Fatal Urge

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Archiv für die Kategorie ‘The Big Screen

Mythen. Märchen. Magie.

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Im November 1995 entdeckte ich im hiesigen selbsternannten Kaufhaus „Das Große Lesebuch der Fantasy“. Jetzt habe ich es wiederentdeckt. Unter anderem prangte der Name „Terry Pratchett“ auf dem Cover, den ich da noch nicht allzu lange für mich und meine Lachfalten entdeckt hatte. Nur eine Geschichte mit mageren 12 ½ Seiten hatte Terry P. zu diesem sympathischen Schmankerl beigesteuert aber ich war trotzdem hungrig genug auf Neues, um die 15 DM für den Band zu berappen. Die Geschichte „Troll Dich“ von Terry Pratchett, inzwischen unter dem Originaltitel „Troll Bridge“ meines Erachtens im Internet grundsätzlich auffindbar, war typisch und ließ meine Mundwinkel einige Male zucken… es ist eine Kurzgeschichte um Cohen den Barbaren, der sich mit dem Troll Muskovit unter seiner Brücke, die Cohen zu passieren gedenkt, über die gute alte Zeit auslässt und darüber, wie stil- und sinnlos das Leben von Helden und Monstern und wie alt und zerbrechlich Körper doch mit der Zeit zu werden neigen. Es war ein kurzes, doch zumindest auch kurzweiliges Vergnügen, wenngleich die Geschichte doch sehr routiniert und konventionell zu lesen ist.

Trotzdem sind 12 ½ Seiten für einen schlecht betuchten Schüler dann doch verhältnismäßig sinnarme 15 DM. Glücklicherweise fasst das Büchlein allerdings insgesamt „22 außergewöhnliche Geschichten von den Meistern der klassischen und modernen Fantasy“. Und hier haben wir ernsthaft mal einen Klappentext, der den Möchtegernkäufer nicht mit leeren Versprechungen lockt, denn die vertretenen Autoren waren damals wirklich die Creme de la creme. Teilweise sind sie es noch heute, wenngleich namhafte Göttlich-Phantasten wie Terry Brooks und Ursula K. LeGuin, von denen an anderer Stelle die Rede sein wird, schon schmerzlich vermisst werden zwischen diesen zwei zerknitterten Taschenbuchdeckeln. Wen wir aber doch finden können, so tummeln sich unter den Autoren Namen wie Piers Anthony, Clive Barker, H. P. Lovecraft, Marion Zimmer Bradley, Michael Moorcock, Tad Williams, Robert E. Howard, Peter Straub, Peter S. Beagle oder Kenneth Grahame. Zumindest Fantasyfans ungefähr meiner Altersgruppe dürften spätestens jetzt eine tiefschwarze Sonnenbrille aufgesetzt haben, damit das Leuchten ihrer Augen nicht den Bildschirm verblendet.

Die im Band angebotene Kost reicht über Märchen, Horrorstories und klassische Abenteuer bis zu philosophisch angehauchten Aventurien und von grobschlächtigen Haudraufs wie Howards „Conan“ über Menschen, die sich in kafkaeske Insektoide verwandeln bis zu kränklichen Albinoprinzen wie Moorcocks „Elric“. Nebenbei wird die hundertjährige Geschichte der Weihnacht beleuchtet, Rotkäppchen, Aschenputtel und Hänsel und Gretel verlassen die staubigen Papierbündel der Grimms und stellen sich in ganz neuem Gewand dar, St. Georg verhandelt mit einem Drachen über dessen publikumswirksame Hinrichtung, Anstaltsinsassen mittleren Alters fixieren Jesusbilder um nicht gefressen zu werden und Schwäne stellen deprimiert fest, dass man mit ihnen eh kein Mitleid hat.

Herausgegeben hat das Buch eine Melissa Andersson und hinterlässt den Freunden der Fantasy damit eine ansehnliche Sammlung vorbildlicher Werkproben namhafter Schreiberlinge und ein feines Stück spannende und interessante Unterhaltung, über die ein Marcel Reich-Ranicki garantiert die große Nase zu rümpfen hätte, was die immense Qualität der Lektüre bewiese. Schade, dass damit wohl eher weniger zu rechnen ist. Nun, vielleicht wäre Zimmer-Bradley inzwischen ja seines Blickes würdig. Was meine Nase angeht (die zugegebenermaßen an den Bildungsperpendikel des fernsehpreispöbelnden Großmeisters literarischen Wortwrestlings nicht heranreicht), so hat sie seinerzeit nach dem Blitzkonsum von Pratchetts Erguss sehr gern im umfangreichen Rest des Buches gesteckt. Meine großen Favoriten in dieser Sammlung sind mit Sicherheit „Ein Bild von Jesus“ (das katholischer droht als es auch nur im Ansatz ist, dafür aber von Piers Anthony), das atmosphärische „Devil’s Glen“, „Das Lied des Weißen Wolfes“ (ein herrlicher Aparativ auf Moorcocks Elric-Saga), „Die hundertjährige Weihnacht“ (wie zu erwarten eine melancholisch-anrührende Weihnachtsgeschichte) und sicherlich „Der unwillige Drache“ von Wind in den Weiden-Erfinder Kenneth Grahame.

Ein zusätzliches Gimmick ist die Round-Robin-Story „Die Gefahr aus dem Jenseits“, etappenweise verfasst von Catherine L. Moore, Abraham Merritt, H.P. Lovecraft, Robert E. Howard und Frank Belknap Long. Die Herausgeberin selbst bezweifelt, dass dabei von hoher Literatur gesprochen werden kann aber Spaß macht es allemal, den Antihelden Helden George Campbell durch die Federn seiner fünf Autoren zu folgen und zu sehen, wie Conan-Vater Howard aus dem gebeutelten Helden seiner Vorschreiber einen barbarischen Eroberer macht.

Wer mit Fantasy etwas anfangen kann und zudem gern ein bisschen Nostalgiefeeling schnuppern möchte (habe er nun eine Kritiker- oder Konsumentennase; das spielt keine Rolle), dem kann ich diese sympathische Sammlung wohlig-warm ans Herz legen. Gebraucht ist das Büchlein recht günstig zu haben; für alle Fälle hier die ISBN: 3-442-24665-2. Besorgt’s Euch und Schreibt mir was dazu!

Geschrieben von listior

09/15/2009 um 22:19

Veröffentlicht in The Big Screen

Twin Peaks

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Vorsicht: Dieser Artikel enthält zwangsläufig einige Spoiler!
Ich wollte schon länger mal wieder eine Serienvorstellung machen und obwohl es dafür ja eigentlich genügend gute Kandidaten gibt, ist es im Grunde doch eigentlich nur natürlich, seiner persönlichen Lieblingsserie eine Hommage zu widmen. Twin Peaks – wieso bin ich nicht schon viel eher darauf gekommen?

Twin Peaks wurde in Deutschland erstmals 1991 ausgestrahlt. Damals war meine Familie gerade in den Genuss von Kabelfernsehen gekommen und ich klebte mit der Nase am Bildschirm, als RTLplus die Show sendete, schon von Anfang an. Ich war dreizehn als die Show anlief und somit vermutlich so gerade in der Lage, halbwegs zu begreifen, was eigentlich vorging. Inzwischen nehme ich dreist für mich in Anspruch, vielleicht drei Viertel begriffen zu haben.

