Archiv für die Kategorie ‘Nutzwissen’
Kürzlich gebildet (4)

Okay, beginnen wir traditionell mit einem Bilder-Fachwortspiel: Die auf dem Skateboard davonrasenden Kosten sollen mit einer netten, karierten Decke, nun, gedeckt werden. Haha. Aber da könnt Ihr mal sehen, wie langweilig dieser Unterricht ist, wenn mich sowas kichern macht…*seufz*

Der vermutlich mal wieder nicht lesbare Text lautet:
“Prof. Dr. Dr. Siegesmund Läwerätsch, Doktor der Betriebswirtschafts-Leere und Dozent für Sachzwangsfiktion und fortgeschrittene Wichtigmacherei an der Universität von Ost-Anglien, demonstriert seinen bahnbrechenden Effekt.”
Der Leverage-Effekt; noch so ein BWL-Klassiker. Aber mit Herrn Berlusconi kommt zumindest ein politischer Aspekt hinein.

Last but not least schließlich die Freuden der Globalisierung. Es ist in meinen Augen unfassbar, dass eine “Mehrheit” von Mitbürgern (gewisser Coleur zugegeben, bzw. ohne Interesse und die mindeste Ahnung davon, was dieser Scheißdreck letztendlich für uns alle bedeutet), sich von angeblichen Sachzwängen allen möglichen hoffnungslos unmenschlichen Mist aufpeitschen lässt und das auch noch richtig findet, weil sie ja so vernünftig ist. Dabei bestünde doch das einzig Vernünftige darin, diese Zustände wieder zu mildern mit dem Ziel, sie auf ihren rechtmäßigen Platz weit hinter unseren tatsächlichen Bedürfnissen zurückzudrängen.
Stattdessen wählt Ihr schwarz-gelb und suggeriert diesen Monstren damit, dass sie alles genau richtig und gemäß Eurem bzw. dem mehrheitlichen Interesse machen. Sind eine private Krankenversorgung (wie in den USA), die Unterbindung von Mindestlöhnen, ganzheitliche Überwachung völlig unbescholtener Bürger und zu allem Überfluss auch noch steuerseits finanzierte Unterstützung gewissenloser Spekulanten ernsthaft in Eurem Interesse? Merkt ihr’s noch? Aber ich wiederhole mich…
“Wochenend und …” ach, wem etwas vormachen?
Achja, das Wochenende…segensreicher Fronlohn nach langer Leidenszeit! Ist es nicht herrlich, am Ende des Abgrunds die lustige, kleine Gasfunzel zu sehen, die zwar ihren Brennstoff spätestens nach zweieinhalb Tagen aufgebraucht hat, aber immerhin so wunderbar warm, hell und herrlich leuchtet, dass man das anschließende Erlöschen erstmal wirkungsvoll verdrängt? Und wie gesegnet ist man erst, wenn man einen Job hat, wo dieses phänomenale Flämmchen bereits am Freitagmittag lodert und leuchtet wie siebeneinhalb wunderschöne Nordlichter über dem Eishaus des Weihnachtsmannes am 25.12? Naja, normalerweise jedenfalls, wäre man nicht so unendlich dumm, irgendwelche nutzlosen Lehrgänge zu machen, die einem abverlangen, am Freitag aber spätestens die Hausaufgaben vom Donnerstag zu machen und dann am Samstag morgens gen fünf aus den Federn zu kriechen, um erst gen 15.00 Uhr langsam in den Wochenendmodus einzutreten.
Wieder naja, wieder normalerweise jedenfalls, denn wie wir alle wissen (und die, die es immer noch nicht gepeilt haben, sollten jetzt wirklich langsam aufwachen): Am Sonntag ist auch noch geile Bundestagswahl, yeah. Davon war schon die Rede, deshalb nichts mehr dazu. Höchstens die Anmerkung, dass nach einer Umfrage des ZDF (Zirca Demokratisches Fernsehen) bisher 40% der Wahlberechtigten noch keinen Schimmer haben, wen sie verdammtnochmal wählen sollen und deswegen alle anderen repräsentativen Umfragen unter den Bürgern (ich gehöre irgendwie nie zu diesen Bürgern. Ihr vielleicht?) mit Vorsicht zu genießen sind. Persönlich steht aus meiner Sicht ja nichts gegen die fällige Abwahl von Angela Merkel, selbst F.W. Steinmeier nicht, der ohnehin in den selben Öltopf wie Angie gehörte, würden die denn endlich mal den Weg aus dem Mustopf finden. Aber die Angst vor den Kommunisten ist mindestens so groß wie die Ignoranz der Sozialdemokraten, dass der Bürger sich eine echte Sozialpolitik von ihrem Haufen nun wirklich nicht mehr vorstellen kann und im Verhältnis ist die Größe auf dieser Seite der Gleichung mindestens so massiv wie die Winzigkeit des Verständnisses auf Bürgerseite dafür ist, dass das Gesindel im Huckepack der FDP genau die Nasen in seinen Reihen weiß, die die fiese Finanzkrise, quasi aus ununbeflecktem Leibe heraus, geworfen haben. Bleiben die Grünen, deren Geschichte mit der Erfolgsmär von Rotgrün ausreichend erzählt ist.
