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At last…my arm is complete again!
Sweeney Todd – The Demon Barber of Fleet Street

Der Lichtblick meines ansonsten ernüchternden Wochenendes war finster, makaber und blutig aber auch melodisch, elegant und schwarzhumorig: Dieser Film. Meinen Respekt hat sich Johnny Depp schon vor einigen Jahren erkämpfen können; vorher hielt ich ihn für den üblichen Teenie-Star, auf den vor allem meine kleine Schwester in „Cry Baby“ total abfuhr. Aber ich durfte über die Jahre immer wieder beobachten, zu was für einem Ausnahmeschauspieler der gute Mann sich entwickelte und außerdem kann niemand ein uninteressanter Typ sein, der mit Hunter S. Thompson befreundet war. Ich weiß nicht, ob letztendlich vielleicht Ed Wood gewesen ist, der mich vollends für den Manne eingenommen hat aber irgendwann wechselte er in meinem Kopf die Schublade und landete bei den wirklich bemerkenswerten Akteuren. Helena Bonham Carter war mir anfangs vor allem als Shakespeare-Aktrisse ein Begriff. Selten habe ich eine beklagenswertere Ophelia gesehen als in Mel Gibsons außerordentlichem Hamlet von 1990 (Kate Winslet macht sich allerdings auch unheimlich gut in Branaghs 1996er Drei-Stunden-Version; kann man sehr empfehlen, so man denn so viel Zeit in einen Klassiker investieren möchte). Tim Burton schließlich hat es schon immer verstanden, bei mir einen Nerv zu treffen und wenn ich von Edward Scissorhands wegen seiner damaligen Omnipräsenz und aufgrund des ja durchaus nicht unverdienten Hypes eher ziemlich GEnervt war, blieb ich dem seltsamen Herrn jedoch weitgehend treu, wenngleich ich nach wie vor finde, dass eine Neuverfilmung von Planet der Affen trotz des grässlichen Charlton Heston nicht hätte sein müssen.
Die letzte Zusammenarbeit dieser drei meiner Helden in The Corpse Bride hatte mir zwar nicht ganz so gut gefallen wie seinerzeit Nightmare before Christmas (den ich noch immer absolut genial finde; The Corpse Bride ist natürlich trotzdem ein toller Film) aber Ed Wood und Big Fish zählen lange genug zu meinen Lieblingsfilmen um da ein großes Potential zu vermuten und als ich hörte, dass diese drei die alte Story von Sweeney Todd, bzw. das seinerzeit umstrittene, eindrucksvolle und sehr unorthodoxe Musical zum Thema von Stephen Sondheim verfilmen sollten, war ich schon im Voraus hoffnungslos begeistert. Leider gelang es mir jedoch wie so oft nicht, den Film im Kino zu genießen und so brannte ich auf die DVD, deren Special Edition ich mir umgehend reservierte. Als sie nun endlich ankam warf ich sie in meiner Mittagspause sofort für ein paar Minuten ein und wurde, im Gegensatz zu einer Menge anderer Burton-Fans, nicht enttäuscht.
Der Film ist ein hervorragendes Zusammenspiel von Schauspielkunst, Musik und Kulisse. Tatsächlich ist es indes gerade die Musik, die bei den Rezensenten harsch in der Kritik steht.
