Archiv für die Kategorie ‘Unrecht nach Art des Hauses’
Gregor Gysi zum Fiskalpakt
Ach, liebe Mitmenschen…könnte nicht vielleicht endlich jemand, abseits aller Animositäten, Medienkampagnen, Sympathieen und Antipathien und allen Lagerkampfes und Klassendenkens einsehen, dass der Mann RECHT hat? Oder zumindest den Gedanken erwägen? Was richten wir an, was lassen wir geschehen und was lassen wir uns gefallen? Ich weigere mich zu glauben, dass wir wirklich alle so kurzsichtig, so engstirnig, so manipulierbar und so dumm sind…
Man wirft der LINKEn immer gerne vor, sie wäre unfähig, über ihren Schatten zu springen, respektive den Schatten der DDR. Gerade just wieder im Vorfeld der obligatorischen Gauck-Wahl (wobei man meiner Meinungnach Herrn Gauck dann zweifellos das gleiche vorwerfen muss, das jedoch nur nebenbei). Die Tatsache, wem der Mund gehört, der etwas Richtiges von sich gibt, sollte jedoch unter solchen Umständen in den Hintergrund treten.
Ich kann niemandem, dem die LINKE, aus welchem Grunde auch immer, automatisch ein Dorn im Auge ist, vorwerfen, dass er erstmal die Stirn runzelt, wenn ein LINKER etwas mit Grundsatzbedeutung von sich gibt – mir geht es bei Äußerungen von FDP-Granden zugegebenermaßen ebenso. Doch selbst bei der FDP werde ich, allen Erfahrungswerten zum Trotz, die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich das Zuhören doch einmal lohnt. Und, hey, die FDP macht einem das schwer genug (das ist wohl inzwischen salonfähiger Konsens).
Ich möchte insofern die LINKEN- und autoreaktiven Kommunistenfresser bitten, ausnahmsweise dem Ratschlag ihrer eigene Medien zu folgen (grundsätzlich kann man davon aufgrund massiver Interessenverflechtung eigentlich nur abraten aber bekanntermaßen sind Glaube und/oder Bequemlichkeit im Regelfall stärker als die Vernunft), und ihrerseits einmal über ihren Schatten zu springen, sich die Rede anzuhören und zumindest einmal zu riskieren, über das Gesagte nachzudenken – wie es das Plenum um Minute 16 anscheinend ebenfalls tut.
Für diejenigen, die es lieber schriftlich mögen und sich nicht scheuen, die Seite des Bösen zu besuchen, hier ein Link zur Plenar-Transkription der Rede – auf der*gusel,grusel*Fraktionswebseite der LINKEn.
Ergänzend mag es interessant sein, die Gedanken und Ausführungen zum Fiskalpakt anderswo als in den etablierten Medien zu studieren und sich eine etwas differenziertere Meinung zu diesem Thema zu bilden.
Zur Zeit, im Rahmen der durchaus nicht bewältigten Finanzkrise, deren Ausläufer die Welt nach wie vor erschüttern, geschehen insbesondere in Europa einige grundsätzliche Dinge, die auf falschen Annahmen, unkritisch befolgten und akzeptierten Ideologien und makroökonomisch hoffnungslos unangemessenen Vorstellungen beruhen, die uns nach und nach das Rückgrat brechen – sofern wir dies denn geschehen lassen.
The Oil CLASH
Radiohören am Morgen ist eine feine Sache. Man wird so langsam aus den seligen Tiefen des traumreichen Schlafes wieder emporgehoben (naja, in meinem Fall meist eher hinabgestoßen) in die harte, mess- und anfassbare Welt der Realität. Dazu tragen neben lustig plappernden Mo(r)deratoren, die ihre Zunge an den gesellschaftlichen Ereignissen der letzten Tage wetzen nicht zuletzt die Radionachrichten bei. Heute Morgen um 7.00 hatte ich einmal mehr dasVergnügen, diesen alltäglichen Proklamationen zu lauschen; zugegeben mit halb verschlossenen, da noch schlaftrunkenen Ohren.