Kein Wunder, dass kein Schwein weiß, was es nun am Sonntag machen soll. (KWIEK ist auf dem Wahlzettel ja wieder nicht zu finden.) Konsequent wäre vermutlich, die Stimme für eine kleine Partei abzugeben, mit der man in ein oder zwei gewichtigen Punkten übereinkommt. Aber da gibt’s ja schon wieder neue Märchenonkels, die beispielsweise so’n Piratennetz nicht so gut vom vielarmigen Fangnetz der Bruderschaft bräsiger Nationaldemokraten unterscheiden können. Wobei diese Märchenerzähler dann erstaunlicherweise gerne als fachmännische Fischvormkopfhaber nichts gegen die nicht minder feinmaschigen Fangnetze eines Herrn Petrus einzuwenden haben, was ja auch wieder schizophren ist. Außerdem ist der große NACHTEIL der Stimme für eine kleine Partei, dass sie fast immer im Gegenschluss auch eine Stimme für die falsche große Partei ist. Wobei man ernsthaft darüber nachdenken sollte, was einem Land überhaupt noch Übleres als eine große Koalition angeblich gemäßigten Marktradikalismus passieren könnte. Okay, vermutlich eine kleinere Koalition des nicht einmal angeblich gemäßigten Marktradikalismus*grübel* Es wird jedenfalls nicht leicht am Sonntag, Leute – aber tut um Himmels Willen das Richtige und helft dabei, diese „Gesellschaft“ mal wieder ein bisschen voran-, bzw. vielleicht eher zur Menschlichkeit zurückzubringen. Wichtig ist vor allem, dass man nach Gewissen abstimmt und nicht bloß nach Fresse oder Fahne.
Persönlich weiß ich, was ich am Sonntag zu tun habe. Ich weiß auch, wen ich wählen werde, keine Frage…aber das ist es nicht, was ich meine. Was ich meine ist der ZWEITE Teil meines versauten Wochenendes. Nicht genug, dass für den Samstag ekelhafterweise in unsere eigentlich unbelegten Verfügungsstunden ein Trio investitions- und finanzierungsrechnender Doppelstunden bei einem offiziell inoffiziellem Ehepaar gelegt wurde, dass vermutlich an einem voraussichtlich schönen Frühherbstsamstag nichts besseres zutun hat, als 13 vergleichsweise harmlose Menschen mit Zahlen zu malträtieren. Das allein wäre schlimm genug! Nein, am Sonntag werde ich, nachdem ich die Überdosis uninteressante wie unnötig komplizierte (und m.E. letztendlich doch nur fiktive) Zahlen tags zuvor überlebt habe, wie eigentlich alle Angestellten meiner Kommune (wie der meisten Behörden in der Gegend) eingesetzt werden, um der provinziellen, überalterten Käffchenbevölkerung beim CDUwählen zu helfen.
Eigentlich finde ich, dass ich nach einer Woche Elend und Fron durchaus verdient habe, auch mal ausschlafen zu können. Wird mir dies nun schon am Samstag verwehrt, so bin ich das wenigstens gewohnt: Jeden ersten, dritten und fünften Samstag haben wir im Institut zu erscheinen und weitgehend praxisfern vollgelabert und genervt zu werden. Die Schlaumeier unter Euch werden jetzt kreischen, dass der 26ste ja erst der VIERTE Samstag im Monat und ich ein großer, dicker Dummi bin. Stimmt schon…aber werft doch bitte mal einen Blick auf den ERSTEN Samstag des Monats Oktober, der der nächste Samstag in diesem Jahr sein wird. Ja, da wird das Nationaldrümmelherz ganz weich, warm und kuschelig: Ui, der DRITTE OKTOBER! Der TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT! Der große FEIERTAG unserer herrlichen NATION!!!!111EINSEINS!!1 Schande haben wir doch ein Glück, oder? Dass wir diesen GEILEN Nationalfeiertag haben, wo sich unsere Überschuldung jährt, erfolglos Ausschau nach blühenden Landschaften gehalten wird und wo sich der eine oder andere niedergeschlagene Mensch in Chemnitz, Dresden, Schwerin, Magdeburg und so weiter schmerzhaft daran erinnert, dass er VORHER mal einen Job und eine Zukunft hatte. Vermutlich keine schöne und sicherlich in einem Unrechtssystem. Der Vorteil dieses Systems war, dass dort jedermann leicht realisieren konnte, dass es Unrecht war. Das Unrecht in unserem System, in das diese Leute so glücklich hereingerutscht sind, findet nur auf einer anderen, ein wenig subtileren Ebene ab und wirklich und unmittelbar gespürt wird das halt nur von den Leuten, die sich entweder ganz unten aufhalten in der Klassen- bzw. natürlich SCHICHTENpyramide (denn schließlich ist unsere Gesellschaft klassenlos, richtig? Nee, Klasse hat sie wirklich keine…) oder aber ganz oben. Und wir vermutlich feiern, dass wir bisher weder zu der einen, noch zu der anderen Gruppe gehören und uns deswegen in Ignoranz suhlen können.