Dabei wird oft vergessen, dass Burtons Auftrag gerade lautete, das Musical zu verfilmen und man angesichts dessen nicht wirklich erwarten kann, dass plötzlich die Genies Danny Elfmann oder Randy Newman den Dirigentenstab halten. Sondheims durchaus sehr beliebtes und unterhaltsames Score ist auch nicht im Mindesten schlecht oder unangemessen. Die Musik und die großartig getexteten Songs ironisieren das Geschehen auf der Bühne wirkungsvoll, so, dass man sich nicht fühlt als verfolge man einen blutrünstige Rachefeldzug, sondern ist mit einer skurrilen Geschichte konfrontiert, die viel Tragik und Gewalt aufzubieten hat aber letztendlich wunderbar menschlich bleibt und sich ein Augenzwinkern erlaubt. Burtons Szenen unterstützen diesen Eindruck sehr wirkungsvoll. Ich denke da besonders an meine trotz ihrer abscheulichen Blutigkeit definitiven Lieblingssequenz nach der Verschleppung von Töchterchen Johanna, als Todd und Lovett ihre schicksalsträchtige Vereinbarung in die Tat umsetzen und er am laufenden Bande seinen Kunden die Kehle durchschneidet und sie über den grotesken Barbierstuhl in den Fleischkeller seiner Nachbarin verfrachtet, die die bedauernswerten Herren dann in den Fleischwolf steckt, um Pasteten aus ihnen zu machen. Todd singt einen der wie ich finde schönsten Songs des Musicals (und Johnny Depp schafft es, dass es einem dabei kalt den Rücken herunterläuft), die Reprise zu Johanna (Lyrics), der „jugendliche Held“ Anthony irrt auf der Suche nach dem Mädchen, mit dem von seiner verlorenen Tochter schwärmenden Mörder im Wechsel singend, durch das pechschwarze London und während dieser Zeit schlachtet Todd blutgewaltig einen Kunden nach dem anderen und verfrachtet sie fließbandartig in den Keller. Trotz seiner Scheußlichkeit wohnt dieser Sequenz ein derartig intensiver schwarzer Humor inne, wie auch eine Leidenschaft, ein Sichverzehren des eiskalten Killers nach seinem verschollenen alten Leben, dass vor allem Traurigkeit und Mitleid aufkeimen und mit jeder Zeile weniger Abscheu über das, was dieser Mann da eigentlich tut. Die blutigen Morde verfehlten trotz der melancholisch-ironischen Aufweichung durch die Songs ihre Wirkung allerdings durchaus nicht; ich weiß, dass ich mich in den nächsten Monaten bei keinem Friseur werde rasieren lassen können.
Worauf ich hinauswill: die Musik stört die Atmosphäre keinesfalls, sondern bringt noch am ehesten den augenzwinkernden Burton-Faktor in den Film ein, den so viele Fans bei Sweeney Todd vermissen. Ist man zu Beginn über den London besingenden Anthony insofern noch ein wenig unschlüssig geht einem spätestens die Ironie der ganzen Sache auf, wenn Todd in den Song mit einstimmt und ihn in eine Haßtirade verwandelt. Das Grau in Grau und die allgegenwärtige Schwärze als Untermalung zu Anthonys Schwärmerei hätten einen freilich schon mit der Nase darauf stoßen können… das würde jedoch voraussetzen, dass dem Betrachter bei dem Wort Musical nicht ohnehin schon Hörner wachsen. Leider ist das jedoch recht häufig der Fall und wenn man sich den einen oder anderen Musicalfailm anschaut, wird diese Einstellung durchaus verständlich. Sweeney Todd allerdings verdient ein genaueres Hinsehen, ein genaueres Hinhören.
Die wirklich herrliche Besetzung des Films gibt in jeder Beziehung ihr bestes. Meinte man vielleicht vor einigen Monaten noch, Jack Sparrow sei die Rolle, mit der Johnny Depp in der Filmgeschichte verhaftet bleibt, so ist ihm Sweeney Todd schlichtweg auf den Leib geschrieben. Selbstverständlich hat Tim Burton großen Anteil daran, der Depp inzwischen wohl als Standardbesetzung für jede Figur, die er sich ausdenkt, im Hinterkopf hat. Und wer würde es ihm verübeln? Johnny Depp füllt jede Rolle, die man ihm gibt, perfekt aus. Ist den entsprechenden Figuren dann noch eine gewisse Skurrilität, eine Fremdartigkeit eigen, so wird man dafür keinen besseren Schauspieler finden können. Obwohl kein ausgebildeter Sänger, vermag er bei seinen Songs ungemein zu beeindrucken. Was ihm an Technik fehlen mag, macht er durch überwältigende Schauspielerei wieder wett und etwas anderes ist von diesem Mann auch nicht zu erwarten. Stimme wie Auftreten haben etwas Dämonisches. Ein Attribut, das im Original wesentlich besser in den Untertitel passt als das deutsche “teuflisch”. Hier agiert ein bedauernswerter Mann, den die Ungerechtigkeit des Lebens und der menschlichen Gesellschaft in einen Dämon verwandelt haben und Johnny Depp stellt diesen Dämon auf eine Weise dar, die fast schon beunruhigend glaubwürdig ist. Der finstere, manische Song My Friends (Lyrics) markiert einen Höhepunkt in dieser Darstellung.