„Trotz der Gespräche mit den ölproduzierenden Ländern ist der Preis pro Barrel heute erneut gestiegen“, so oder so ähnlich klang es mir da entgegen. „Ebenso richtig wie verheerend…“ dachte ich, mich wieder auf die andere Seite wälzend und die benebelten Gedanken treiben lassend. Ich hatte erst kürzlich „A Crude Awakening – The Oil Crash“ gesehen (die taz hatte fünf DVDs mit diesem Dokumentationsfilm an die ersten fünf Leser, die der Redaktion eine Email schreiben verschenkt; ich hatte natürlich die Zeitung, die bei mir erst mittags mit der Post kommt, zu spät in Händen gehalten, um noch einer der glücklichen fünf zu sein, deswegen lieh ich mir den Film kurzerhand aus) und wenn die Doku mir auch nichts Neues prophezeihte gelang es ihr doch, mein Bewusstsein für das Problem in gewissem Maße zu schärfen.
Dass uns langfristig das Öl ausgeht ist keine neue Information; faktisch ist die Sache schon seit Jahrzehnten bekannt. Auch hatte ich schon eine sehr erschreckende Vorstellung davon, wie abhängig wir von dem Zeug nun tatsächlich sind; es gibt kaum Produkte heutzutage, deren Herstellung nicht in irgendeiner Form mit der Verwendung von Öl zutun hat, ob nun als Hilfs- bzw. Betriebsstoff oder tatsächlich als Rohstoff, der die Grundlage des Endproduktes ausmacht, wie beispielsweise bei dem durchsichtigen Plastiklineal vor meinen Augen, meinem Monitor, auf den ich starre, die Tasten, in die ich hacke, der PC, der mitdas Hacken erst ermöglicht, meine Wasserflasche zu meiner Linken (und wie viele davon verbrauche ich jährlich?), der Gestank der Dichtungs- und Schmiermittel, mit dem heute Mittag Glaser und Maler mein erneut aufgebrochenes Bürofenster wiederhergestellt haben, der Plastik-Aufziehweihnachtsmann von 2004, die Tinte meiner Kugelschreiber, der Toner im Drucker, der Drucker selbst…man ist vom Öl umgeben und dabei gibt es davon immer weniger.
Davon weiß „The Oil Crash“ zu berichten. Dort ist von Hubbert’s Peak die Rede, der Theorie des amerikanischen Geophysikers M. King Hubbert (nicht zu verwechseln mit verstorbenem Secktenchef und Urscientologen, Verfasser von Zukunftsromanen und Psychiatriehasser L.Ron Hubbard) vom weltweiten Ölfördermaximum:

Während der Urheber dieser Theorie im Jahre 1956 dafür noch weithin verlacht wurde, stellte sich etwa 14 Jahre später, um 1970, ziemlich deutlich heraus, dass Hubberts Berechnungen bezüglich des Erreichens der maximalen Fördermenge für Erdöl in den USA bittere Wahrheit waren. Seitdem stromern die USA als weltgrößter Verbraucher überall auf der Welt herum auf der Suche nach mehr, Mehr, MEHR! Die texanische Ölindustrie gehört zu den wichtigtens Machern dieses Landes und wenn man zu Hause nicht mehr genug aus dem Boden saugen kann, ist die Welt ja groß genug.
Der Ölverbrauch wird nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur in diesem Jahr um 800.000 Barrel pro Tag zunehmen. Insgesamt scheint die Welt noch über bekannte Reserven von ca. 1.195 Milliarden Barrel Öl zu verfügen – seien wir glücklich, dass die Dinosaurier uns mit dem aus ihren Überresten rekrutiertem Öl so ein freundliches Füllhorn billiger Energie hinterlassen haben. Blöd nur, das diese Zahlen einerseits nicht wirklich verlässlich sind (man bedenke allein wie oft Saudi-Arabien seine Maximalfördermenge anpasst; eerstaunlicherweise fast in exakter Höhe dessen, was im vergangenen Jahr aus der Erde gepumpt worden ist) und der größte noch vorhandene Anteil von ca. 800 Milliarden Barrel im Nahen Osten verbuddelt ist. Die Dinos hätten uns wirklich einen Gefallen tun und vornehmlich in Nordamerika verenden können. Gut, da SIND viele verendet, doch an ihren Überresten hat sich eine Nation, nein, eine Welt über Jahrzehnte energetisch sattgetrunken!