Die Serie ist auf dem ausgesprochen edlen Mist der beiden Genies David Lynch und Mark Frost gewachsen und gilt bis heute als Meilenstein, wenngleich freilich zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung seinerzeit die Quoten schnell in den Keller gingen und so richtig versackten, als die Produzenten aufgrund starken Drucks seitens des Senders tatsächlich den Mörder von Laura Palmer enthüllten.Dieser Mord war die Triebfeder der ersten Season der Serie. Sie erlebte insgesamt unglaubliche zwei davon; und ein späteres Kino-Prequel, das die letzten Tage in Lauras Leben und den konkreten Mord an ihr sowie BOBs ersten, dem FBI geläufigen Mord an der Prostituierten, äh, KELLNERIN Teresa Banks zeigt.

Eines Morgens entdeckt Pete Martell, kauziger Vorarbeiter des großen Packard-Sägewerks in der amerikanischen Kleinstadt Twin Peaks (gelegen nahe der kanadischen Grenze) auf dem Weg zu seinem Angelplatz ein großes Plastikbündel, das von der Strömung ans Flußufer gespült wurde. Das Bündel entpuppt sich als die in Plastikplane eingewickelte Leiche der siebzehnjährigen Laura Palmer, des beliebtesten Mädchens im Ort.

Pete ruft den geradlinigen Sheriff Harry S. Truman an den Fundort, der die Morduntersuchungen einleitet. Kurze Zeit später wird, Bahngleise entlang torkelnd, ein weiteres junges Mädchen namens Ronnette Pulaski von einem kanadischen Holzfäller aufgegriffen. Ronnette befindet sich eindeutig im Schockzustand, ihre spärliche Kleidung ist zerrissen, sie selbt nicht minder übel zugerichtet und an ihren Handgelenken finden sich Spuren durchtrennter Fesseln. Ronnette ist eine Freundin von Laura und arbeitete mit ihr zusammen in der Parfumabteilung des Warenhauses von Benjamin Horne, dem rücksichtslosen aber populären Finanzmogul der Stadt.

Ronnettes Auftauchen jenseits der Staatsgrenze ruft das FBI auf den Plan, welches zur Aufklärung des die Stadt erschütternden Falles Special Agent Dale Cooper nach Twin Peaks schickt, die faktische Hauptfigur der Serie (neben Laura Palmer).

Cooper ist das Sinnbild eines freundlichen, aufrechten Burschen im Dienste von Recht und Ordnung, der niemals ohne sein Diktiergerät gesehen wird, in das er fortlaufend Nachrichten an „Diane“ spricht, eine Person, die man niemals kennenlernt und über die viele Gerüchte kursieren, wenngleich die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es sich tatsächlich um Coops Sekretärin in der FBI-Zentrale handelt – schließlich könnte eine imaginäre Gefährtin Agent Cooper kaum Ohrenstöpsel gegen den Lärm der im Great Northern Hotel Nächte hindurch feiernden Norweger zuschicken, die Ben Horne für sein Ghostwood-Projekt gewinnen möchte.
Agent Cooper vermutet hinter dem Tod von Laura denselben Serienmörder, der schon Teresa Banks getötet hat und liegt damit richtig, wie der Buchstabe beweist, den er unter Lauras Fingernagel findet – ebenso wie damals bei Teresa und später dem Finger vom dritten Opfer.

Über Coop ist weiterhin zu sagen, dass er „verdammt guten Kaffee“ braucht wie andere Sauerstoff und dass er eine Schwäche für leckeres Gebäck hat („Albert, ihr haltet am besten am Wayliner Inn. Einen Kirschkuchen haben die…da legst Du Dich lang!“). Obwohl ein unglaublich direkter und ehrenhafter Kerl mit einem Auge für subtilste Körpersprache („Harry – seit wann haben Sie was mit Josie?“) und einem Grips für Psychologie glaubt Dale fest an die Kraft des Übersinnlichen und greift zur Aufklärung seiner Fälle gern auf Intuition, tibetanische Meditationstechniken und anderes Zeug zurück, was dem trotz allem bald sehr von dem Agenten begeisterten Sheriff Truman meist merkwürdig vorkommt. Harry respektiert respektiert und toleriert es aber trotzdem, zumal Cooper nicht nur sehr überzeugend sein, sondern durch seine Methodik auch greifbare Ergebnisse präsentieren kann. Insbesondere die Macht der Träume ist etwas, von dem Coop restlos überzeugt ist und schon in seiner ersten Nacht hat Coop einen Traum von einem Raum, eingerahmt von roten Vorhängen mit schwarzweißem, gezackten Boden. In diesem Raum sieht er drei Sessel. In einem sitzt Laura Parker, im zweiten sitzt der gealterte Cooper selbst und aus dem dritten erhebt sich ein Zwerg in einem roten Anzug, der Coop in rückwärts von der Wiederkehr seines Lieblingskaugummis erzählt, Laura als seine Cousine vorstellt und dann zu einer jazzigen Musik durch den Raum zu tanzen beginnt. Laura steht inzwischen auf, beugt sich zum alten Cooper hinunter, küsst ihn und flüstert ihm den Namen ihres Mörders ins Ohr.

Leider hat Cooper den Namen am folgenden Morgen wieder vergessen, ist aber überzeugt, dass der Traum der Schlüssel zum Fall ist. Und dass er, wenn es den Ermittlern gelänge, den Code im Traum zu knacken, den Mörder umgehend identifizieren könnte. Diese Aufgabe erweist sich jedoch als wesentlich kniffliger, als zu Beginn angenommen. Tatsächlich ließen Lynch und Frost verlauten, dass, wenn es nach ihnen gegangen wäre, der Mord nie hätte aufgeklärt werden sollen.

Im Laufe von Coopers Ermittlungen lernt der Zuschauer nach und nach eine Menge Personen und Einzelheiten über die Stadt Twin Peaks kennen. Viele Personen, denen wir begegnen, werden als Verdächtige eingeführt und entpuppen sich als zwar gefährlich und kriminell aber unschuldig am Mord an Laura und den Mißhandlungen Ronnettes. Dazu gehören der aufsässige Teenager und Gelegenheitsdealer Bobby Briggs, Quarterback des Footballteams von Twin Peaks und unwilliger Sohn von Major Garland Briggs, der für das Militär unter anderem in der UFO-Forschung tätig ist und private Untersuchungen über die merkwürdigen Vorfälle in Twin Pealks über die letzten vierzig Jahre durchführt. Einem ähnlichen Ziel verschreiben sich die Bookhouse Boys, eine Geheimgesellschaft, wie Cooper entzückt feststellt, die versucht, dem omnipräsenten, abstrakten Bösen in Twin Peaks entgegenzuwirken. Diesem Verein gehören neben Harrys eingeborenem Deputy Tommy „Hawk“ Hill und dem örtlichen Tankstellenbesitzer “Big” Ed Hurley auch dessen achtzehnjähriger Neffe James und seine Bikerkumpel an. Immens verdächtig ist der örtliche Schläger und Gangster Leo Jonson, der neben seiner Tätigkeit als Trucker in haufenweise illegale Aktivitäten verwickelt ist. Leo misshandelt seine Frau, Shelley, verschafft sich regelmäßig sexuelle Befriedigung auf anderen, meist brutalen Wegen, läuft aber Amok, wenn er im Aschenbecher seiner Frau eine fremde Zigarrettenmarke findet.