At last…my arm is complete again!
Man könnte erst gewissen Anstoß an Helena Bonham-Carters dünnem Stimmchen nehmen doch das sollte man nicht, denn tief in ihrem Inneren ist Mrs. Nellie Lovett eine durchaus naive, verletzliche und Süßlichkeit verspritzende Frau, deren Lebensumstände ihr eine Rolle aufgezwungen haben, die ihrem Naturell widerspricht, die sie aber über die Jahre gelernt hat, kompetent auszufüllen. Einerseits haben Not und Verzweifelung sie moralisch derart abgestumpft, dass sie bedenkenlos Menschenfleisch für ihre Pasteten verarbeiten kann. Andererseits ist sie selbst aber noch Mensch genug um sich letztendlich nichts mehr zu wünschen als ein friedliches gemeinsames Leben mit Mister T. und ihrem Ersatzkind Toby und davon auf kindlich-naive Weise zu schwärmen versteht. Licht und Dunkel vereinigen sich in ihr und die beste Art und Weise, diese Vereinigung äußerlich zu machen, ist, Helena Bonham-Carter zu engagieren. Auch sie ist keine ausgebildete Sängerin doch ist es gerade diese unausgebildete Stimme gepaart mit ihren herausragenden darstellerischen Qualitäten, die sie zur letztendlich glaubwürdigsten Person dieses Dramas machen.

Alan Rickman freilich brilliert einmal mehr als unerbittlicher Schurke mit verletzlicher Seele. Die Gerichtsverhandlung über den bedauernswerten rothaarigen Jungen wirkte gnadenlos genug ohne, dass man den Angeklagten sah, doch Turpins Sprüche gemünzt auf diesen sich am Podest festhaltenden, wimmernden kleinen Jungen fügen dem Abscheu noch einige Lot hinzu. Seine Bösartigkeit erhält Risse, wenn Richter Turpin zusammen mit Todd den Pretty Women (Lyrics) der Welt ihr kleines Liebeslied trällert. Auch Rickman freilich ist kein Sänger, doch schafft er es, dem Liebeslied so eine nachhaltig sympathische Schwärmerei zu verleihen, dass er zwischenzeitlich für einen winzigen Moment zwar wie ein alternder Lüstling, aber durchaus nicht unliebenswürdig wirkt. Selbstverständlich schlägt dieses Gefühl sofort wieder um, als Anthony in den Barbershop stürzt, Todd die Tour vermasselt und der Richter hoch erbost vom Stuhle aufspringt und erklärt, er würde Todds Salon nie wieder betreten.

Judge Turpin: “My ward. And pretty as a rosebud.” – Sweeney Todd: “Pretty as her mother.” – Judge Turpin: “Hm? What was that?”