Sattgetrunken ist im Grunde der falsche Begriff, den in guter Shakespeare’scher Tradition „wuchs ihr Appetit noch an dem, was sie genoss.“ Und er wächst weiter; de Bedarf nach Öl in den Schwellenländern steigt zur Zeit nachhaltig an, der Öldurst Chinas wächst und gedeiht. Gefördert werden kann (und sollte) immer weniger, was deutlicher würde, frisierte man bei der OPEC und Konsorten nicht regelmäßig die Zahlen, damit die Welt weiterhin so viel Öl verbraucht wie möglich und die Gewinnmargen weiterhin steigen. Mexico gesteht ein, einfach nicht mehr Barrel pro Tag aus der Erde pumpen zu können. Andere Staaten wie Venezuela weigern sich strikt, weil sie den hohen Marktpreis genießen. Saudi-Arabien sagt erneut zu, die Fördermenge noch erhöhen zu können. Da hast du ein echtes, endloses Füllhorn.
Seitens der USA ist das nämlich der Hauptgrund dafür, dass das Öl so teuer ist: Es werde einfach nicht genug gefördert und eine Erhöhung der Fördermenge brächte alles wieder ins Lot. Saudi-Arabien sieht indes die Spekulanten, die stark wachsende Nachfrage und nicht zuletzt die hohen Steuern in den Abnehmerländern in der Verantwortung. Auch Michael Glos reiste unter der Prämisse zum Ölgipfel, den „Spekulationssumpf trockenzulegen“. Letztendlich gibt es davon aber trotzdem nicht mehr Öl auf der Welt. Wir sind nun viele Jahre verwöhnt worden mit einer billigen und effizienten Energiequelle. Doch wie das bei fossilen Rohstoffen ganz allgemein so ist: Sie sind nur begrenzt vorhanden. Neuere Schätzungen sehen, bzw. sahen die Oil Peak im Jahre 2000
Man kann die Menge vorhandenen Öls nicht künstlich wieder erhöhen; entsprechende Ideen dürften im Bereich der Düster-SF angesiedelt sein (man erinnere sich an die verflüssigten Menschen in den Kraftwerken bei Matrix; aus der Idee könnte man scheußliche Geschichten schmieden).
Letztendlich ist ein Wegkommen vom Öl die einzige denkbare Option, wie auch die Rationalisierung dessen, was an fossilem Brennstoff noch vorhanden ist. Alternative, regenerative Energiequellen müssen gefördert, erforscht, erweitert, bezahlbar werden; es kann beispielsweise nicht angehen, dass man für einen Teil frischgewonnene Sonnenenergie erst zwei bis drei Teile fossile Energie aufwenden muss. Allgemein werden wir alles daran setzen müssen, weniger zu verbrauchen. Deutschland ist auf Platz fünf der weltweiten Ölverbraucher; wir können unseren Anteil leisten. Aber selbstverständlich muss auch besonders bei den Hauptverbrätern in Übersee so langsam ein Umdenken ansetzen und die dortige Politik sollte ihre Prioritäten wegverlagern von der Ölgewinnung hin zur Öleinsparung. Die Frage ist, inwieweit man hüben wie drüben dazu in der Lage ist. Uns wird heute allgemein höhere Mobilität abverlangt. Das Arbeitsamt erwartet, dass seine Kundschaft sich möglichst weitschweifig bewirbt; da muss sie indes erstmal hinkommen. Parallel baut die Bahn Strecken und Bahnhöfe ab und wird nicht müde, in regelmäßigen Abständen die Preise zu erhöhen. Der ÖPNV lässt allgemein an Zugkraft nach, weil viele Linien und Stationen schlicht aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden müssen. Kommunen fördern Verkäufe von Schienenstrecken, anstatt im Gegenzug den Verkehr auf diesen Schienen zu fördern, im Hinblick auf möglicherweise durch diese Aktionen geschaffene Arbeitsplätze. Notwendig und richtig, aber letztendlich nicht wirklich zukunftsträchtig und minimalistisch.

Aber der große Zusammenhang ist nur eine Seite des ganzen Übels.