Shelly arbeitet im örtlichen Double R.Dinner von Norma Jennings, Noch-Ehefrau des zu Beginn der Serie einsitzenden Gewaltverbrechers Hank Jennings und Geliebte von Big Ed, der selbst mit der durch einen von ihm verursachten Jagdunfall einäuigen Nadine verheiratet ist, einer bärenstarken Frau, die so langsam „wirklich nicht mehr richtig tickt“, wie Ed der jungen Donna Hayward in der ersten Folge verklickert. Donna ist (vermeintlich) die Tochter des örtlichen Arztes Will Hayward und Lauras beste Freundin, die nach Lauras Tod mit furchtbar schlechtem Gewissen eine Beziehung zu James Hurley beginnt, der Lauras heimlicher Freund und wesentlich „besser“ für sie war als ihr offizieller Freund Bobby Briggs. Bobby dealt allerdings mit seinem besten Kumpel Mike nur um Lauras Willen mit Kokain, weil, wie Coops Kollege Albert Rosenfield, ein zynischer Gerichtsmediziner, der Kleinstädte und Provinzler hasst wie die Pest, herausfindet, „die kleine“ von dem Stoff abhängig war. Bobby hat im Übrigen eine Affäre mit Leos Frau Shelley, was beide, die Rache Leos fürchtend, vehement zu verheimlichen versuchen.

Noch andere Dinge kommen über die brave Laura ans Licht, so entpuppt sie sich als kriminelle Nymphomanin, die ihren Körper regelmäßig für Geld oder zum Spaß verkaufte; über Anzeigen im Magazin Flesh World oder im jenseits der Grenze gelegenen Kasino und Bordell „One Eyed Jack’s“, das, wie könnte es anders sein, ebenfalls Benjamin Horne gehört, der dort zudem einer seiner besten Kunden ist. Das muß mit Erschrecken seine Tochter Audrey erfahren, die sich dort als Gespielin anheuern lässt, um Cooper, in den sie sich fast umgehend nach seiner Ankunft bis über beide Ohren verliebt, bei seinem Fall zu helfen. Außerdem wird deutlich, dass Laura seit einer Weile ohne das Wissen ihrer durch ihren Tod bis zum Wahnsinn am Boden zerstörten Eltern, Sarah und Leland, regelmäßig den skurrilen, hawaiivernarrten Psychiater Dr. Lawrence Jacoby aufsucht. Ihrem geheimen Tagebuch, das sie bei einem unter schwerer Agoraphobie leidenden Orchideenzüchter namens Harold Smith versteckt, der später zu allem Überfluß Selbstmord begeht und als Abschiedsbrief nur die kryptische Botschaft „J’ai une ame solitaire“ hinterlässt, ist zu entnehmen, dass sie sich schon seit frühester Kindheit von einem Wesen namens BOB gepeinigt glaubt, der sie regelmäßig sexuell mißbraucht und versucht, sie gänzlich in Besitz zu nehmen.

BOB (durch Zufall, jedoch wunderbar diabolisch dargestellt von Bühnenbildner Frank Silva) wird letztendlich als Geist oder Seele eines berüchtigten Serienkillers beschrieben, der früher mit seinem Freund Mike zum Töten ausgezogen ist. Mike jedoch sah eines Tages Angesicht Gottes und ließ vom Töten ab, anders als BOB. Mike, der als Geist einen harmlosen einarmigen Schuhverkäufer in Besitz hält (Mike: „Ich schnitt diesen Arm ab“), bei dem Schizophrenie diagnostiziert wurde und der versucht, Mike mit Medikamenten zu unterdrücken, hat noch eine Rechnung mit BOB offen und stellt seine Dienste Coop und Co zur Verfügung. Noch ein weiterer hilfreicher Geist ist in der Welt von Twin Peaks zu finden, bekannt als der Riese.

Der Riese erscheint mehrfach in Coopers Träumen und ist letztendlich am Ende von Staffel 1 derjenige, der Cooper hilft, sich an Lauras Worte in seinem ersten Traum zu erinnern und den Mörder bzw, den Einwohnter von Twin Peaks herauszupicken, der von BOB besessen ist.

Die Enthüllung des Täters hätte zu einer Ruhepause in der Serie bzw. ihrem vorzeitigen Ende führen können aber in Staffel 2 wird das Geschehen vom Ausbruch Windom Earles aus der Klapsmühle bestimmt. Earle, der auch in Staffel 1 schon Erwähnung findet (meistens in Kombination mit einem göttlichen Auftritt David Lynchs selbst als Coopers schwerhöriger Verbindungsmann Gordon Cole) ist Coops ehemaliger Partner und sein Mentor, der durchdrehte, als er zusammen mit Cooper eine Frau namens Caroline vor einem gegen sie geplanten Gewaltverbrechen beschützen sollte. Letztendlich entpuppte sich Earle selbst als der Täter und tötete Caroline, zudem die einzige Frau, die Cooper jemals innig geliebt hat.

Neben der Bedrohung durch den charismatischen Schurken Earle muß Cooper sich mit der Dienstaufsicht des FBI herumschlagen, die seine Vorgehensweise bei der eigenmächtigen Rettung Audreys aus dem „Jack’s“ ankreidet, was zu Spannungen mit Kanada geführt haben soll. Außerdem muß er sich wegen armseliger Drogenvorwürfe verantworten, die vom Ganoven Jean Renault erfunden wurden, der sich an Cooper für den Tod seiner beiden Brüder rächen zu können hofft, zumal Coop auch seinen Plan, Audrey nur gegen Lösegeld und die Übereignung des „Jack’s“ an ihn ihrem Vater Ben Horne zurückzugeben..

Earles Plan bestand ebenfalls in obligatorischer Vergeltung gegen Coop, jedoch wird das zum Nebenkriegsschauplatz, als mehr und mehr Einzelheiten über die besonderen übernatürlichen Gegebenheiten in Twin Peaks ans Licht kommen. So scheint es, dass Bob, Mike, der Zwerg (auch bekannt als „Man from another Place“) und der Riese aus der Schwarzen, bzw. Weißen Hütte stammen, einem Ort des absoluten Bösen bzw. Grundguten aus den Legenden der Schwarzfußindianer. Earle konnte eine Legende ausgraben nach der jener, dem es gelingt, die Black Lodge zu betreten, mit unvorstellbarer Macht gesegnet wird. Diese macht strebt er nun an und wartet auf eine bestimmte Sternenkonstellation, die ihm den Zugang zur Hütte (ein einfacher roter Vorhang in einer Talgrube im Ghostwood*G*) gewähren soll.

In Twin Peaks hat sich Cooper inzwischen in die Schwester von Norma Jennings, die junge Annie Blackburn, eine ehemalige Nonne, die ein ähnlich grundoptimistisches Weltbild hat wie er, verliebt (Darsteller Kyle MacLachlan sprach sich vehement gegen eine Beziehung seiner Figur mit der kaum volljährigen Audrey Horne aus, was vermutlich aber eher auf Eifersüchteleien seiner damaligen Partnerin, der Donna-Darstellerin Lara Flynn Boyle zurückzuführen ist, die die Verführungskünste der sehr attraktiven Sherilyn Fenn fürchtete. Annie indes ist sogar noch jünger als Audrey). Diese Sache kommt Earle zu Ohren und er verschleppt sie am signifikanten Tag in die Black Lodge, um Cooper dazu zu bringen, ihm zu folgen.