Besser hätte man die Verfilmung des 29jährigen Musicals von Sondheim kaum besetzen können. Man darf dabei schlichtweg nicht aus den Augen verlieren, dass nicht die Gesangsqualität (die allerdings trotzdem erstaunlich hoch ist), sondern die filmische Darstellung des Geschehens, der Atmosphäre und des Wahnsinns hinter der alten urbanen Legende des Barbiers aus der Fleet Street hier im Vordergrund steht. Auch die Kulisse des finsteren Londons des Benjamin Barker ist nichts anderes als überzeugend. Es existieren in diesem Film nur zwei Farben jenseits von schwarz und weiß und das sind das allgegenwärtige Rot des Blutes und das traumhaft schimmernde “Yellow” des Haars zweier wunderschöner Frauen, die für den Protagonisten und Antihelden verloren scheinen. Umso mehr überraschen die wenigen Farbsequenzen mit Johanna in ihrem goldenen Käfig und selbstverständlich Nellie Lovetts Zukunftsvision mit dem stets unbewegten Sweeney Todd darin, der teilweise wirkt, als habe man ihn einfach auf magischem Wege in ein neues Kostüm gezaubert, ohne, dass es zu irgendeiner körperlichen Regung gekommen wäre.
Bemerkenswert an dem oft kritisierten Ende (von einem Tim Burton wäre womöglich zu erwarten gewesen, dass Todd und Lovett davonkommen mit ihren Verbrechen)scheint mir die schließlich eingetretene Wandlung des jungen Toby. Im Verlaufe des Films scheint er Todd ähnlicher und ähnlicher zu werden, obwohl er sich eigentlich vor ihm fürchtet und ihm mißtraut. Der nette kleine Junge ist er nur noch für Mrs.Lovett. Nachdem diese ihn enttäuscht hat, bzw. ihm genommen wurde, ergreift er das Messer, welches Todd zur Ruhe betten wollte, und lässt es weiter Rubine sprudeln. Toby hätte es nach seiner eigenen Rache fallenlassen können; vielleicht hat er es getan. Doch der Film enthüllt nicht, was aus den Überlebenden wird, denn es handelt sich schließlich um “The Tale of Sweeney Todd”. Der so entstehende Eindruck, dass die Legende weiterlebt (wie sie ja auch in der Realität niemals als Hirngespienst entlarvt wurde), wird sicherlich nicht zufällig erweckt.

The Demon Barber and his Director
Sweeney Todd ist kein typischer Burton, was nicht verwundern kann, wenn man das enge Korsett des Musicals bedenkt. Aber nichtsdestotrotz ist er ein wirklich guter Burton, der dank der außerordentlich stimmigen Kombination seiner verschiedenen Komponenten das Zeug zu einem wahren Kultfilm hat. Ich halte seinen Humor für einnehmend, seine Bildgewalt für ungemein beeindruckend und originell (okay, die Eingansszene mit dem Schiff erinnert an Nosferatu bzw. Dracula aber ich denke, man sollte sie als Hommage betrachten), die Gesangsdarbietungen für zumindest bemerkenswert wenn nicht gar herausragend und die Schauspielkunst für grandios, auch oder vielleicht sogar gerade, weil den Darstellern eine gewisse Hemmnis ob der ungewohnten Gesangsanforderungen anzumerken ist. Hier tut die Musik genau das, was sie eigentlich im Film bewirken sollte, nämlich eine Verstärkung des Ausdrucks herbeizuführen. Außerdem bringt sie die notwendige Ironie ins Spiel, um die teilweise sehr splattermäßgen Szenen ertragen zu können. Man könnte freilich die eher dünne Story einwenden, die Motive der handelnden Personen erfragen und außerdem darauf hinweisen, dass ein Musical eigentlich wenigstens eine Szene beinhalten sollte, die die glücklichen Liebenden zeigt aber hier ist Burton zum Glück wieder ganz Burton und lässt die Erzählung mit ihrem Protagonisten enden, um das weitere Geschehen der Vorstellungskraft, bzw. den Vorlieben des Publikums zu überlassen.

Viel näher kommen diese zwei sich nicht
Hätte man die Verfilmung dieses Musicals besser hinbekommen können? Ich wage zu behaupten: Nein. In meinen Augen ein Meisterwerk und auf jeden Fall sehenswert, auch für Nicht-Burton- und Nicht-Depp-Fans und diejenigen, die mit Musicals sonst eigentlich wenig bis garnichts am Hut haben.