Es ist, um es kurz zu machen, schlichtweg so, dass mein Lehrgang prinzipiell ausfällt, wenn der entsprechende Sams- oder Donnerstag (das Ding läuft, ähnlich wie mein A² bis letztes Jahr, jeden Donnerstag und alle paar Samstage) auf einen Feiertag fällt. Unsere Dozenten gehören im Regelfall zu den Gewinnern des Gesellschaftslottos und haben insofern am Dritten Oktober auf unsere Dummheit anzustoßen, weswegen es nicht möglich ist, sie dazu zu bewegen, trotzdem zum Unterricht zu kommen. Okay, wenn ich dort in der Verwaltung arbeiten würde, ich sähe auch nicht ein, auf meinen Feiertag zu verzichten, zumal wir in Niedersachsen nur noch so wenige davon haben dürfen. Vielleicht wird ja eines Tages wenigstens der Geburtstag von Christian „Landespappi“ Wulff zu einem solchen erklärt; spätestens, wenn er dann doch endlich Kanzler ist und das wundervolle niedersächsische Wesen ganz deutlich zur Genesung zwingt…
Kommt es insofern einmal tatsächlich dazu, dass durch einen Feiertag unser Streben nach „buchhaltérischer“ Erkenntnis (die Dozenten betonen dieses e andauernd so übermäßig; ähnlich wie die Moderatoren einst auch von mir verfolgter Games-Sendungen fälschlicherweise sein Geschwisterchen in „Charaktér“. Die Einzahl von „Charakte(eeee)re“ ist schlicht „Charakter“, ihr Dödel) im Kein erstickt und unterbrochen wird, dann wird der entsprechende Léhrgangstag auf einen Samstag vor oder nach dem eigentlichen Termin verschoben. Der 26.09. wäre eigentlich frei und diese Regelung angesichts der Wahlverpflichtungen der Behördenmitarbeiter sehr günstig gewesen. Aber das Finanzierungsehepaar (das man nicht so nennen darf; schließlich sind das beides studierte Leute und darauf darf der Teutsche sich nach wie vor etwas einbilden, obwohl die Hochschule entweder von Papi oder dem Rest von uns bezahlt worden ist; schon seltsam) musste uns dieses Tüpfelchen Freiheit leider unbedingt nehmen. Vermutlich machen die eh Briefwahl und haben als FDP-Wähler etwa siebenhundert Ausreden parat, wenn sie jemand zu einem ehrenamtlichen Einsatz verpflichten will. Deswegen heißt es also schon am Samstag: Aufstehen um fünf, durchhalten bis fünfZEHN.
Am Sonntag heißt es erst aufstehen um halb sieben, schließlich muss der stellvertretende Wahlvorsteher erst um 7.30 Uhr am Wahllokal bereitstehen. Weiß noch nicht, ob ich auch aufschließen muss; dann müsste der Kollege mir Freitag dringend noch den Schlüssel übergeben. Die Wahl beginnt um acht, bzw. bei uns kurz vor- oder nach dem Sonntagsgottesdienst; je danach, ob Kathole oder Ketzer. Vorher müssen die Wahlurnen aufgestellt und versiegelt werden, der Wahlraum eingerichtet, die Kabinen eingerichtet und so weiter. Man bekommt für diesen Dienst an den Massen einen Tageslohn (bzw. eine Aufwandsentschädigung) von 30,00 Euro. Meist ist das nicht unbedingt der Betrag, der die anwesenden Wahlhelfer dazu motivieren könnte, sich leidenschaftlich zu engagieren. Ich indes kann diese Minifinanzspritze meist ganz gut brauchen. Und doch ist mir Geld wirklich noch nie so wichtig wie mein Schlaf gewesen. Irgendwann stellt sich die Erkenntnis ein, dass man ohne Geld schwerlich einen Platz zum Schlafen findet…aber grundsätzlich würde ich, denke ich, den Schlaf vorziehen, so ich ihn irgendwo ausüben kann. Speziell nach einer so anstrengenden Woche wie dieser.
Aber mein Wochenende steht unter dem Zeichen von Pflicht und Engagement (mit anschließender Ernüchterung ob der Zahlenmacht, bzw. Entrüstung über die Stumpfheit des Wahlviehs). Durch meine umfassenden Verpflichtungen macht es außerdem keinen Sinn, dass, wie sonst, meine Freundin über das Wochenende die Reise ins Kaff auf sich nimmt, so dass man sich gen 19.00 am Sonntag ausschließlich auf deprimierende Hochrechnungen freuen kann, anstatt auf einen liebevollen Kuss. Und dann ist wieder Montag und die nächste Schulung steht an.
Thanks for all the Flowers.