BOB…
Die Serie endet mit Cooper, dem es nach Tagen gelingt, die Schwarze Hütte wieder zu verlassen. Jedoch scheint es sich nicht um den wahren Cooper zu handeln, denn der ist laut entsprechender Darstellung im Prequel „Fire Walk with me“, das nach der Serie entstandt, einige Fragen klären sollte und am Ende nur mehr Fragen aufwirft, noch immer in der Hütte gefangen. Die letzte Szene, bevor die Serie schließlich so abrupt abgesetzt wurde, ist in dieser Hinsicht auch sehr aufschussreich. Es war wohl ein Storybogen geplant, nach dem Coop von den Bookhouse Boys aus der Hütte gerettet werden sollte; entsprechende Hinweise sind in den vorhergehenden Episoden subtil eingearbeitet worden. Auch einem Interview mit Lynch und Frost wurde dieser Plan bestätigt. Leider hat das mangelnde Zuschauerinteresse nach der Aufklärung des Mordes und der Verhaftung des Täters eine weitere Fortführung der Serie damals unmöglich gemacht, wenngleich sie heute inzwischen wohlverdienten Kultstatus genießt. Man vermutet, dass die Mehrheit der Zuschauer den Wirrungen und Merkwürdigkeiten der Show einfach nicht mehr folgen mochten. Eindeutig ihr Verlust.


…und MIKE

Twin Peaks ist zum einen eine der ersten Mystery-Serien, die die Welt gesehen hat. Wenn es um die Beziehungen der Teenager geht, erinnert sich manchmal an eine Soap, wobei diese Momente durch die Einbindung in den Zusammenhang mit dem Mord und den Mysterien um die Kleinstadt und die Skurrilität vieler Charaktere keine pberdramatisierende Soap-Schwere bekommen, sondern eher Identifikation mit dem Ensamble und den Sympathielevel der Charaktere verstärken. Die Serie wimmelt von spannenden Figuren wie den Hedonisten Ben Horne und seinen Bruder Jerry, den so gestreng und konservativ wirkenden Major Briggs, der jedoch im Gespräch mit seinem schwierigen Sohn in der Regel wie ein sehr sensibles Lehrbuch der Pädagogik klingt. Die vielschichtigte Josie Packard, die so ziemlich jeder anderen Figur in der Stadt eine andere Rolle vorspielt (Ben Horne mag der einzige sein, der sie wirklich kennt und Catherine Martell, die die junge Frau ihres bei einem Segel“unfall“ verstorbenen Bruders wie die Pest hasst, mag ahnen, dass mehr hinter ihr steckt), deren Schicksal rätselhaft bleibt und über deren Verlust der arme Harry Truman zum ersten und einzigen Mal in der Serie wirklich und nachhaltig die Fassung verliert. Dann gibt es Margret, die Log-Lady, dieständig einen Holzscheit mit sich herumträgt, der angeblich mit ihr redet und „in jener Nacht etwas GESEHEN“ haben soll, die etwas umnachtete Sheriffsekretärin Lucy Moran und ihren ungeschickten Lover Deputy Andy Brennan, den schon der Gedanke an einen Mord zum Heulen bringt, den uralten, senilen und riesigen Zimmererkellner, der als Wirt für den Riesen dient und dem angeschossen am Boden liegenden Cooper auffordert, seine Milch zu trinken bevor sie kalt wird. Einen populären Gastauftritt hat David Duchovny während seiner ersten Verkörperung eines FBI-Agenten vor Akte X in der Rolle als Agent Dennis/Denise Bryson, eines Freundes und Kollegen von Cooper und gelgentlichen Transvestiten, der die Drogenvorwürfe gegen Coop untersuchen soll.

Und schließlich ist da natürlich Cooper selbst, die vielleicht nobelste Figur, die jemals in einer populären Fernsehserie herumgelaufen ist und die gerade durch diese seltsame Erhabenheit für wesentlich mehr wirklich komische Momente sorgt als manche Sitcom sie zu bieten hat. Daneben ist er grundsympathisch, loyal, etwas spießig, höflich, reserviert, ein Vorzeigeheld und vermutlich der perfekte FBI-Agent. Umso tragischer das unfreiwillige Finale der Show.

Twin Peaks gehört definitiv zu jenen Serien, die unrechtmäßigerweise von den Fernsehkonsumenten unterschätzt bzw. viel zu wenig GEschätzt wurden und deren Verlust im Grunde die gerechte Strafe für diesen Fauxpas wäre, gäbe es nicht die solide und später schnell angewachsene Zahl Fans, die das Potenzial der Show schon immer gerochen haben.

Agent Cooper und „Diane“

]
The Man from another Place and… David Lynch!

Hayward, Hawk, Harry, H…Hauptfigur?

Geschrieben von listior

09/18/2008 um 17:27

Veröffentlicht in The Big Screen

Bad Relik(t)ion?

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Heute steht eine Premiere an, denn zum ersten mal will ich etwas wagen, das ich bisher in diesem Blog noch nie gewagt habe… Nein, ich werde wohl eher keinen warmherzigen Optimismus versprühen, auch werde ich nicht auf mein gewohntes Missionieren verzichten – ganz im Gegenteil! Auch werde ich nicht urplötzlich meiner Sehnsucht nach der definitiven Liebe für’s Leben entsagen und mich mit verdienter Einsamkeit abfinden. Nein, ich plane etwas, das ich wirklich noch nie gemacht habe: Ich werde Werbung machen.

Okay, zugegeben, so eine Filmrezension, die Schwärmerei über ein Spiel und all diese Dinge haben auch einen gewissen Werbecharakter, kann ich nicht leugnen, so gerne ich würde. Aber diesmal will ich Werbung für mich machen. Wo in der Welt kann einer wie ich jemals mehr potentielle Abnehmer erreichen als in seinem liebenswerten kleinen Blog zur Nacht (oder besonders finsteren Tagen)? Allerdings ist es durchaus nicht meine eigene Person, für die ich mir einen Abnehmer wünsche. Wenn wäre das eine Abnehmerin und körperlich etwas abnehmen sollte ich selbst auch mal wieder. Nein, lieber Leser, ich möchte, dass Du mir eine Idee abnimmst, ein Ideal, einen Traum, eine Vision, eine Geschichte…

Wie vermutlich jeder, der mein Pamphlet hier regelmäßig verfolgt, mitbekommen hat, war ich vor einer Weile mal sehr glücklich in einer Beziehung. Ich war so ziemlich das Paradebeispiel eines hoffnungslos verliebten, klammernden Vollidioten, dessen Sinn und Geist nur um seine SIE kreiste, sie stets und immer um sich haben wollte, der ständig darüber nachdachte, wie er IHR nahe sein konnte, IHR alles rechtmachen konnte (und dadurch natürlich umso fürchterlicher versagte ) und dessen Herz bei dem Gedanken daran, dass sie ihn eines Tages verlassen könnte, weil sie erkannte, was für ein unwürdiges Windei er eigentlich war, zu einer Rosine verschrumpelte. Meine verehrte Ex hatte über die Monate unseres Zusammenseins Gefallen an einem Browser-Onlinerollenspiel namens World of Dungeons gefunden. Beide auf unsere Weise große Fantasyfans und natürlich Rollenspielenthusiasten gab es daran nichts auszusetzen. Allerdings störte mich nach einer Weile, dass sie selbst bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen wir aufgrund unserer Fernbeziehung mal zusammensein konnten, mit extremer Vorliebe und Begeisterung vor dem PC hockte und das Spiel spielte anstatt bei mir auf dem Sofa zu hocken und mit mir zu spielen.