Tomorrow…
Okay, morgen braucht es Geistesgegenwart, Wissen, Schlagfertigkeit, Konzentration, Gesundheit und jede Menge Glück. Da mir all das definitiv nicht zur Verfügung stehen wird, bleibt mir nur eines, nämlich den Geist der Muse und der Kreativität heraufzubeschwören und durch heiseres Intonieren, unterbrochen vom gelegentlichen scharfen Erkältungskeuchen, die Inspiration so lange wie möglich an meiner Seite zu halten:
[ANNIE]
The sun’ll come out
Tomorrow
Bet your bottom dollar
That tomorrow
There’ll be sun!
Just thinkin’ about
Tomorrow
Clears away the cobwebs,
And the sorrow
‘Til there’s none!
When I’m stuck with a day
That’s gray,
And lonely,
I just stick out my chin
And Grin,
And Say,
Oh!
The sun’ll come out
Tomorrow
So ya gotta hang on
‘Til tomorrow
Come what may
Tomorrow! Tomorrow!
I love ya Tomorrow!
You’re always
A day
A way!
Drückt mir die Daumen-_-
Sonntag: Was man manchmal so macht…
Manchmal ganz lustig, was einen dazu verleitet, irgendwas zu tun. Allgemein probiere ich gern etwas neues aus oder riskiere mal ein paar Kröten, um meinen Horizont ein bißchen zu erweitern (oder mich einfach mal neuen Eindrücken aussetzen zu können). Seit einer Weile schwebte mir eine Episode der Spielberg-Zeichentrickserie “Animaniacs” vor, in der die Protagonisten Rita (eine singende Katze) und ihr ständiger Begleiter (Runt, ein etwas debiler Köter, der sie ebenfalls für einen Hund hält), deren Einsatzgebiet immer gern gesungene, parodistische Sketche sind, das Musical “Les Miserables” veralbern (das Drehbuch des kleinen Cartoons findet sich hier: http://people.deas.harvard.edu/users…seranimal.html <— und ich bitte zu beachten: HARVARD! ).
Ich kenne natürlich "Die Elenden" von Victor Hugo, denn die Anfänge der Republik und die Zeiten der Revolution finde ich fürchterlich interessant. Einige Verfilmungen der Elenden kenne ich durchaus auch und zudem den einen oder anderen Song aus dem Musical, wobei ich mich immer darüber aufgeregt habe, wie man so eine großartige Vorlage dermaßen weichspülen und verschandeln kann.
Vor ein paar Wochen entdeckte ich bei Ebay, daß eine wackere Händlerin Seasons der Animaniacs als DVDsets im Original anbietet und habe bei Season eins relativ schnell zugeschlagen, wie ich das immer mache. Am besten an der Serie, als ich sie seinerzeit im Fernsehen gesehen habe, haben mir eigentlich die "Goodfeathers" gefallen, quasi drei Mafia-Tauben, die Karikaturen von Robert DeNiro ("Are ye dokin' to me?") , Joe Pesci ("Dat's it!") und Ray Liotta ("As far as I remember I always wanted to be…") sein sollten und mich immer ziemlich zum lachen brachten. Aber trotzdem waren mir Musicals auch nie fremd und deswegen fand ich Rita und Runt durchaus lustig gemacht. Wirklich bekannt aus der Serie sind am Ende nur Pinky und Brain geworden…aber was soll'S.
Jedenfalls schlug ich zu und hatte sogar Glück: Les Miseranimals findet sich ebenso auf den DVDs wie z.B. East Side Pigeons (man kann sich denken, was hier veralbert wird; statt amerikanischen Jungs und Puerto Ricanern bekämpfen sich hier Tauben und Spatzen – allerliebst!) und einige andere Klassiker. Als ich nun aber die Miseranimals anschaute, mußte ich feststellen, daß mir doch einige Songs nicht bekannt waren, die dort veralbert wurden. Tatsächlich belief sich meine Kenntnis auf den stärksten und prägnantesten Song im Musical: "Do you hear the people sing", aus dem die Autoren bei Warner ein ausgesprochen geniales "Do you hear the poodles bark" gemacht haben – absolut herrlich!