Ich erinnere mich immer gerne an meine Lektüre von Stupid White Men (oder war es Downsize this?. Der liebe Michael Moore schwärmt darin von seinem Van und dass er sich bei aller Liebe niemals wieder in so eine Streichholzschachtel setzen möchte. Schön und gut und wie üblich sympathisch und populär rübergebracht aber letztendlich trotzdem dumm und inkonsequent, doch folgenreich. Er führt weiterhin, wie üblich eher mangelhaft argumentativ, aus, dass „die Welt begreifen muss, dass sie von unserer Mobilität (der der US-Amerikaner) profitiert.“ Inwiefern tun wir das? Was haben wir davon, wenn der 15jährige Jamie seine süße Jenny mit Daddys dickem Chevi zum School-Prom oder auf die Knutschanhöhe mitnehmen kann? Als Produkt wäre im Grunde nur das denkbar, was letztendlich bei der Nacht auf dem Rücksitz des Chevis hergestellt wurde, weil Jennys Eltern leider zur religiösen Rechten gehören und ihrer Tochter klargemacht haben, dass Verhütung lebensfeindlich und des Teufels ist. Selbstverständlich hat Jenny das von ihnen auch bezüglich des Sex vor der Ehe gehört…aber da ist der Alkohol, die Langweilerdrogen, die wunderschöne Nacht, dieTatsache, dass Jamie dem fiesen Bob gepflegt auf die Fresse gegeben und massiv eingesteckt hat, als der Jenny begrapschen wollte und überhaupt dieser süße boooyyyy. Jenny mag schwanger werden und das Baby in einer Babyklappe oder dem sozialen Abseits landen, weil Papa und Mama ihr sündiges Balg sicherlich nicht weiter unter ihrem gottesfürchtigen Dach hausieren lassen werden – begrüßenswert ist das durchaus nicht. Für die zwei spricht indes sicherlich, dass das Auto sich in dieser Zeit relativ wenig bewegt haben dürfte.
Ansonsten sehe ich wenig Produktivität in dieser typisch amerikanischen Mobilität, die wir alle hinnehmen, akzeptieren und salben und rühmen sollen. Mikes “Argument” zieht nicht; die Selbstüberschätzung eines Volkes ist kein Grund, es ungehindert einen Planeten auszusaugen. Ich sehe wirklich nicht, inwieweit wir von diesem anderen Wahn der Amis neben dem Waffenwahn als Welt, als Gemeinschaft profitieren würden. Es gibt keinen Grund, wieso diese Menschen nicht ebenfalls lernen müssen, mit der fossilen Energie sparsamer und sorgfältiger umzugehen. Wenn das Öl ersteinmal weltweit verbraucht ist, und die Öffentlichkeit sich streitet, wer denn nun angesichts “politischer und wirtschaftlicher Relitäten” damit anfangen kann, auch noch die Antarktis leerzupumpen (Onkel Dagobert ist damit auch schonmal auf die Schnauze gefallen, liebe Ölbarone! – LTB 142 GOLDENE TRÄUME, S.131 “Die eisigen Minen”) ist es zu spät, sich zu besinnen, denn dann pfeifen wir auf dem allerletzten Loch.
Mike läßt grüßen
Seit einer Weile bekomme ich den Newsletter von Michael Moore zugesandt. Er ist nicht der Rechercheur der Superlative aber dennoch rüttelt auf, was er sagt und es hat letztendlich Hand und Fuß. Mike gibt Denkanstöße und nebenbei unterhält er blendend. Er konfrontiert moderne Sünder mit den Auswüchsen und Ergebnissen ihrer Sünden und macht sie damit rasend, bissig, aggressiv und manchmal sogar betroffen (siehe die Episode von The Awful Truth mit dem Weihnachtschor ohne Kehlkopf).
Es hat keinen Sinn, sich über die journalistischen Qualitäten von Populisten zu zanken; wenn wir das tun wollten, dann würde Franz-Josef Wagner in regelmäßigen Abständen mit lustigen einstweiligen Verfügungen bombardiert, über die er sich in seiner Kolumne/Glosse/Klatschspalte wirksam echauffieren dürfte (während Mike Conan’o'Brien trotzdem ein Interview gibt, wenn auch durch das geöffnete Studiofenster von der Straße aus im Brüllton). Letztendlich bewegt Mikes Form der Moralisierung weltweit wesentlich mehr und richtet weder in Köpfen noch Seelen vermutlich weniger Schaden an als die selbstgerechten Traktate des FJW. Außerdem hat man Mike schon allein deswegen viele Sympathien in der Tasche, weil er sich die richtigen Feinde macht.