Ich mag Blumen, gar keine Frage. Ich mag’s auch durchaus, welche geschenkt zu bekommen – nur geschieht das schlichtweg viel zu selten. Heute war mal eine rühmliche Ausnahme von dieser der Farb-, Leb- und Lieblosigkeit huldigenden Regel. Sicherlich ist diese glückliche Wendung vor allem dem Prinzip meines Chefs zu Ereignissen in seiner direkten Mitarbeiterschaft zu verdanken „Garnix machen ist immer am Schlimmsten!“ aber trotzdem habe ich mich gefreut, als ich heute morgen mit bequemer Verspätung unmotiviert wie üblich ins Büro zockelte und dort ein hübscher Blumengruß auf meinem Schreibtisch stand:

Kombiniert war diese farbige Kreation aus Sonnenblumen, ApriROSEN und, ähm, dem grünen Zeugs mit zwei freundlichen Karten, einmal vom Personalrat und einmal von den direkten Kollegen, die auch die Urheber des Blumengeschenkes waren.

Meist bin ich nicht sonderlich gut zu sprechen auf mein Arbeitsumfeld und auch heute gab es wieder allerlei durchaus sehr guten Grund dafür…aber diese kleinen, unerwarteten Aufmerksamkeiten, die haben mich schon gefreut.
Grundsätzlich hatte ich gestern Nacht, als die Zeit gekommen war, sich ins warme Bettchen zu verkriechen und den neuen Tag heranschlurfen zu lassen, auf dass er einem einen weiteren Anteil Hirn und Lebenskraft aus dem Leibe saugen kann, wirklich so gar keine Lust, in ein paar Stunden wieder im Büro zu hocken. Einerseits herrscht dort seit April 2007 ein ziemliches Chaos von unerledigtem Sachverhalt; ich habe keine Vertretung und so bleibt all das, was nicht gerade anbrennt, liegen, wenn ich nicht da bin. Andererseits habe ich diesen Weiterqualifizierungslehrgang nun seit fast zwei Jahren fest im Blut. Begonnen hatte alles am 15.08.06, wo in meinem Leben noch vieles wesentlich besser aussah als heute. Es gab damals eine Million guter Gründe, um eine Höherqualifizierung zu versuchen und die wichtigsten habe ich in diesem Rahmen ja schon mal erläutert. Der Nachhaltigste ist sicherlich, dass ich in meinem Job sehr, sehr unglücklich bin und die zweite Angestelltenprüfung den güldenen Nimbus einer Fahrkarte in spannendere und interessantere Gefilde wohl zu projizieren wusste.
Anfangs war ich vollkommen überzeugt, dass ich den Lehrgang ohne großen Stress mit mindestens zehn Punkten Endnote (eine DREI+ am NSI; Einsen hat es dort in seinem jahrzehntelangen Bestehen bisher nur in zwei Fällen gegeben) abschließen würde. Der private Stress durch meine unfreiwillige Trennung, der nachhaltige Ärger im Büro durch parallele neue Aufgabenzuteilungen und damit verbunden (bzw. wohl auch dadurch produziert) relativ mäßige Noten hatten mich eigentlich schon so weit, dass ich hinschmeißen wollte. Innerlich gab ich die Sache als verloren auf…liebenswerte, freundliche Menschen, denen ich definitiv zu Dank verpflichtet bin, versuchten jedoch immer wieder, mich in der Spur zu halten und meine Moral etwas zu heben aber ich bin ein wirklich endlos schwermütiger Geselle der es noch so mutigen Motivatoren deshalb ausgesprochen schwer macht, wirklich und wahrhaftig an ihn heranzukommen. Außerdem bin ich, gebeutelt von einer entsprechenden, ziemlich vertrautheitslosen Vergangenheit, das Musterbeispiel eines argwöhnischen, misstrauischen alten Mistkerls…
Nichtsdestotrotz sorgten die engagierte Aufbauarbeit dieser wirklich wunderbaren Menschen (deren Kharma in Zukunft strahlen möge wie der Morgen, denn haben es verdammtnochmal absolut verdient, zu glänzen, wenn sie MICH und MEINE abscheulichen Launen erduldet und umzukehren versucht haben) und nicht zuletzt meinen grässlich hartnäckigen Stolz hielt ich letztendlich durch. Außerdem war ich nach wie vor froh, durch den Lehrgang den einen oder anderen Tag von der Arbeit befreit zu sein; schon allein deswegen hätte ich die Sache vermutlich bis zum bitteren Ende durchgezogen, wenngleich dann vermutlich mental noch viel derangierter als jetzt. So bin ich mit einer sauberen drei aus den Sümpfen der Verzweifelung japsend wieder aufgetaucht; ich hatte wirklich nicht mehr damit gerechnet und umso mehr freut es mich letztendlich.
Aber gestern, nachdem die Zeugnisübergabe erledigt und ich von der Bildungsfron wieder befreit war wie damals, als ich, freudestrahlend mein Abizeugnis und die mitgeschenkte Rose umklammernd, meine gepriesene Gesamtschule verlies, überkam mich nach verhallener Euphorie das selbe erdrückende Gefühl wie auch schon 1997: Und was jetzt?