Jedenfalls fühlte ich mich plötzlich ungeheuer animiert, trotz meiner grundsätzlichen Abneigung gegen die Vermanschung eines großen Klassikers (Die Götter mögen mir – und ihnen – beistehen, wenn sie das mit Dickens' "Geschichte aus zwei Städten" versuchen) in das Musical reinzuhören. Freilich nicht in die meist ja noch seichtere deutsche Version, sondern in die englische. Was tat ich also? Ich warf gute 20 Euro in die aufgerissenen Rachen einiger Amazonen und ta-daa – am Freitag erhielt ich die Aufzeichnung des Jubiläumskonzerts der Miserablen auf DVD, freilich in der Albert Hall im Original aufgenommen und mit gräßlichen Untertiteln ausgestattet, die ich glücklicherweise entfernen konnte. Ich ZOG mir das Musical rein, heute Morgen (naja, von heute Mittag bis heute Nachmittag, im bekannermaßen ja eh leeren Bett ) und nicht nur, daß ich danach endlich alle Songs, auf die in dem kleinen Cartoon angespielt wurde jetzt auch erkennen konnte: Ich MUSSTE mir eingestehen, daß mir das Werk nicht halb so furchtbar gefiel, wie ich angenommen hatte.
Die Motive der Revolutionäre bleiben relativ trübe, wenngleich versucht wird, das Elend des Volkes darzustellen. Wie es sich für ein Erfolgsmusical gehört, tritt die Liebesgeschichte in den Vordergrund und es kommt zu einigen Auslassungen, die den harmonischen Ablauf der Story behindern. Pathetische Sangesbrüder verleiten einen dann und wann zum Stirnrunzeln und leider ist die schurkische Eponine (die im Musical auch nicht halb so schurkisch daherkommt, was freilich die Tatsache ungerecht erscheinen läßt, daß die von ihr und ihrer Familie als Kind gequälte Cosette am Ende den Baron bekommt, während Ponine mit einem sentimentalen Lied auf den wohlgeformten Lippen auf den Barrikaden stirbt) wesentlich hübscher und sympathischer als die erwachsene Cosette – und sie singt auch besser.
Valjean wird zumindest als alter Mann glaubwürdig dargestellt, eingangs den Sträfling hingegegen nimmt man dem dem sangeskräftigen Darsteller nicht so recht ab. Der unerbittliche Inspektor Javert wird zwar vortrefflich gesungen aber er kommt nicht drahtig und asketisch genug daher. Er wirkt auch nicht so bedrohlich wie der Javert, den man sich beim Lesen vorstellt.
Die Familie Thénardier sorgt für Humor und einige Lacher. Das verwirrt. Der durchaus reulose Thénardier und seine Familie hatten seinerzeit die kleine Cosette gegen einen regelmäßigen Geldbetrag von 10 Francs aufgezogen. Sie war ihnen von der in Montfermeil Arbeit suchenden Fantine, ihrer Mutter, übergeben worden, damit sie eine glücklichere Kindheit hat und nicht im selben Elend wie ihre Mutter leben muß. Die Thénardiers mißbrauchen Cosette jedoch als eine Art Cinderella, lassen sie hart und bitter schuften und lesen andererseits ihren beiden Töchtern (eine von ihnen ist Eponine) die Wünsche von den Augen ab, soweit ein ehemaliger Sergeant Napoleons und jetziger abgehalfterter Wirt das vermag.
Valjean muß den Thénardies Cosette für 1.500 Francs abkaufen, damit sie sie ohne weitere Probleme gehen lassen (er hatte der sterbenden Fantine, von der er glaubte, er habe sie in die Lage gebracht, sich prostituieren zu müssen, versprochen, sich um ihre Tochter zu kümmern). Diese Schurken aus Überzeugung werden als lustige, spaßige Gesellen dargestellt. Das Publikum lacht sich innere Organe aus dem Leib, wenn sie die Bühne nur betreten. Nicht sehr werkgetreu und ohne Kenntnis der wahren Geschichte rührt Eponines Tod einen wesentlich mehr als daß man Cosette das Glück mit Marius, dem revoltierenden Jungbaron gönnen würde.