Ich entwickelte eine gewisse Eifersucht auf das Spiel und wurde vermutlich zusehends genervter, wenn sie sich damit befasste. Irgendwann entschied ich dann, dass es wohl das Vernünftigste wäre, mit den Wölfen zu heulen anstatt gegen sie und dabei möglichst noch lauter zu sein. Also registrierte ich mich ebenfalls für das Spiel und wir gründeten eine eigene Gruppe, die wir aus Freunden und Bekannten und wiederum deren Freunden und Bekannten mühsam zusammenklaubten (momentan noch Mitglieder: maworm, Johnny Knoxville – herzlichen Dank Euch beiden für Euer Durchhaltevermögen! – ein guter Schulfreund von mir, Aeris Strife und offiziell mein sechzehnjäriger Neffe, obwohl Aeris und ich uns den Charakter unerlaubterweise teilten. Insgesamt waren wir einmal zu zwölft…na ja lange her).

Zusätzlich diente mich ihrer RPG-Gruppe als Quacksalber an und wurde von denen freundlicherweise so lange mit durchgezogen, bis meine Figur halbwegs konkurrenzfähig war. Da ich im Regelfall keine halben Sachen zu machen pflege, bestellte ich mir umgehend einen Premium-Account für das Spiel, der mir einerseits erlaubte, zwei Figuren gleichzeitig am Start zu haben und mir andererseits auch Zugang zu den Prestigeklassen gewährte, die auf Welt/Server Exturion damals recht gesucht waren. Meine zweite Figur, die Quacksalberin, eine Heilerin also, war so eine Prestigefigur und ein unabkömmliches Gruppenmitglied für die höheren Level und deshalb leicht in der besagten Gruppe unterzubringen. Irgendwann löste sich dann die Zweitgruppe in ihre Bestandteile auf.Wir hatten inzwischen aus Experimentierfreude jeweils genug Helden, um drei Gruppen zu versorgen und die exotischsten von ihnen wurden in eine Gruppe namens „Die Abstellgleispassagiere“ verfrachtet. Diese Figuren waren wie gesagt Klassenexoten und allesamt Prems: Ein Priester namens Wolcar, eine Bardin namens Sheila, eine Gelehrte namens Lulu und eine Paladin namens Dinera. Diese Vier bildeten den Grundstock der Abstellgleispassagiere und wir waren gewzungen, alle paar Stunden von einem PC aus die zwei aktiven Charaktere jeweils umzustellen, um unsere jeweiligen Gruppen nicht im Stich zu lassen. Das war ein endloser Schlauch, anders kann man es nicht sagen. Dazu kam, dass unsere Neumitglieder bei den Abstellgleispassagieren sich sehr dem Worte eines Ritters hinneigten, den ich in den Foren dort als Mitstreiter aufgetrieben hatte. Der spielte sich mehr und mehr als Oberboss und Tonangeber auf und das passte uns beiden nicht, zumal die Passagiere nur als eine Twink-Gruppe zum Goldsammeln ausersehen waren und, um mit den Gruppenmitgliedern ein bisschen Kontaktpflege und RPG zu betreiben und an den ungewöhnlichen Figuren Spaß zu haben. Diese Gruppe war meine große Vision gewesen, wie man aus einer RPG-Truppe in einem Browserspiel einen Haufen Geschichtenerzähler macht, die nur nebenbei in den offiziellen Dungeons kämpften und ansonsten vor allem eine lustige, spannende, interessante Geschichte erzählen sollten. Aber wir verwandelten uns mehr und mehr in nichts als eine weitere Kampfgruppe.

Irgendwann riss mir der Geduldsfaden und ich nahm meine Figuren und wanderte aus aus meiner eigenen Gruppe, um dem Ritteridioten die Führung zu überlassen. Sie hielt dann noch ein Weilchen, ging letztendlich dann aber doch vor die Hunde. Aeris folgte mir sehr bald und wir mussten irgendwas mit unseren Figuren anstellen, denn löschen mochten wir sie auch nicht. Ich war noch immer ziemlich enttäuscht und verlieh dieser Enttäuschung durch die Erstellung einer weiteren Spielgruppe Ausdruck, die ich ganz dramatisch

„Reliquien einer Vision“

benannte, denn sie waren Überbleibsel einer wie ich fand schönen Idee. Nach und nach wurden auch unsere sonstigen Resthelden den Reliquien angegliedert und wir fingen an, Geschichten über sie zu schreiben und ins öffentliche Forum zu setzen. Ich stellte fest, dass es mir ungeheuren Spaß bereitete, diese Storys zu erfinden und auf diesem Wege zu veröffentlichen und auch Aeris schien ihren Spaß daran zu haben, weswegen wir ein weiteres Mal Ausschau nach neuen Mitgliedern hielten, für die dann einige unserer eigenen Helden den Platz räumen mussten.

Es gab immer wieder Interessenten und Mitwirkende aber viele Schreiber verschwanden wieder, bevor sie auch nur einen Absatz angefertigt hatten. Die Erschaffung so einer Welt ist ein immenser Haufen Arbeit und ich fürchte, meine komplexen Vorgaben haben den einen oder die andere doch ein wenig abgeschreckt. Manchmal machte den Schreibern auch nur das Real Life zu schaffen. Langsam gewannen wir jedoch auch Leser und die waren fast durchweg von dem begeistert, was wir dort auf die Beine stellten in dieser kurzen Zeit, von seiner Tiefe, Spannung und Komplexität. Eine Weile erhielten wir viel Lob. Allerdings schreckte der Umfang der Geschichte eine Menge Leser ab, die sich zwar gern näher mit der Sache beschäftigt hätten aber nicht stundenlang auf den PC starren wollten bzw. mit ständiger Internetverbindung lesen wollten. Ein paar Fans wie Jaina oder XChaos folgten den Stories aber trotzdem gerne und regelmäßig und hatten immer etwas zu dem zu sagen, was ihnen geboten wurde, was mich, bzw. uns freilich zum Weitermachen motivierte. Trotzdem gingen uns die Schreiber aus.

Nach dem Weggang der Spieler Bücherwurm, Luna und thorbus gab es nur noch Aeris, ArgRIB, Esturiana, Warlord und mich. Warlord hatte insgesamt nur einen Beitrag beigesteuert und verließ den Server Exturion schließlich ebenfalls. Thorbus war recht fleißig gewesen und hatte uns sogar eine eigene Webpräsenz geschaffen, http://www.sprachflut.de. Letztendlich wollte er die Reliquien als Starthilfe für seine eigene Story nutzen, für die er uns durch allerlei Schmeichelei zu gewinnen suchte, bis wir letztendlich einverstanden waren. Letztendlich sollten die Reliquien dort aber nur eine untergeordnete Position unter seiner eigenen Geschichte einnehmen und die Administration des Reliquienbereiches sollte hauptsächlich ich übernehmen. Ich war nicht undankbar, als die Seite schließlich einem Hack erlag, auch, wenn das eigene Forum aufgrund der sinkenden Spielerpopulation der Welt Exturion und durch Wegfall einiger Leser nach meinem emotionalen Zusammenbruch im Herbst 2006 eine wirklich tolle Idee gewesen war. Letztendlich wandte sich auch Estu, die thorbus privat kennengelernt hatte, wieder von unserem einstigen Mitstreiter ab, als dieser aufgrund der unerwarteten Rückkehr seiner zudem noch schwangeren Frau keine Zeit mehr für uns erübrigen wollte.