Ein konkretes Lebensziel hatte ich neben der Liebe für’s Leben eigentlich nie. Mein großer Traum ist schon seit vielen Jahren, etwas zu schreiben, das allgemeine Beachtung findet. Für so was muss man jedoch erst erlebt und erfahren haben; mit neunzehn kann man so einen Herzenswunsch noch nicht stemmen. Schon garnicht, wenn der Großteil des jugendlichen Lebens in der Gesellschaft des schweigsam schuftenden Vater in Blut, Fleisch, Wasser, Sand, Sägemehl, zwischen den Zeilen und Zelten von Volksfesten und im Darminhalt geschlachteten Viehzeugs stattgefunden hatte. Der Großteil meiner schulfreien Zeit war von solchen Tätigkeiten geprägt; als einziger Sohn der Familie eines selbständigen kleinen Tieretöters-und-Wurstmachers entkommt man dieser Bestimmung nicht – doch wer würde darüber lesen wollen? Wer würde darüber SCHREIBEN wollen? Vielleicht die kuriosen Kids, die es Schlachttags immer genossen, meinem Vater und dem Gesellen beim Zerlegen zuzusehen, bis die beiden konsequent die Sicht verbauten…die konnte ich aber als Kind schon nicht leiden!
Ich machte mein Abi, weil sich mir dadurch die größtmöglichen Optionen boten. Neben einer akademischen Karriere hin zum Journalisten, was mir damals eine gute Idee schien, hatte ich nur ein Auge auf die Tätigkeit eines Buchhändlers geworfen. Neue Bücher bestehen verdächtig oft aus Rudimenten von alten und älteren Büchern. Die Gelegenheit, sich mit Klassikern und Neuerscheinungen auseinanderzusetzen, interessierten Kunden dabei zu helfen, die richtige Story für sie zu finden und damit hoffentlich ihr Leben zu bereichern und nebenbei kaufmännische Erfahrungen sammeln reizte mich ziemlich. Ich wollte nicht komplett auf BAföG angewiesen sein und außerdem ein zwotes Standbein haben. Alternativ wäre ich furchtbar gern Psychologe geworden aber mein NC war schlichtweg zu mies (traurige 3,0 in 1997 aber immerhin noch ein bisschen besser als meine Schwester, hähä). Schreiben und das geschriebene Wort reizten mich aber letztendlich eh ein bisschen mehr. Also versuchte ich, an eine Buchhändlerausbildung zu kommen. Viele Möglichkeiten gab es da zu der Zeit leider nicht. Letztendlich wollte mich auch keiner von denen haben; schätze die ahnten, dass ich mehr lesen als verkaufen würde. Ich dachte also doch über ein Studium nach, kam damit aber schlichtweg nicht aus der Hüfte und grübelte orientierungslos herum.
Nicht ganz ein Jahr vor meinem Abi war mein Vater gestorben (der 27.09.; wiederholt mein persönliches Schicksalsdatum). Er hatte schon lange vorher mit einiger Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass ich so GAR kein Interesse an der Weiterführung des Familienbetriebs hatte. Er hätte mich nicht zwingen können, selbst, wenn er gewollt hätte…und auch sein älterer Bruder, mit dem ich nicht mehr viel zutun habe, auf den er aber immer artig gehört hat, fand wohl, ich sei zu Höherem bestimmt (was im Falle meines Onkels zwangsläufig über ein Hochschulstudium zu erreichen war, wie er eines absolviert hatte). Rechtliche Zusammenhänge machen es aber unmöglich, einen Handwerksbetrieb längere Zeit ohne einen Meister zu führen. Diesen hätte man einstellen müssen und der Laden hatte schon für die Familie nie wirklich genug abgeworfen; auch die Familie des Gesellen hing zudem ja daran. Kurze Zeit nach meinem Abi wurde der Betrieb somit aufgegeben und es musste ein Weg gefunden werden, Lebensunterhalt zu verschaffen. Zeit zum Nachdenken und Grübeln, was denn nun nach der Abfuhr durch die Buchhändler werden sollte blieb nicht; meine verwitwete Mutter konnte keinen 19jähren Sohn, eine 14jährige Tocher, eine 22jährige Auszubildende und ihren fünfjährigen Sohn unterhalten…ich musste irgendwas machen und hatte schon genügend Zeit vergeudet. Damals waren gerade Ausbildungen in der Verwaltung im Angebot. Mit Abi war ich da einer der Topkandidaten und schon die dritte Bewerbung führte letztendlich zur Ausbildung.