Es gibt mehr störende Elemente, beispielsweise die Tendenz, die Revolution als sinnlose Vergeudung von Leben darzustellen. Ich kann eine solche Botschaft schlecht hinnehmen; indes weiß man freilich, für wen Musicals und Operetten einmal geschrieben wurden und mit welcher Intention die Autoren zu schreiben hatten.
Trotzdem bereue ich den Kauf durchaus nicht und die Songs kamen mitreißend genug daher, um mich wieder reinhören zu lassen. Und wer ist schuld an diesem kleinen Selbstverrat? Stephen Spielberg.
Mr.Hollands Opus
Dabei handelt es sich um einen der Filme, die ich wirklich gerne ansehe. Ich habe, ehrlichgesagt, keine Ahnung, ob der OSCAR-relevant ist oder nicht aber erstens werden den vermutlich eh eher wenige Leute kennen und zum anderen finde ich auch keine vernünftigen Trailer und dergleichen (vielleicht, wenn ich mit etwas mehr Engagement suchen würde…naja^^).
Der Film ist bei vielen DVDHändlern seit einer Weile vergriffen, meine Variante beschränkte sich auf einen werbeverseuchten Fernsehmitschnitt von vor einigen Jahren. Allerdings gelang es mir in der letzten Woche, eine DVD-Version gebraucht bei Amazon.Marketplace zu erstehen. Die Händlerin sandte mir umgehend die DVD und sie ist in erstklassigem Zustand. Vorhin habe ich ihn mir seit bestimmt einem Jahr erstmals wieder angesehen und ich muß zugeben, daß er mich noch immer irgendwo bewegt.
Was interessiert mich an diesem eher braven Hollywoodstreifen? Die Grundtragik eines engagierten Jazzmusikers, der eigentlich komponieren will und das Geld dafür in vier Jahren als Lehrer erwirtschaften möchte, damit er und seine Frau ein erfreuliches Leben haben können, bis die ersten Kompositionen einschlagen, trifft mich irgendwie. Habe ich etwas in der Art nicht auch mal von MEINEM Job gedacht? Daß er nur eine Übergangslösung sein sollte, bis ich auf kreative Weise meine Brötchen verdienen kann? Ja, durchaus. Und wie beim Protagonisten machte auch mir das Leben einen Strich durch die Rechnung: Er und seine Frau erwarteten plötzlich ein Kind, was bei ihm den Umschwung auslöste und er auf einmal seinen Job mit Engagement betrieb, weil er seine Familie durchbringen wollte. Bei mir wurde dieser Umschwung ausgelöst durch meine ebenso urplötzliche, scheinbar endlich mal ernsthafte und auf Dauer angelegte Partnerschaft. Plötzlich wurde mir bewußt, wofür ich arbeite und ich tat es nicht mit Freude aber durchaus mit Engagement. Wie Holland blieb ich in meinem Job hängen und er wurde eine Koryphäe als Musiklehrer. Ich bin sicherlich keine Koryphäe geworden. Dafür blieb mir der Schlag erspart, daß mein Sohn taub auf die Welt kam und somit aus Sicht des Vaters nie wirklich Verständis für das würde aufbringen können, was ihm das wichtigste auf der Welt war – neben Frau und Familie. Die vorstellung, ich könnte irgendwann ein Kind haben, das nicht sehen bzw. nicht LESEN kann, löst bei mir auch ein ausgesprochen mulmiges Feeling aus. Allerdings hatte sich das Problem bei mir recht bald erledigt, nachdem meine Freundin mich sitzenließ und ich für mich beschloß, es nicht mehr darauf ankommen zu lassen, um einen weiteren schweren Schlag dieser Art auf meine ohnehin instabile Konstitution zu verhindern.