Deshalb nahm ich erneut das Projekt in Angriff, die Reliquien ins SB zu bringen. Thorbus hatte dagegen stets vehement protestiert, weil er die Story exklusiv für seine Seite haben wollte und große Vermarktungspläne für sie hatte. Als er nicht mehr Mitglied der Gruppe war, schwand mit ihm auch der Widerstand und nach Rücksprache mit White Avenger machte ich mich an den Export der Geschichte in der Hoffnung, dass unter den Fantasy- und RPG-begeisterten Usern des Spielerboards eine Menge interessierter Neuleser und auch neuer Mitschreiber gefunden werden konnte, die in der Lage wären, sich mit meiner herrischen Geschichtentyrannei zu arrangieren. Leider blieben die Reaktionen weitgehend aus. Es gab ein paar Interessenten, die den Feedbackthread immer wieder mit kritischen und spannenden Beiträgen füllten aber das Masseninteresse wollte sich nicht einstellen. Auch hier war wohl wieder die Textmenge ein großes Problem. Zwischenzeitlich hatte ich die Geschichte in regelmäßig aktualisierter PDF-Form zum Download bereitgestellt doch ca. 260 Seiten drucken sich auch nur die geduldigsten Fans nach und nach aus.

Ein weiteres Problem war die Nachlieferung von neuem Lesestoff. Inzwischen schrieben überwiegend ArgRIB und ich und ArgRIBs Geschichte und meine schienen mir immer schlechter zusammenzupassen. Außerdem ging mein Grundlehrgang in den Abschlusslehrgang über und ich musste mich wohl oder übel mehr auf diesen konzentrieren und das Büro war leider auch noch immer da, weswegen ich letztendlich, vor allem auch demotiviert durch ausbleibende Kommentare und Leser, die Reliquien einschlafen ließ. ArgRIB veröffentlichte noch einen letzten Abschnitt und verfiel dann ebenso in Schweigen wie Estu und ich. Aeris hatte zwar meist artig mitgelesen aber auch selten Zeit gefunden, etwas Neues zu schreiben. Vielleicht war allen auch das Korsett der seit einer Weile weitgehend durch mich dominierten Geschichte das Interesse verlorengegangen, selbst noch ausführlich mitzuwirken. Jedenfalls fielen die Reliquien erneut in ein Loch und mir tut der Anblick nach wie vor unendlich weh, wenn ich an die wilden Ideen denke, die wir hatten, die teilweise herausragenden Erzählungen, die wir schufen und die grundsätzlich spannende und einnehmende mehrschichtige Story als solche, die nun schon seit über einem Jahr faktisch brachliegt.

Durch eine positive Renommeebewertung (von Katzu, wie ich inzwischen weiß), wurde ich kürzlich erneut auf unser halbfertiges Marathonwerk aufmerksam und ich stellte entrüstet fest, wie sehr mir diese genialen Zeiten doch fehlen, wie viel Spaß mir das Schreiben und natürlich vor allem die positive Resonanz gemacht haben und wie gerne ich grundsätzlich die Geschichte zum Abschluss bringen würde. Die Frage ist nur, für WEN ich das tun sollte; ArgRIB wäre sicherlich interessiert, Estu habe ich seit Monaten nicht gesprochen und auch bei Aeris bin ich mir ziemlich sicher, dass sie keinen weiteren Blick auf die Reliquien mehr werfen wird. Nun habe ich kein Problem damit, ein Blog zu schreiben, das vornehmlich meinem eigenen Wohlgefühl dient. Aber eine komplexe, epische SF/Fantasy/Netzkulturstory nur für mich alleine zu schreiben finde ich eher sinnlos. Ich habe längst meine Vorstellungen gehabt, wie es weitergehen und enden wird; mir selbst brauche ich die Geschichte nicht erzählen. Vielleicht erwachen die anderen wieder aus ihrem Tiefschlaf, wenn es etwas Neues zu lesen und zu ergänzen gibt.

Doch die Tage von Exturion sind gezählt und die alten Spieler, die sich damals für uns interessiert haben, sind entweder längst zu anderen Servern abgewandert oder haben WoD aufgegeben für etwas anderes. Sprachflut, so unwohl ich mich dort fühlte, wird ebenfalls nicht wieder aus dem Grabe gerissen werden. Meine einzige Hoffnung, jemals wieder Anklang für unsere Geschichte zu finden, beschränkt sich also auf die bequemen Grenzen des Spielerboards. Vor einem Jahr bin ich mit diesem Ansinnen bereits gescheitert, wie manche es mir brühwarm prophezeit haben. Aber angeregt durch Katzus Lob und Squall Shur’tugs Interesse ergreife ich den Strohhalm auf ein Neues und missbrauche unverschämterweise hier und heute nun mein armes, altes Blog, das solche Unverfrorenheiten wirklich noch nie erdulden musste und weise Euch, liebe Leser, und jeden weiteren Menschen den Ihr kennt und der sich mit einer komplexen Geschichte auseinandersetzen mag, die Euch die Autoren im Grunde nur zu gerne schmackhaft und anschaulich servieren mag, einmal hoffnungsvoll darauf hin, dass sich in der Schreiberlounge des Spielerboards nach wie vor eine vollständige und nun auch wieder aktuelle Version plus Prolog der hervorragenden „Reliquien einer Vision“ befindet, die nach Eurer Aufmerksamkeit fast so sehr lechzt wie ihre Autoren es tun! Wenn Ihr Zeit und Lust entbehren könnt, werft einen wohlwollenden Blick auf das Werk und vielleicht werdet Ihr es mögen, weiterlesen und damit der Story selbst wie der Arbeit ihrer Autoren wieder einen Sinn verleihen, wie auch den nötigen Antrieb, mit dieser Arbeit weiterzumachen.

Abschließend möchte ich mich bei den Lesern dieses Blogs entschuldigen, die sich durch diesen dreisten Aufruf und die vorhergehende Selbstbeweihräucherung angeekelt fühlen. Es ist einfach nur so, dass diese Story mir als eine der bisher besten Zeiten und wohl auch Leistungen meines Lebens sehr am Herzen liegt und es doch nur recht und billig ist, sich im eigenen Blog zu so was zu äußern.

Story
Schrein der Helden
Diskussionsthema

Email: Reliquien@aol.com

PDF bei Megaupload.com

Kritiken aus dem Feedbackthread:





Forumscreenshot. War schon ‘ne lustige Zeit*sigh*

Geschrieben von listior

08/14/2008 um 04:54

At last…my arm is complete again!