Ich hatte so was niemals machen wollen…hätte ich damals schon um chinesische Horoskope gewusst, hätte es mich vielleicht stutzig gemacht, in meinem winzigen Büchlein zu lesen, dass die Schlange/Holz-Wasser nichts Schlimmeres machen kann, als sich in einem Büro einzusperren. Doch genau das machte ich, genoss anfangs meine Kohle (denn SO viel hatte ich echt noch nie zur Verfügung gehabt) und bemühte mich um einen sauberen Abschluss. Im Jahre 2000 hatte ich genau den; nach einer mittelprächtigen Schriftlichen und einer ziemlich brillanten Mündlichen Prüfung (genau wie beim Abi drei Jahre zuvor) war ich ein gaaaaaanz toller Verwaltungsfachangestellter geworden. Anfangs durfte ich nur drei Monate bleiben und blieb mit meiner außerhalb des öffentlichen Dienstes leider vollkommen nutzlosen Ausbildung erstmal Kunde beim Arbeitsamt (was ich nach wie vor als die schlimmste Zeit meines Lebens bezeichnen würde, trotz der Halbtaubheit und der verratenen Lebensliebe wesentlich später, und die ich niemals wiederholen möchte). Tragische Umstände (nämlich der Tod eines netten Kollegen) führten ein paar Monate später dazu, dass ich bei meinem alten Laden erneut anfangen konnte.
Hausintern bin ich dann ein wenig herumgewandert und hatte teils interessante, teils wirklich ätzende Aufgaben. Ich war nicht glücklich, aber durchaus zufrieden. Dann kam es allerdings zu einer Umstrukturierung in unserem Landstrich, wegen der die Stelle, auf der ich ganz zufrieden, wenn auch sicherlich nicht begeistert hockte, gestrichen wurde: Die Aufgabe fiel weg. Ich sollte darauf neue Aufgaben bekommen, mit denen ich nach einer gewissen Gewöhnungszeit schließlich auch klarkam. Inzwischen war ich vom befristeten Halbtagsangestellten zum vollbeschäftigten Angestellten mit unbefristetem Vertrag geworden. Das garantierte mir zwar keinen Reichtum aber immerhin ein geregeltes Auskommen, bis ich dem Drang nicht mehr widerstehen und die Finger nicht länger von den phantomhaften goldenen Löffeln des Hauses zu lassen fähig wäre. Wichtig war mir vor allem das Bewusstsein, nie mehr arbeitslos sein zu müssen, wenn ich nur ordentliche Arbeit leistete. Im Laufe der Zeit wurden mir weitere Aufgaben zuteil, die mir nach und nach weniger gefielen. Ich war keine Leuchte in Mathe gewesen und seit meinem verheerenden Scheitern in der Elften hatte ich daran auch keinen Spaß mehr. Meine Zukunft entwickelte sich jedoch nach und nach zu einem Ozean an langweiligen Zahlen, hinter denen nur in den wirklich allerseltensten Fällen interessante Geschichten lagen. Worte waren allgemein immer mehr meine Welt gewesen und was mein Gerechtigkeitsempfinden angeht, so schüttelt das noch heute immer mal wieder den Kopf und runzelt die Stirn.
Es ergab sich dann, vornehmlich durch eine Intervention meines Kollegen, dass uns beiden der Besuch des zweiten Angestelltenlehrgangs angeboten wurde; es stehen viele Umstrukturierungen an und es stieg der Bedarf an künftigen Führungskräften. Ich war nicht wirklich scharf darauf, sah darin aber letztendlich einen Silberstreif der mir fehlenden lohnenden Perspektive im Beruf. Von meinen Führungsqualitäten war ich eh schon immer überzeugt und was die schulischen Anforderungen anging, da machte ich mir auch keine Sorgen. Außerdem hoffte ich auf ein Minimum an Erfüllung im Berufsleben, damit meine arme Süße nicht immer meinen Feierabendfrust ertragen musste, wenn ich mottenartig auf sie als meine einzige denkbare Lichtquelle zusegelte. Deswegen sagte ich zu und ließ mich darauf ein. Die Klausuren und Prüfungen waren noch lange hin und ich wollte mir die Sache halt mal ansehen. Nicht lange nach dem ersten Lehrgangstag ließ sie mich sitzen; erneut an einem 27.09. Ich fühlte mich um ein Leben, einen Sinn, ein Universum betrogen und konnte damit schlichtweg nicht umgehen. Mein höchstes Lebensziel hatte immer wahre Liebe geheißen und nachdem ich diese nun ernsthaft nach etlichen Jahren sinnloser Versuche gefunden hatte verließ sie mich urplötzlich wieder für eine hübschere Weide, riss mir das olle Herz aus der Brust und trampelte mit Spikes darauf herum. Die Sache traf mich nicht nur so sehr, dass meine Lehrgangsleistung und -Motivation den Bach runterging, sondern so sehr, dass meine ganze Existenz sich plötzlich in einer Todesspirale befand. Ich fand anfangs nicht viel Beileid für mein Gejammer…ich hatte vorher seltenst über meine tieferen Gefühle gesprochen und wirkte stets ruhig, gelassen und zynisch, nicht tränensprühend, verlassen und verzweifelt; die Leute begriffen meine Gefühle nicht und wie sehr mir so was, was doch im Grunde tagtäglich etlichen Leuten widerfuhr, mich so unendlich schaffte. Nun, es war aber so und trotz der einen oder anderen sicherlich gerunzelten Stirn fand ich ein paar nette Leute, die meine Verzweiflung nicht total albern und übertrieben fanden, auch und gerade im SB (Charis, laverne 2006, maworm*sichverneig*).