Nun, jedenfalls las ich vorhin in meiner zuverlässigen taz einen augenzwinkernden Artikel zu Mike und seinem neuesten Werk, Sicko. Es geht hier um eine Ankreidung der gräßlichen Verhältnisse in Sachen Gesundheitsversorgung, die in den Vereinigten Staaten vorherrschen (für diejenigen, die es noch nicht wissen). Die Autoren kamen zu dem Schluß, daß Mikes Beitrag zwar erneut nicht die Welt verändern würde, wie er ja schon bei der Wiederwahl Bushs zu seinem und vieler anderer Leute Schrecken feststellen mußte (was dann für lange Zeit zu einer Flaute in seinen Veröffentlichungen führte, die ich als Newsletterabonnent ja auch mitbekam, ebenso wie seine Frustration, daß er dermaßen ohne Wirkung geblieben war) aber daß Moore in diesem neuen Film etwas anspricht, was den Amerikanern auf den Nägeln brennt und mit dem sich von allen Präsidentschaftskandidaten gerade mal einer ernsthaft in seinem Programm auseinandersetzt, obwohl Sympathisaten beider Lager (Demokraten und Repubikaner, denn andere Lager existieren de facto ja garnicht, die in der nationalen Politik gehört werden) da einen großen Handlungsbedarf sehen.
Es darf davon ausgegangen werden, daß Sicko weit weniger Anhänger in Europa findet als Stupid white Men, Bowling for Columbine und Fahrenheit 9/11, weil die Positionen in dieser Sache hier bei uns auch sehr vielschichtig und munter verteilt sind und man sich die von Mike und seinen Anhängern wesentlich schlechter aneignen kann als seine Einstellung gegen Irakkrieg, Bush und Waffenwahn. Dabei ist das Gesundheitssystem hier bei uns auch auf dem Prüfstand und es wird daran herumnarkotisiert und -gedoktort seit langer Zeit. Liberale (oder zumindest ehrliche) Äußerungen zum Thema veranlassen BILD zur Zeit, Unionsmann Horst Seehofer in den Staub zu schreiben, der es wagte, die Stimme zu erheben und damit die Parteibonzen zu vergällen. justiziale Ex-Bundespräsidenten mit Ruck-Sehnsucht rechnen mit Kommissionen jahrelang daran herum, um hinterher von Merkel durch über den Daumen gepeilte Neuberechnungen widerlegt zu werden. Praxisgebühr, Bürgerversicherungen, Kopfpauschalen, allerlei lustige Anmerkungen und Pläne… tatsächlich betrifft Sicko uns hier in Deutschland von allen Diskussionsbeiträgen Mikes bisher eher am meisten.
Sicko betrifft uns insofern, als das der Film uns vorführen kann, wie gut es uns in Deutschland selbst momentan noch geht mit unserer artigen Krankenversicherung, die sich mindestens 50 Millionen Amerikaner, die KEINE Krankenversicherung haben, von Herzen wünschen würden. Neben einigen Lachern und Kopfschüttlern über die miserablen sozialen Verhältnisse in der Restgroßmacht kann uns der Film möglicherweise eine Wertschätzung für das vermitteln, was wir hier haben und möglicherweise schärft er die Bereitschaft der Bürger einerseits und das Bewußtsein der Politik über die Bürger andererseits, dafür auch angemessenes Geld auszugeben bzw. wie ungemein wichtig gerade SOLCHE staatlichen Aufgaben sind und so kommt auf Umwegen vielleicht auch ein bißchen dieser neuen alten Erkenntnisse im verkümmerten Sozialgeist der Unternehmen an. Daß die Politik denen von sich aus für die Notwendigkeit eines sozialen Bewußtseins, einer gesellschaftlichen Verpflichtung, die Augen öffnet, davon kann man sich heute nicht einmal mehr erlauben zu träumen. Denn dazu müßten die Politiker über Sozialverstand und Sozialkompetenz verfügen und sich derer erinnern, die mit 1.000 Euro monatich eine Familie durchbringen müssen und deswegen keine Zähne mehr im Maul haben.