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Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street

Der Lichtblick meines ansonsten ernüchternden Wochenendes war finster, makaber und blutig aber auch melodisch, elegant und schwarzhumorig: Dieser Film. Meinen Respekt hat sich Johnny Depp schon vor einigen Jahren erkämpfen können; vorher hielt ich ihn für den üblichen Teenie-Star, auf den vor allem meine kleine Schwester in „Cry Baby“ total abfuhr. Aber ich durfte über die Jahre immer wieder beobachten, zu was für einem Ausnahmeschauspieler der gute Mann sich entwickelte und außerdem kann niemand ein uninteressanter Typ sein, der mit Hunter S. Thompson befreundet war. Ich weiß nicht, ob letztendlich vielleicht Ed Wood gewesen ist, der mich vollends für den Manne eingenommen hat aber irgendwann wechselte er in meinem Kopf die Schublade und landete bei den wirklich bemerkenswerten Akteuren. Helena Bonham Carter war mir anfangs vor allem als Shakespeare-Aktrisse ein Begriff. Selten habe ich eine beklagenswertere Ophelia gesehen als in Mel Gibsons außerordentlichem Hamlet von 1990 (Kate Winslet macht sich allerdings auch unheimlich gut in Branaghs 1996er Drei-Stunden-Version; kann man sehr empfehlen, so man denn so viel Zeit in einen Klassiker investieren möchte). Tim Burton schließlich hat es schon immer verstanden, bei mir einen Nerv zu treffen und wenn ich von Edward Scissorhands wegen seiner damaligen Omnipräsenz und aufgrund des ja durchaus nicht unverdienten Hypes eher ziemlich GEnervt war, blieb ich dem seltsamen Herrn jedoch weitgehend treu, wenngleich ich nach wie vor finde, dass eine Neuverfilmung von Planet der Affen trotz des grässlichen Charlton Heston nicht hätte sein müssen.

Die letzte Zusammenarbeit dieser drei meiner Helden in The Corpse Bride hatte mir zwar nicht ganz so gut gefallen wie seinerzeit Nightmare before Christmas (den ich noch immer absolut genial finde; The Corpse Bride ist natürlich trotzdem ein toller Film) aber Ed Wood und Big Fish zählen lange genug zu meinen Lieblingsfilmen um da ein großes Potential zu vermuten und als ich hörte, dass diese drei die alte Story von Sweeney Todd, bzw. das seinerzeit umstrittene, eindrucksvolle und sehr unorthodoxe Musical zum Thema von Stephen Sondheim verfilmen sollten, war ich schon im Voraus hoffnungslos begeistert. Leider gelang es mir jedoch wie so oft nicht, den Film im Kino zu genießen und so brannte ich auf die DVD, deren Special Edition ich mir umgehend reservierte. Als sie nun endlich ankam warf ich sie in meiner Mittagspause sofort für ein paar Minuten ein und wurde, im Gegensatz zu einer Menge anderer Burton-Fans, nicht enttäuscht.

Der Film ist ein hervorragendes Zusammenspiel von Schauspielkunst, Musik und Kulisse. Tatsächlich ist es indes gerade die Musik, die bei den Rezensenten harsch in der Kritik steht.
Dabei wird oft vergessen, dass Burtons Auftrag gerade lautete, das Musical zu verfilmen und man angesichts dessen nicht wirklich erwarten kann, dass plötzlich die Genies Danny Elfmann oder Randy Newman den Dirigentenstab halten. Sondheims durchaus sehr beliebtes und unterhaltsames Score ist auch nicht im Mindesten schlecht oder unangemessen. Die Musik und die großartig getexteten Songs ironisieren das Geschehen auf der Bühne wirkungsvoll, so, dass man sich nicht fühlt als verfolge man einen blutrünstige Rachefeldzug, sondern ist mit einer skurrilen Geschichte konfrontiert, die viel Tragik und Gewalt aufzubieten hat aber letztendlich wunderbar menschlich bleibt und sich ein Augenzwinkern erlaubt. Burtons Szenen unterstützen diesen Eindruck sehr wirkungsvoll. Ich denke da besonders an meine trotz ihrer abscheulichen Blutigkeit definitiven Lieblingssequenz nach der Verschleppung von Töchterchen Johanna, als Todd und Lovett ihre schicksalsträchtige Vereinbarung in die Tat umsetzen und er am laufenden Bande seinen Kunden die Kehle durchschneidet und sie über den grotesken Barbierstuhl in den Fleischkeller seiner Nachbarin verfrachtet, die die bedauernswerten Herren dann in den Fleischwolf steckt, um Pasteten aus ihnen zu machen. Todd singt einen der wie ich finde schönsten Songs des Musicals (und Johnny Depp schafft es, dass es einem dabei kalt den Rücken herunterläuft), die Reprise zu Johanna (Lyrics), der „jugendliche Held“ Anthony irrt auf der Suche nach dem Mädchen, mit dem von seiner verlorenen Tochter schwärmenden Mörder im Wechsel singend, durch das pechschwarze London und während dieser Zeit schlachtet Todd blutgewaltig einen Kunden nach dem anderen und verfrachtet sie fließbandartig in den Keller. Trotz seiner Scheußlichkeit wohnt dieser Sequenz ein derartig intensiver schwarzer Humor inne, wie auch eine Leidenschaft, ein Sichverzehren des eiskalten Killers nach seinem verschollenen alten Leben, dass vor allem Traurigkeit und Mitleid aufkeimen und mit jeder Zeile weniger Abscheu über das, was dieser Mann da eigentlich tut. Die blutigen Morde verfehlten trotz der melancholisch-ironischen Aufweichung durch die Songs ihre Wirkung allerdings durchaus nicht; ich weiß, dass ich mich in den nächsten Monaten bei keinem Friseur werde rasieren lassen können.

Worauf ich hinauswill: die Musik stört die Atmosphäre keinesfalls, sondern bringt noch am ehesten den augenzwinkernden Burton-Faktor in den Film ein, den so viele Fans bei Sweeney Todd vermissen. Ist man zu Beginn über den London besingenden Anthony insofern noch ein wenig unschlüssig geht einem spätestens die Ironie der ganzen Sache auf, wenn Todd in den Song mit einstimmt und ihn in eine Haßtirade verwandelt. Das Grau in Grau und die allgegenwärtige Schwärze als Untermalung zu Anthonys Schwärmerei hätten einen freilich schon mit der Nase darauf stoßen können… das würde jedoch voraussetzen, dass dem Betrachter bei dem Wort Musical nicht ohnehin schon Hörner wachsen. Leider ist das jedoch recht häufig der Fall und wenn man sich den einen oder anderen Musicalfailm anschaut, wird diese Einstellung durchaus verständlich. Sweeney Todd allerdings verdient ein genaueres Hinsehen, ein genaueres Hinhören.

Die wirklich herrliche Besetzung des Films gibt in jeder Beziehung ihr bestes. Meinte man vielleicht vor einigen Monaten noch, Jack Sparrow sei die Rolle, mit der Johnny Depp in der Filmgeschichte verhaftet bleibt, so ist ihm Sweeney Todd schlichtweg auf den Leib geschrieben. Selbstverständlich hat Tim Burton großen Anteil daran, der Depp inzwischen wohl als Standardbesetzung für jede Figur, die er sich ausdenkt, im Hinterkopf hat. Und wer würde es ihm verübeln? Johnny Depp füllt jede Rolle, die man ihm gibt, perfekt aus. Ist den entsprechenden Figuren dann noch eine gewisse Skurrilität, eine Fremdartigkeit eigen, so wird man dafür keinen besseren Schauspieler finden können. Obwohl kein ausgebildeter Sänger, vermag er bei seinen Songs ungemein zu beeindrucken. Was ihm an Technik fehlen mag, macht er durch überwältigende Schauspielerei wieder wett und etwas anderes ist von diesem Mann auch nicht zu erwarten. Stimme wie Auftreten haben etwas Dämonisches. Ein Attribut, das im Original wesentlich besser in den Untertitel passt als das deutsche “teuflisch”. Hier agiert ein bedauernswerter Mann, den die Ungerechtigkeit des Lebens und der menschlichen Gesellschaft in einen Dämon verwandelt haben und Johnny Depp stellt diesen Dämon auf eine Weise dar, die fast schon beunruhigend glaubwürdig ist. Der finstere, manische Song My Friends (Lyrics) markiert einen Höhepunkt in dieser Darstellung.