Wenn auch mein ziemlich dramatisch zur Schau getragener Seelenschmerz seeeeehr langsam verheilte (im Nachhinein muss ich zugeben, dass mir die Sache wirklich peinlich ist; der Verstand hätte sich eher einschalten und den inneren Troubadour wirksam erschlagen sollen…aber als naiver Romantikidealist kaut man auf solchem Schmerz und solcher Enttäuschung wohl wesentlich länger herum als es ein vernünftiger Mensch täte) wurde meine Motivation für den Lehrgang keinesfalls besser und das zunehmende Chaos im Büro in der lehrgangsfreien Zeit tat noch ein übriges dazu. Ich ließ mich seit meiner Diabetesdiagnose in 2004 wieder wesentlich mehr gehen, wurde inaktiver, verschlossener, verzweifelter und sah irgendwo kein Land. So sehr mir die Arbeitsbefreiung auch zusagte, so umfassend waren schließlich auch die Konsequenzen der Tatsache, dass während dieser Zeit einiges unaufgearbeitet blieb, weil mein Kopf von anderem schwellte und meine Hoffnungen, zumindest den verdammten Lehrgang erfolgreich zu bestehen und damit ETWAS gebacken zu kriegen in meinem verhunzten Leben, proportional zu den Klausurergebnissen abebbte.
Gewürzt wurde der Wahnsinn in meinem Kopf schließlich noch mit einem persönlichen Familiendrama, dass einige Kreise in den Medien und um uns als Angehörige gezogen hat und das mich, auch zur denkbar ungeeignetsten Zeit zur Hochphase meines Lehrgangs, mehr beschäftigte, als ich mir nach Außen den Anschein geben mochte. Zwei meiner wohl schlechtesten Klausurergebnisse fallen in diesen Zeitraum. Trotz allem schleppte ich mich zu den schriftlichen Prüfungen, mit deren Ablauf ich nur sehr bedingt zufrieden war. Nun, um ehrlich zu sein: Ich war mir verdammt sicher, es hoffnungslos vergeigt zu haben. Was meine Dozenten von mir so schriftlich erwarteten und was ICH dort zu erwarten hatte, konnte ich schon seit einer kleinen Ewigkeit nicht mehr nachvollziehen. Ich war todsicher, dass mindestens zwei der vier Klausuren unterm Strich, bzw. im Bereich der fatalen Fünf herumkrochen und die anderen beiden mal gerade knapp über dem Strich waren. Mir wurde zwar immer wieder gesagt, dass ich mich wie ein Idiot anstellte und erstmal abwarten wollte aber als ich dann erfuhr, dass ich es geschafft hatte, war ich doch vollkommen ungläubig und musste mir das erstmal klarmachen.
Die Schriftlichen Ergebnisse (ich habe natürlich hier gebloggt, als sie kamen) wurden etwa zwei Wochen vor den mündlichen Prüfungen herausgegeben. Ich bekam erstmal keinen Urlaub, hatte allerlei Termine und anderes Gedöns und war deswegen einmal mehr viel zu unengagiert beim Lernen. Erst in der letzten Woche vor Ultimo hatte ich meinen widerwilligen Geist soweit im Griff, dass ich mich hinsetzen und etwas lernen konnte. Nun habe ich nie wirklich gelernt wie man lernt. In der SEKI bestand für mich schlichtweg keine Notwendigkeit für viel Lernerei, weil mir die Kenntnisse weitgehend zuflogen im Unterricht und bei den Hausaufgaben. Im Zehnten hatte ich meine ersten zwei Vieren; eine in Chemie und lustigerweise eine in Deutsch bei einem Referat über „Hamlet“. In der Elf beschäftigte mich die Frage nach meiner künftigen beruflichen Orientierung. Außerdem waren meine sämtlichen echten Freunde zum Ende der Realschule abgegangen und ich war einmal mehr verdammt allein in meiner Miniwelt. Krampfhaft versuchte ich, meine beste Freundin, für die ich zugegebenermaßen auch ein bisschen mehr empfand, in meine Klasse zu zerren doch sie versäumte den Anmeldungstermin aus Urlaubsgründen (schon damals mit ihrem langjährigen Freund; insofern hätte ich eh keine Chance gehabt) und wurde letztendlich spontan in den letzten Tagen vor Beginn der Elf woanders eingegliedert, während ich mit der wohl angehenden zukünftigen Elite zusammengepfercht war und mit denen leider gar nichts anfangen konnte.
Die Isolation war sonst eine durchaus heilsame Sache für mich gewesen aber ich war doch sehr unglücklich und das schlug sich in meinen Noten nieder. Ich wurde in der Konsequenz einiger unbequemer fünfen damals erstmals wirklich dazu gezwungen, konzentriert außerhalb der Schule zu lernen. Da ich sowas zuvor bestenfalls mit Vokabeln hatte anstellen müssen, stellte ich mich richtiggehend dämlich an und war nicht sehr erfolgreich: Mathe entglitt mir völlig (hier war ich sogar noch schlechter als meine Schwester) und allgemein die Nawis wie auch sonst meine eigentlichen Stärken Geschichte und Deutsch im Leistungskurs waren, uh, nicht gerade rühmlich für mich. Auch an den anderen Sprachen hatte ich keinen rechten Spaß mehr. Aktiv war ich meist nur noch in traditionellen Laberfächern: Pädagogik, Gemeinschaftskunde, Religion (und selbst dort lief es beschissen, weil der Lehrer mich auf dem Kieker hatte). Ich musste also so richtig ranklotzen…ohne zu wissen, wie.