Am Ende des Films entdeckt Holland einerseits, daß sein Sohn durchaus ein Gefühl dafür hat, wie bedeutsam Musik sein kann, daß es ihm NICHT egal ist, daß John Lennon ermordet wurde und im Gegenzug unternimmt der Vater von nun an einiges, um Mittel und Wege zu finden, Gehörlosen Musik nahezubringen, was Daddy und Sonny letztendlich versöhnt. Klingt nicht sehr originell, ich weiß. Es ist das Finale des Films, was mich rührt.
Dem 60jährigen Holland wird mitgeteilt, daß aus Einsparungsgründen die Fächer Schauspiel und Musik an seiner High School zukünftig nicht mehr angeboten werden sollen. Er spricht beim Schulnbeirat vor, in dem einige seiner ehemaligen Schüler sitzen, und protestiert lautstark darüber, daß es ein Unding sei, den Schülern die musischen Fächer zu rauben, da ein kultureller Hintergrund schließlich elementarer Bestandteil der Menschwerdung zw. des Menschseins ist. Doch der Beirat geht – entgegen Hollands Erklärung – davon aus, daß er nur seinen Job retten will und geht nicht auf ihn ein.
Zu Semesterende läßt Holland sich von erwachsenem Sohn und Frau in der Schule von seinem letzten Schultag abholen. Er ist frustriert und verbittert, weil er davon ausgeht, daß er in all den Jahren seiner Zeit als Lehrer eben doch nichts erreicht hat und daß er wohl doch besser den Weg des Komponisten eingeschlagen hätte. Während die Familie auf den Ausgang zugeht, ertönt Musik aus der Aula. Überraschend stellt Holland fest, daß zu seinen Ehren eine große Abschiedsfeier gegeben wird. Etliche ehemalige Schüler fanden sich ein, um ihn und seine Lebensleistung zu würdigen, selbst die Gouverneurin des Staates, die ebenfalls eine ehemalige Schülerin ist, der Holland beigebracht hatte, Klarinette zu spielen, findet sich ein und hält eine kleine Laudatio auf ihn, um sich später dem Orchester hinzuzugesellen, das Hollands Amerikanische Symphonie, an der er all die Jahre nur noch nebenher gearbeitet hat, erstmals aufführt (freilich hätte sie besser dafür sorgen sollen, daß die musischen Fächer an den Highschools nicht weggekürzt werden müssen aber nun gut, es ist Hollywood). Schließlich stellt Holland fest, daß er sein Leben doch nicht vergeudet und etliche Seelen und Existenzen nachhaltig berührt hat.
Und DAS ist das, was mich an diesem Film anrührt: Ich weiß, daß, wenn ich einmal die Bühne der Welt verlasse, niemand nachhaltig von mir beeinflußt und beeindruckt wurde, daß die Tatsache, daß ich meine Träume dem Pragmatismus geopfert habe, nicht irgendwann gewürdigt wird, denn ich leiste nichts besonderes und stelle nichts besonderes da. Mein Job besteht größtenteils darin, Leute zu verärgern, bzw. von ihnen verarscht zu werden. So kitischig und hollywoodmäßig der Film sein mag, so sehr füttert er mich doch moralisch, indem er etwas erhebendes präsentiert und vorführt, das mir niemals widerfahren wird. Viele Filme, Bücher und Geschichten, die wir gern konsumieren, bedienen so eine unterdrückte Sehnsucht in uns und es ist gut, daß sie sie bedienen, denn so lernt man die erhabenen Gefühle, die die Befriedigung eines solchen Wunsches, wenigstens einmal kennen, obwohl man ansonsten in seiner eigenen Gewöhnlichkeit versinkt. Das macht sie wertvoll.
Eine andere Sache, die ich nach Betrachtung mit Bedauern feststellen muß: Ich habe ihn NIE mit meiner Freundin angeschaut. Allerdings nicht zuletzt wohl auch deswegen, weil sie die Musik gehaßt hätte=)