At last…my arm is complete again!

Man könnte erst gewissen Anstoß an Helena Bonham-Carters dünnem Stimmchen nehmen doch das sollte man nicht, denn tief in ihrem Inneren ist Mrs. Nellie Lovett eine durchaus naive, verletzliche und Süßlichkeit verspritzende Frau, deren Lebensumstände ihr eine Rolle aufgezwungen haben, die ihrem Naturell widerspricht, die sie aber über die Jahre gelernt hat, kompetent auszufüllen. Einerseits haben Not und Verzweifelung sie moralisch derart abgestumpft, dass sie bedenkenlos Menschenfleisch für ihre Pasteten verarbeiten kann. Andererseits ist sie selbst aber noch Mensch genug um sich letztendlich nichts mehr zu wünschen als ein friedliches gemeinsames Leben mit Mister T. und ihrem Ersatzkind Toby und davon auf kindlich-naive Weise zu schwärmen versteht. Licht und Dunkel vereinigen sich in ihr und die beste Art und Weise, diese Vereinigung äußerlich zu machen, ist, Helena Bonham-Carter zu engagieren. Auch sie ist keine ausgebildete Sängerin doch ist es gerade diese unausgebildete Stimme gepaart mit ihren herausragenden darstellerischen Qualitäten, die sie zur letztendlich glaubwürdigsten Person dieses Dramas machen.

Alan Rickman freilich brilliert einmal mehr als unerbittlicher Schurke mit verletzlicher Seele. Die Gerichtsverhandlung über den bedauernswerten rothaarigen Jungen wirkte gnadenlos genug ohne, dass man den Angeklagten sah, doch Turpins Sprüche gemünzt auf diesen sich am Podest festhaltenden, wimmernden kleinen Jungen fügen dem Abscheu noch einige Lot hinzu. Seine Bösartigkeit erhält Risse, wenn Richter Turpin zusammen mit Todd den Pretty Women (Lyrics) der Welt ihr kleines Liebeslied trällert. Auch Rickman freilich ist kein Sänger, doch schafft er es, dem Liebeslied so eine nachhaltig sympathische Schwärmerei zu verleihen, dass er zwischenzeitlich für einen winzigen Moment zwar wie ein alternder Lüstling, aber durchaus nicht unliebenswürdig wirkt. Selbstverständlich schlägt dieses Gefühl sofort wieder um, als Anthony in den Barbershop stürzt, Todd die Tour vermasselt und der Richter hoch erbost vom Stuhle aufspringt und erklärt, er würde Todds Salon nie wieder betreten.


Judge Turpin: “My ward. And pretty as a rosebud.” – Sweeney Todd: “Pretty as her mother.” – Judge Turpin: “Hm? What was that?”

Besser hätte man die Verfilmung des 29jährigen Musicals von Sondheim kaum besetzen können. Man darf dabei schlichtweg nicht aus den Augen verlieren, dass nicht die Gesangsqualität (die allerdings trotzdem erstaunlich hoch ist), sondern die filmische Darstellung des Geschehens, der Atmosphäre und des Wahnsinns hinter der alten urbanen Legende des Barbiers aus der Fleet Street hier im Vordergrund steht. Auch die Kulisse des finsteren Londons des Benjamin Barker ist nichts anderes als überzeugend. Es existieren in diesem Film nur zwei Farben jenseits von schwarz und weiß und das sind das allgegenwärtige Rot des Blutes und das traumhaft schimmernde “Yellow” des Haars zweier wunderschöner Frauen, die für den Protagonisten und Antihelden verloren scheinen. Umso mehr überraschen die wenigen Farbsequenzen mit Johanna in ihrem goldenen Käfig und selbstverständlich Nellie Lovetts Zukunftsvision mit dem stets unbewegten Sweeney Todd darin, der teilweise wirkt, als habe man ihn einfach auf magischem Wege in ein neues Kostüm gezaubert, ohne, dass es zu irgendeiner körperlichen Regung gekommen wäre.

Bemerkenswert an dem oft kritisierten Ende (von einem Tim Burton wäre womöglich zu erwarten gewesen, dass Todd und Lovett davonkommen mit ihren Verbrechen)scheint mir die schließlich eingetretene Wandlung des jungen Toby. Im Verlaufe des Films scheint er Todd ähnlicher und ähnlicher zu werden, obwohl er sich eigentlich vor ihm fürchtet und ihm mißtraut. Der nette kleine Junge ist er nur noch für Mrs.Lovett. Nachdem diese ihn enttäuscht hat, bzw. ihm genommen wurde, ergreift er das Messer, welches Todd zur Ruhe betten wollte, und lässt es weiter Rubine sprudeln. Toby hätte es nach seiner eigenen Rache fallenlassen können; vielleicht hat er es getan. Doch der Film enthüllt nicht, was aus den Überlebenden wird, denn es handelt sich schließlich um “The Tale of Sweeney Todd”. Der so entstehende Eindruck, dass die Legende weiterlebt (wie sie ja auch in der Realität niemals als Hirngespienst entlarvt wurde), wird sicherlich nicht zufällig erweckt.


The Demon Barber and his Director

Sweeney Todd ist kein typischer Burton, was nicht verwundern kann, wenn man das enge Korsett des Musicals bedenkt. Aber nichtsdestotrotz ist er ein wirklich guter Burton, der dank der außerordentlich stimmigen Kombination seiner verschiedenen Komponenten das Zeug zu einem wahren Kultfilm hat. Ich halte seinen Humor für einnehmend, seine Bildgewalt für ungemein beeindruckend und originell (okay, die Eingansszene mit dem Schiff erinnert an Nosferatu bzw. Dracula aber ich denke, man sollte sie als Hommage betrachten), die Gesangsdarbietungen für zumindest bemerkenswert wenn nicht gar herausragend und die Schauspielkunst für grandios, auch oder vielleicht sogar gerade, weil den Darstellern eine gewisse Hemmnis ob der ungewohnten Gesangsanforderungen anzumerken ist. Hier tut die Musik genau das, was sie eigentlich im Film bewirken sollte, nämlich eine Verstärkung des Ausdrucks herbeizuführen. Außerdem bringt sie die notwendige Ironie ins Spiel, um die teilweise sehr splattermäßgen Szenen ertragen zu können. Man könnte freilich die eher dünne Story einwenden, die Motive der handelnden Personen erfragen und außerdem darauf hinweisen, dass ein Musical eigentlich wenigstens eine Szene beinhalten sollte, die die glücklichen Liebenden zeigt aber hier ist Burton zum Glück wieder ganz Burton und lässt die Erzählung mit ihrem Protagonisten enden, um das weitere Geschehen der Vorstellungskraft, bzw. den Vorlieben des Publikums zu überlassen.

Viel näher kommen diese zwei sich nicht

Hätte man die Verfilmung dieses Musicals besser hinbekommen können? Ich wage zu behaupten: Nein. In meinen Augen ein Meisterwerk und auf jeden Fall sehenswert, auch für Nicht-Burton- und Nicht-Depp-Fans und diejenigen, die mit Musicals sonst eigentlich wenig bis garnichts am Hut haben.

Geschrieben von listior

08/09/2008 um 04:17

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