Nun, das Abi schaffte ich schließlich und war ganz zufrieden. Trotzdem war ich nach wie vor einer eher durchschnittlicher Lerner. Auswendiges prägt sich mir schnell ein, wenn es mich interessiert und eine winzige Leidenschaft für (unkomplizierte) Formeln habe ich auch noch aber damit haben sich meine Lerntalente ziemlich erschöpft. Der A² indes forderte mir da eine Menge ab. Ich war teilweise interessiert an dem Stoff aber vieles erschien mir erbsenzählerisch, praxisfremd und bürgerfern und letztendlich für meinen täglichen Gebrauch als viel zu kompliziert. Die Praxis sieht bekanntermaßen immer anders aus als die Theorie aber hier kam es auf die Theorie an. In den praktischen Arbeiten war ich dann auch sehr gut, während die Theorie meist nur befriedigend bis ausreichend funzte. Die Lehrgangsklausuren bewiesen bald, dass ich allein mit meinen Kenntnissen aus dem Lehrgang nicht weiterkommen würde und so hockte ich mich hin und quälte mich – nach wie vor zwar viel zu selten – mühselig durch den Stoff und zelebrierte um ein Wesentliches zu häufig das feine Prinzip vom Mut zur Lücke. Letztendlich eröffnete mir der Lehrgang keine Perspektiven und es gab auch niemanden mehr, für dessen künftiges Wohlbefinden ich mich anstrengen mochte; persönlich wäre ich auch ohne Titel und Weihung zurechtgekommen. Mein Stolz aber glücklicherweise nicht. Außerdem erschien mir der Gedanke, dass ich mich ansonsten ja zwei lange Jahre völlig umsonst gepeinigt und fertiggemacht haben würde, einfach unerträglich.
Am Dienstag ist es mir schließlich gelungen, die Sache zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Mein Stolz mault ein bisschen ,weil er sich eine bessere Zensur gewünscht hätte aber im Grunde bin ich doch sehr happy, es doch geschafft zu haben; bessere und engagiertere Leute als ich sind an der selben Mission gescheitert und mussten es mindestens einmal erneut versuchen – wenn sie es denn am Ende überhaupt noch geschafft haben. Der eine mir bekannte Fall hat es geschafft und ich freue mich riesig für sie; hat dafür auch mit ihrer Chefetage ziemlich kämpfen müssen. Doch was am Ende bleibt ist erneut eine bittere Erkenntnis: Was kommt danach? Ein Teil von mir (vermutlich der naive Teil von weiter oben) hatte stets angenommen, dass die Bestehung der Prüfung bei mir zu einer mentalen, körperlichen und moralischen Wiedergeburt führen würde. Zumindest in beruflicher Hinsicht war mir ein umfassender Wechsel versprochen worden. Anzeichen für etwas in der Richtung in Planung finden sich leider (noch) nicht. Vor dem Lehrgang galt meine erste Sorge der Beziehungspflege und da gibt es außer schwelenden, gruseligen, unmenschlichen Trümmern, die man um die Pest meiden sollte, nüscht mehr zu pflegen. Ein Urlaub zum geistigen Geraderücken kommt momentan auch nicht in Frage. Deshalb lobe ich mir meine Blumen: Solange sie in der Vase stecken und weiterhin hübsch und lebendig blühen, ist wenigstens ein sicht-, fass- und ruchbares Ergebnis meiner Mühen der letzten zwei Jahre vorhanden, das ich betrachten und anlächeln kann. Ich mag Blumen, gar keine Frage. Ein Glück!
Tomorrow…
Okay, morgen braucht es Geistesgegenwart, Wissen, Schlagfertigkeit, Konzentration, Gesundheit und jede Menge Glück. Da mir all das definitiv nicht zur Verfügung stehen wird, bleibt mir nur eines, nämlich den Geist der Muse und der Kreativität heraufzubeschwören und durch heiseres Intonieren, unterbrochen vom gelegentlichen scharfen Erkältungskeuchen, die Inspiration so lange wie möglich an meiner Seite zu halten:
[ANNIE]
The sun’ll come out
Tomorrow
Bet your bottom dollar
That tomorrow
There’ll be sun!
Just thinkin’ about
Tomorrow
Clears away the cobwebs,
And the sorrow
‘Til there’s none!
When I’m stuck with a day
That’s gray,
And lonely,
I just stick out my chin
And Grin,
And Say,
Oh!
The sun’ll come out
Tomorrow
So ya gotta hang on
‘Til tomorrow
Come what may
Tomorrow! Tomorrow!
I love ya Tomorrow!
You’re always
A day
A way!
Drückt mir die Daumen-_-