrängler Armstrong dort hinterlassen hat und stattdessen dort ein großes, unkaputtbares Bild der O’Rly-Eule aufzustellen.
Würde sich auf dem Mond
sicher prima machen, oder?
Trotzdem, irgendwas ist dran. Der Mond besitzt macht. Das wußten auch schon Margaret Weis und Tracy Hickman, als sie der Fantasy-Welt Krynn aus ihrer Dragonlance-Sage gleich drei davon verpaßten, die den Magiern der drei Gesinnungsorden von Krynn ihre Macht verleihen: Den Silbermond Soilnari für die „guten“ Weißroben, den roten Mond „Lunitari“ für die neutralen roten Roben und schließlich Nuitari, der dunkle Mond, der den Schwarzroben ihre Macht verleiht und nur von ihnen gesehen werden kann. Final Fantasy VIII lokalisiert allerlei Monster auf dem Mond, der Vorgänger FFVII gönnte Red XIII einen bösen Limit Break namens Howling Moon, der Wolf Blanca aus meinem geliebten Shadow Hearts: Covenant besitzt eine Statusanomalien aufhebende Skill namens Full Moon und heult bei der ultimativen Regenerationsfähigkeit Aurora den Mond, es gibt Mondbasen, die Alpha heißen, es gibt Mondphasen-Haarschnitte, selbst Heinz Erhard hat über ihn gedichtet… er beschäftigt uns defintiv und große Kräfte der Zerstörung aber auch und vor allem der Heilung werden ihm zu geschrieben.
Ich vermeine stets, sie zu spüren, diese Kräfte, wenn ich im Vollmond wandle (um es mal lyrisch auszudrücken). Er erfrischt mich und erfreut mich allein durch sein kraterhaftes Antlitz (wobei man bei Vollmond tatsächlich die wenigsten Krater sieht) und sein heilsames Licht. Sein Schein erfüllt die Dunkelheit der Nacht mit sanfter, unaufdringlicher, fast schattiger Helligkeit. Silber legt sich wie ein glitzernder Schleier über Baum und Berg, Haus und Turm und über dem Wasser schwebt schillernder Nebel. Die Hitze und der Schweiß des Tages weichen der Kühle des Mondes und schwebendem Rauhreif, der zugegebenermaßen nun seinerseits für Feuchtigkeit am Körper sorgt. Allerdings eine angenehmere, erfrischende und weit weniger geruchsintensive Form davon. Allgemein…. paßt einfach alles zusammen.
Denn das Mondlicht steht im krassesten nur denkbaren Widerspruch zum künstlichen Stadtlicht. Speziell in meinem Kaff ist es so, daß für die Straßenbeleuchtung seit Jahren Peitschenleuchten mit dem höherfrequenten orangefarbenen Licht genutzt werden, welches durch seine höhere Energie einen stärkeren Beleuchtungseffekt hat. Doch dieses Orange…es ist nicht schön, es harmoniert nicht mit der Nacht. Früher wurden hier Leuchten mit einer niedrigeren Leuchtfrequenz gewählt; das Licht war eher weiß-bläulich, entsprach dabei aber weitaus mehr dem Vorbild des Mondes und der Sterne. In genau einer Straße im Kaff stehen diese alten Leuchten noch – und hoffentlich noch lange. Das von ihnen abgesonderte Licht fügt sich eher in ein harmonisches Gesamtbild mit der Nacht. Es geht in die Dunkelheit über und vertreibt sie nicht, sie leben in Symbiose, keiner dominiert den anderen, man geht stattdessen fließend ineinander über. Die Orangelaternen tun das Gegenteil, sie überlagern, übertünchen, zerbrechen die Dunkelheit und drängeln mit ihrem Licht in jede kleine Ritze. Vielleicht fühlen alte Damen mit Handtaschen, Paranoiker und Politiker sich dadurch sicherer, doch sie entziehen sich durch diese Monstrositäten der urtümlichen Schönheit der Nacht, indem sie sie in etwas Künstliches verwandeln, sie beflecken, entjungfern, wenn man s will. Orange ist das gemilderte Rot der beklemmenden Furcht, die diesen Leuten vor etwas so grundsätzlich harmlosem, romantischem und schönem wie einer klaren Vollmondnacht im Grunde empfinden. Und doch sehnen sich sich im Innern danach, opfern sie jedoch einem übereifrigen Pragmatismus.
Deshalb lobe ich mir den Park. Um den Teich stehen Laternen. Mindestens jede dritte funktioniert eh nicht und diejenigen, DIE funktionieren, sondern kein betacarotines Orange sondern das pure, liebe alte blauweiß ab und bewahren einen so einerseits vorm unbewußten Schritt in das Wasser, andererseits zerstören sie nicht die nächtliche Vollkommenheit dieser Anlage – denn nur nächtens ist sie annähernd vollkommen. Ein Störfaktor ist freilich das Orangelicht aus den Halogenscheinwerfern des Schlosses, die das historische Gebäude beleuchten sollen. Andererseits schadet die wärmere Farbe dem Gebäude als solchem nicht und es entsteht ein gewisser Kontrast, der widerum relativ ansehnlich ist. Insofern kann man mit diesem kleinen Fauxpas leben, zumal durch das effektivere Licht weniger Scheinwerfer die Umgebung verschandeln.
Mir wird häufig gesagt, ich wüßte nicht mehr zu schätzen, in was für einer schönen Gegend ich eigentlich leben darf. Ja, unbestreitbar: Das alte Klischee vom landschaftlich wunderschön gelegenem Ort (das bekanntermaßen Bände darüber spricht, wie langweilig, überaltert und bewegungslos ein Ort ansonsten ist) trifft auf mein Kaff schon zu. Allerdings irren sich meine Kritiker, wenn sie sagen, ich wüßte dies alles nicht zu schätzen. Bei Vollmond in einer klaren, kühlen Nacht, allein oder zu zwei’n im Park….da weiß ich dieses kleine Privileg sogar sehr zu schätzen.
Hach, ich liebe den Vollmond…
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Lis.
Übrigens kann mir gratulieren, wer dies hier liest, denn seit heute ist es exakt ein Jahr
her, daß ich weggeworfen und meine Seele hinterrücks gemordet wurde. PARTY! Naja, so
fühlen weder meine Seele noch ich wirklich Aber wer mag, darf ihr gern einen Kranz schicken=)
